Oberbürgermeister bringt Abwracken der "Seute Deern" ins Spiel

  • Oberbürgermeister Melf Grantz fordert schnelle Entscheidung
  • Als möglichen Ersatz bringt er Nachbau eines historischen Schiffes in Spiel
  • Gutachten zeigt: Schiff ist in großen Teilen verrottet
Ein Schiff von außen
Auch nach der Bergung am Wochenende muss die "Seute Deern" weiter rund um die Uhr leergepunpt werden

Die Unterstützung für den Bremerhavener Traditionssegler "Seute Deern" scheint zu bröckeln. Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) fordert eine zügige Entscheidung, ob das Schiff saniert oder abgewrackt werden soll – damit wird erstmals öffentlich ein mögliches Ende der "Seute Deern" ins Spiel gebracht. Grantz forderte nun auch, man müsse mit Nachdruck über Alternativen zu dem Traditionssegler nachdenken, so ein Magistratssprecher zu buten un binnen.

Vorstellbar wäre laut Grantz zum Beispiel der Nachbau eines historischen Segelschiffes, das auf einer Bremerhavener Werft gebaut wurde, sagte der Sprecher – wichtig sei die Verbindung zur Stadt Bremerhaven. Der Sprecher bestätigte auch, dass das Wissenschaftsressort ein zweites Gutachten fordert, um den Zustand des Schiffes zu bewerten. Ein anderes Gutachten von 2018, das buten un binnen vorliegt, hatte dem Schiff bereits damals schwerwiegende Schäden bescheinigt – noch vor dem Brand im Februar dieses Jahres und dem Absinken in das Hafenbecken Ende August.

Zustand der "Deern" deutlich schlechter als bisher angenommen

Versorgungszelt neben der Seute Deern
Schon im Februar 2019 hatte es an Bord gebrannt. Am 30. August sank die Seute Deern dann auf den Hafengrund ab.

Dort heißt es, der Zustand der "Seute Deern" sei "deutlich schlechter als zunächst angenommen". So sei die Beplankung in einem "sehr schlechten Zustand". Es sei wegen Pilzbefalls fraglich, ob die Spanten, also die Rippen des Schiffs, überhaupt noch neue Bolzen aufnehmen können. Der Kiel sei in einem "kritischen Zustand", stählerne Bodenplatten hätten nur noch einen "Bruchteil der ursprünglichen Plattenstärke". Teile der inneren Konstruktion, etwa der ehemaligen Restaurantküche, halten die Gutachter für "statisch bedenklich".

Insgesamt halten die Gutachter eine Sanierung für rund 30 Millionen Euro dennoch für möglich – aber für schwierig, weil etwa das spezielle Schiffs-Bauholz knapp sei: Die erforderliche Holzmenge würde die jährliche Verfügbarkeit bei weitem übersteigen.

Am Mittwoch hatte es ein Treffen zur Zukunft der "Seute Deern" mit Vertretern des Ressorts und der Stadt gegeben. Zuvor hatte ein Sachverständiger das Schiff nach der Bergung untersucht. Dessen Befund ist noch nicht bekannt.

Autor

  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 27. September 2019, 14 Uhr