Wer hat an der Schuldenuhr gedreht?

Nach einer Generalüberholung zählt die Uhr wieder die Schulden Bremens. Doch das sorgt für Verwirrung im Finanzressort: Sie müsste doch eigentlich rückwärts laufen.

Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler
Und da tickt sie wieder: Die Bremer Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler.

Vor wenigen Tagen schickte der Bund der Steuerzahler eine Pressemitteilung an die Redaktionen dieser Stadt. Nach einer Generalüberholung sei die Bremer Schuldenuhr nun zurück an altbekannter Stelle, dem FDP-Gebäude in der Innenstadt.

Carl Kau vom Bund der Steuerzahler
Carl Kau vom Bund der Steuerzahler

Die zwölf Ziffern sollen also wieder mahnend-ratternd aufzeigen, wie der Bremer Schuldenberg stetig in die Höhe wächst. Das gesamte Innenleben der Uhr samt Eingabesoftware sei modernisiert worden, ließ der Chef des Bremer Steuerzahlerbundes und ehemalige CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Carl Kau in der Mitteilung ausrichten. Und bei der Gelegenheit schob er gleich die Forderung nach, dass die Verantwortlichen der Freien Hansestadt Bremen endlich die Schulden tilgen sollten. "Vorerst wird es dazu allerdings nicht kommen", meint Kau.

Tickt die Uhr noch richtig?

Doch all das sorgt bei manchen für ungläubiges Erstaunen. Ist da etwas schief gelaufen bei der Generalüberholung der Uhr? So wundert man sich im Finanzressort, denn eigentlich müsste die Uhr doch rückwärts laufen. In kleinen Schritten zwar, aber rückwärts. Der Behörden-Sprecherin Dagmar Bleiker ist die Funktionsweise der Uhr jedenfalls ein Rätsel: "Seit 2016 tilgen wir im Stadtstaat Schulden. So lagen wir 2016 bei 21,07 Milliarden Euro, 2017 bei 20,62 Milliarden Euro und 2018 bei 20,52 Milliarden Euro."

Dagmar Bleiker vom Finanzressort
Dagmar Bleiker vom Bremer Finanzressort

Offenbar rechnet die Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler aber mit anderen Zahlen. Auf Nachfrage hieß es in der Steuerzahler-Zentrale in Hannover, man beziehe sich auf die Haushalte der einzelnen Städte Bremen und Bremerhaven. Die wären in ihren Zahlen für den Stadtstaat aber durchaus inbegriffen, erklärt wiederum Dagmar Bleiker. Und fügt mit spitzer Zunge hinzu: "Wir laden Herrn Kau gerne mal ein und erklären ihm das."

Vielleicht lösen sich die Rätsel und Wirrungen doch noch auf. Eines deutete Carl Kau in der Pressemitteilung des Bundes der Steuerzahler bereits vorsichtig an: "Rein technisch gesehen bietet die neue Schuldenuhr selbstverständlich auch die Möglichkeit, rückwärts zu laufen“. Na dann.

  • Immo Maus

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 27. Februar 2019, 23:30 Uhr