Pro & Contra

Ende der Galopprennbahn: genau richtig oder richtig traurig?

Am Karfreitag laufen das letzte Mal in der Bremer Vahr Pferde um die Wette. "Endlich", findet unsere Autorin Ramona Schlee. "Schade", sagt Reporter Steffen Hudemann.

Pferd galoppiert an Zuschauern vorbei
Gesellschaftliches Event oder Luxus für ein paar Wenige: An der Galopprennbahn scheiden sich die Geister. Bild: dpa | nph/Ewert

Pro

Die Rennen auf der Galopprennbahn waren ein Spaß für ein paar tausend Zuschauer. Sie kamen, guckten und zockten. Und ja, auch Familien hatten hier einen guten Nachmittag. Entscheidend ist aber: Diesen Spaß gab es nur an wenigen Tagen im Jahr. Die allermeiste Zeit passierte auf der Galopprennbahn nichts, war das Gelände verschlossen.

Jetzt ist die Galopprennbahn Geschichte, die Golf-Range rausgekauft. Jetzt kann gebaut werden. Eintausend Wohneinheiten, wie es im Planerdeutsch heißt, könnten hier entstehen.

Dagegen regt sich allerdings Protest einer Bürgerinitiative. Die sagt: Für die Wohnungen werde die grüne Lunge des Stadtteils zubetoniert. Das ist – zumindest teilweise – richtig. Aber noch ist nicht abschließend geplant und beschlossen, was auf dem 30 Hektar großen Gelände wo und wie gebaut wird. Noch ist Zeit, berechtigte Wünsche der Anwohner zu berücksichtigen. Das kann ein öffentlicher Park sein, genauso wie eine Schule oder eine Kita.

Der Stadt gehört das riesige Grundstück. Sie und der Bausenator müssen dafür sorgen, dass ein lebenswertes Quartier entsteht. Das heißt auch: Investoren an die Leine nehmen. Die Stadt darf die Grundstücke nicht an den Höchstbietenden verkaufen, sondern an denjenigen, der das beste Konzept für das neue Quartier hat und für die Menschen, die da drumherum bereits leben. Und warum nicht mal ganz wild denken? Vielleicht kann die Stadt auch selber bauen, ohne dass profitorientierte Investoren bestimmen, wie das Quartier vermarktet wird.

Das Gelände der Galopprennbahn wird Tausenden Menschen ein Zuhause sein – jeden Tag. Dieses Ziel sticht im "Kreise laufende Pferdchen" um Längen. Deswegen ist es richtig, dort zu bauen. Mit Augenmaß, zum Wohle der Stadt und der Menschen, die in ihr leben.


Contra

Ich gehe gern zum Galopprennen. Mir gefallen die Eleganz der Tiere, die spannenden Rennen, und ich habe Spaß daran, um ein paar Euro zu wetten. Vor allem aber mag ich die familiäre Atmosphäre auf der Bahn.

Ich setze mich auf den Rasen oder die mehr als 100 Jahre alte denkmalgeschützte Tribüne, sehe den Pferden zu oder lasse einfach den Blick über diese 36 Hektar große Grünfläche mitten in der Stadt wandern. Ein Frühlings- oder Sommernachmittag auf der Rennbahn– das ist ein perfekter Ausflug. Das ist Lebensqualität, die Bremen fehlen wird. 

"Wir können es uns nicht leisten, ein so großes Areal ungenutzt liegen zu lassen, nur damit dort ab und zu Pferdchen im Kreis herumlaufen", hat Bausenator Joachim Lohse gesagt. Der Mann hat Recht. Wir können es uns nicht leisten, das Areal ungenutzt zu lassen. Wir sollten dort nicht nur drei-, viermal im Jahr die Pferde laufen lassen, sondern zehnmal.

Natürlich trägt der Rennverein eine Mitschuld am Niedergang. Er hat es versäumt, sich rechtzeitig zu erneuern, Galopprennen ein moderneres Image zu verpassen und so mehr Zuschauer anzulocken. Aber muss man deshalb die ganze Bahn plattmachen?  

Wir sollten lieber Konzepte entwickeln, wie die Rennen wieder attraktiver werden. Und uns außerdem überlegen, wie nicht nur Pferdesportfreunde etwas von der Bahn haben, sondern alle Bremer. Wir könnten die Rennbahn als Park für alle nutzen, mit Konzerten und Theater im Sommer, das Gelände öffnen für mehr Gastronomie, Biergärten, was weiß ich. Sammeln wir Ideen, seien wir kreativ. Möglichkeiten gäbe es viele, wie die Bremer die Anlage auch zwischen den Renntagen genießen könnten. 

Stattdessen baut Bremen jetzt Wohnungen. Einfallsloser geht es nicht. Wohnungen kann die Stadt auf dem Gelände des Klinikums-Mitte hochziehen, auf dem Kelloggs-Areal in der Überseestadt, auf dem Brinkmann-Gelände in Woltmershausen oder von mir aus auch im Neustädter Hafen. Aber ausgerechnet auf einer der größten und schönsten Grünanlagen der Stadt? Warum nicht gleich im Bürgerpark?

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  • Ramona Schlee
  • Steffen Hudemann

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 29. März 2018, 18:06 Uhr