Infografik

Urban und Grün: der nördlichste Stadtteil Blumenthal

Viele Grün- und Marschflächen, aber auch Wohngegenden und ehemalige Fabriken: Blumenthal ist vielfältig. Der nördlichste Stadtteil ist auch sehr multikulturell.

Stadtteilcheck

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1 Die Menschen und das Leben in Blumenthal

Einige Ereignisse haben das Leben des Stadtteils und der Blumenthaler besonders geprägt, jedoch nicht immer im positiven Sinne. Eines vor allem, die Pleite der Werft Vulkan im Jahr 1997. Dabei verloren mehr als 2.000 Menschen in Bremen ihren Job. Und die Schließung der Wollkämmerei im Jahr 2009: Hier waren schon seit Jahren die ersten Arbeitsplätze weggebrochen. Noch sind die Folgen für viele spürbar. Doch Blumenthal ist eben auch viel mehr als das.

Als nördlichster Stadtteil bietet er eine Mischung aus Grünflächen und Urbanität. Ein wenig abgeschottet vom Zentrum der Stadt, hat er einen eigenen Ortskern. Viele beklagen, dass die Pleiten der großen Firmen auch dort ihre Spuren hinterlassen haben: Leerstände, weniger Leben. Doch in Blumenthal tut sich gerade was, erklärt der Ortsamtsleiter Peter Nowack. "Es gibt viele Vereine, Initiativen, viele davon ehrenamtliche, die Ideen produzieren." Und es gebe sehr viel Grün, die Nähe zum Wasser und viele schöne Ecken zum Wohnen, fügt er hinzu.

Auch wird viel Energie in die Integration investiert. Denn in Blumenthal ist der Anteil der Bürger mit Migrationshintergrund vielleicht nicht so hoch wie in Gröpelingen, Osterholz oder der Vahr, doch auch hier leben viele Menschen mehrerer Kulturen zusammen. Über 45 Nationalitäten sind im Stadtteil vertreten.

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Insgesamt gibt es in Blumenthal circa 32.500 Einwohner. Mit einer deutlich jüngeren als älteren Bevölkerung gehört der Stadtteil eben zu den "jüngeren" Vierteln. Hier wohnen fast 9.000 Menschen unter 25 Jahren und 6.800 über 65.

Das durchschnittliche Jahreseinkommen liegt bei 25.200 Euro, das mittlere bei 18.900 Euro. Das bedeutet, dass die Hälfte der Lohn- und Einkommensteuerpflichtigen weniger als 18.900 Euro im Jahr, also im Schnitt weniger als 1.500 Euro im Monat, als Einkommen hat.

Jahreseinkommen im Stadtteil Blumenthal DURCHSCHNITTLICHES JAHRESEINKOMMEN 18.900 € 25.200 € MITTLERES JAHRESEINKOMMEN
Die Werte zeigen das Bruttoeinkommen abzüglich aller Abgaben und Belastungen, die für die Berechnung der Einkommenssteuer relevant sind. Quelle: Statistisches Landesamt, Bremen, Stand: 2013

Die Zahl der Arbeitslosen (etwa 2.100) ist relativ hoch und im Verhältnis zur Anzahl der erwerbsfähigen Einwohner eine der höchsten in Bremen. Hoch ist auch die Zahl der Hartz-IV-Empfänger (7.170). Viele von ihnen (1.387) sind Kinder zwischen 6 und 15 Jahren, die in entsprechenden Bedarfsgemeinschaften leben. Auch enge Familienmitglieder von Arbeitslosen können unter bestimmten Bedingungen Hartz-IV empfangen. Zum Beispiel, wenn sie sich gerade in der Ausbildung befinden.

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Die Fälle von Wohnungseinbrüchen und Gewaltkriminalität waren in Blumenthal 2017 stark rückläufig. Im vergangenen Jahr stiegen die Zahlen dann wieder leicht an. Es gab zwei Fälle mehr bei den Wohnungseinbrüchen und elf bei den Gewalttaten.

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2 Probleme und Herausforderungen

Viele industrielle Arbeitsplätze sind jetzt weg, wie der Ortsamtsleiter bestätigt. Neue zu schaffen sei eine Herausforderung für die Zukunft. "Wir werden nicht die großen Industriebetriebe wieder kriegen, wie wir sie damals hatten, sondern eher kleine Handwerksbetriebe."

Auch die Zukunft des ehemaligen Wollkämmerei-Geländes beschäftigt momentan den Stadtteil. Von einem Berufsbildungscampus oder einem neuen Quartier war schon mal die Rede. Zudem müsse man die Verkehrsverbindung optimieren, Kita- und Wohnplätze schaffen und die Gewerbegebiete mit Leben füllen, sagt Nowack.

Viele beklagen sich, dass der Ortskern nicht mehr das ist, was er vor 30 Jahren war. Natürlich sieht auch der Ortsamtsleiter die Probleme: "Die Leute erzählen, wie toll das Blumenthaler Zentrum früher war. Jetzt gibt es viele Leerstände. Man muss gucken, dass wir eine Lösung findet. Man muss die Eigentümer dazu bringen, die Qualität der Wohnungen zu verbessern." Auch die Armut und die Arbeitslosigkeit gehörten zu den Herausforderungen, vor allem, wenn es um Langzeitarbeitslose gehe. "Als die Industrien kaputt gingen, waren viele von ihnen die Letzten, die aus dem Betrieb herausgegangen sind", sagt Nowack.

Doch es gebe Projekte, mit denen man das Problem in den Griff bekommen könnte. Eines davon sind die Umweltwächter: Langzeitarbeitslose bekommen reguläre Arbeitsplätze mit Tarifverträgen und engagieren sich beim Saubermachen der Straßen oder der Grünanlagen. "Es sind viele kleine Schritte, die zusammen einen großen ergeben", fasst es Nowack zusammen.

3 Politische Ausgangslage

In Blumenthal waren bei der vergangenen Bürgerschaftswahl vor vier Jahren 70 Prozent der Einwohner wahlberechtigt. Fast die Hälfte der Nicht-Wahlberechtigten hatte keinen deutschen Pass. Die Wahlbeteiligung fiel eher niedrig aus: Nur 44 Prozent der Wahlberechtigten gingen wählen. Rechnet man das an der gesamten Stadtteilbevölkerung, waren es lediglich etwa 32 Prozent der Einwohner, die die politische Zukunft der Stadt – und vermutlich des Stadtteils – mitbestimmt haben. Dabei muss man beachten, dass EU-Bürger bei der Landtagswahl nicht zugelassen sind, doch bei Beiräten und Stadtbürgerschaft mitwählen dürfen.

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Bei den Wahlergebnissen zeichnete sich eine deutliche Überzahl von SPD-Wählern ab (36,8 Prozent der Stimmen), gefolgt von der CDU (23,5 Prozent). Blumenthal zeigte sich 2015 als BIW-Hochburg: Hier erreichten die Bürger in Wut ihren höchsten Stimmenanteil im Vergleich zu den anderen Stadtteilen, und zwar 12 Prozent. Am schlechtesten schnitt hier die FDP ab, mit 3,8 Prozent der Stimmen.

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Bei den Bürgerschaftswahlen 2019 waren 21.873 Bürger in Blumenthal wahlberechtigt – 844 Menschen weniger als im Jahr 2015. (Stand 14. April 2019)

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  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 6. Mai 2019, 19:30 Uhr