RKI-Software löst Bremer Corona-Zahlenwirrwarr aus

31 Fälle am Montag, 296 am Mittwoch. Das passt nicht zusammen. Wir erklären, warum Bremens Gesundheitsressort auch am Donnerstag verzerrte Zahlen gemeldet hat.

Schriftzug des Robert Koch Instituts in Berlin
Das Robert-Koch-Institut gleicht die Corona-Fallzahlen der Länder ab. Nicht immer läuft die Datenübertragung reibungslos. Bild: Imago | Andreas Gora

Die Überraschung war groß, als die Zahl gemeldeter Neuinfektionen in Bremen am Montag rasant auf nur noch 31 Fälle sank. Dass die Zahl am Mittwoch auf den neuen Höchstwert von 296 Fällen hochschnellte, sorgte ebenfalls für Verwirrung.

Auf Nachfrage von buten un binnen bestätigt Bremens Gesundheitsressort nun, dass diese Corona-Kennzahlen derzeit tatsächlich nicht die wahre Entwicklung widerspiegeln. Grund des Zahlenwirrwarrs sind demnach Probleme mit der Software des Robert-Koch-Instituts (RKI), die für die Übertragung der Fallzahlen aus den Bremer Laboren zum Bremer Gesundheitsamt eingesetzt wird.

Software-Probleme seit Montagmorgen

"Am Montag haben wir festgestellt, dass ab dem Vormittag über die Meldesoftware des Robert-Koch-Instituts, über die neue Fälle aus den Laboren an das Gesundheitsamt gemeldet werden, keine Daten mehr eingegangen sind", sagt der Sprecher des Gesundheitsressort, Lukas Fuhrmann. Das Gesundheitsamt sei daraufhin mit dem RKI in Kontakt getreten, um das Problem zu beheben.

Die Zahlen von Dienstag seien dann zwar wieder "normal" gewesen, so Fuhrmann – gemeldet wurden 123 Fälle. Am späten Dienstagabend habe es über die Meldesoftware jedoch offenbar eine Nachmeldung von rund 100 Fällen gegeben. "Das erklärt die 296 Fälle am Mittwoch", sagt Fuhrmann.

Donnerstag-Zahlen voraussichtlich zu niedrig

Das Gesundheitsressort geht nun zwar davon aus, dass alle offenen Zahlen nachgemeldet worden sind. Gleichwohl dürfte es auch am Donnerstag und Freitag zu Abweichungen kommen.

Der Grund: Als Ergebnis aus den Gesprächen mit dem RKI wurde die Meldesoftware an diesem Donnerstag zwischen 12 Uhr und 16 Uhr aktualisiert. In dieser Zeit konnten keine Fälle von den Laboren an das Gesundheitsamt gemeldet werden.

Sollten die angeschlossenen Labore nicht alle in diesem Zeitraum auf Fax-Meldungen umsteigen, werden wir heute mit weniger Fällen rechnen, die dann morgen nachgemeldet werden.

Lukas Fuhrmann
Lukas Fuhrmann, Sprecher des Gesundheitsressorts

Gemeldet wurden am Donnerstag 124 neue Fälle.

Im Regelfall, der laut Ressort ab dem Wochenende wieder eintreten dürfte, werden die positiven Meldungen über die Software DEMIS, eine Anwendung des RKI, an das Gesundheitsamt übertragen. Daran angeschlossen sind vor allem die großen Labore in Bremen, aber nicht alle. Darüber hinaus gibt es auch weiterhin Fax-Meldungen direkt an das Gesundheitsamt.

Im Gesundheitsamt werden die Meldungen aus den Laboren mit den Kontaktdaten "gematcht" und weitergegeben. Zum einen wird das Anschreiben erstellt, mit dem die Betroffenen schriftlich informiert werden. Und dort, wo Telefonnummern vorhanden sind, wird angerufen. Zum anderen werden die Informationen der Positiven täglich bis 16 Uhr in die Software SurvNet des RKI eingespeist.

Software-Probleme auch in anderen Ländern

Software-Probleme bei der Datenübertragung zwischen Länderbehörden und dem RKI kommen im Übrigen immer wieder vor. Auch andere Bundesländer waren schon betroffen. So meldete Schleswig-Holstein aufgrund einer Übermittlungspanne Ende April zwischenzeitlich sogar negative Fallzahlen.

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Video vom 16. November 2020
Viele Corona Test im Labor.
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Kristian Klooß Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 19. November, 23:30 Uhr