Darum fordern Mitarbeiter des Martinsclubs mehr Gehalt

Sie betreuen Menschen mit Behinderungen und wollen mehr Anerkennung für ihre Jobs: Sina, Alexander und Sebastian demonstrierten mit rund 150 weiteren Martinsclub-Mitarbeitern.

Menschen ziehen hinter einem Transparent mit der Aufschrift "wir sind es wert" durch die Straßen

Zu dem Warnstreik am Mittwochmittag hatten die Gewerkschaften Verdi und GEW aufgerufen. Sie befinden sich in Tarifverhandlungen mit dem Martinsclub. Jüngst scheiterte die zweite Verhandlungsrunde.

Der Bremer Martinsclub kümmert sich hauptsächlich um Bildungs- und Freizeitangebote für Menschen mit Behinderung. Der Verein beschäftigt rund 900 Mitarbeiter. Sie arbeiten in verschiedenen pädagogischen und pflegerischen Berufen.

Eine Frau mit rotem Schal blickt in die Kamera.
Sina Stosch wünscht sich eine bessere Bezahlung und damit ein Zeichen der Wertschätzung. Bild: Verena Patel

Eine von ihnen ist Sina Stosch. Sie kümmert sich um Menschen mit Behinderung, die in ihren eigenen Wohnungen leben, aber auf Hilfe angewiesen sind. Für eine 30-Stunden-Stelle bekommt die Heilerziehungspflegerin etwa 1.900 Euro Brutto-Lohn im Monat. "Ich möchte mehr Wertschätzung für die verantwortungsvollen Aufgaben, die wir wahrnehmen", sagt sie. "Ich vertrete zum Beispiel die Interessen meiner Klienten oft vor Behörden."

Ein Mann mit blauer Strickmütze guckt in die Kamera.
Alexander Werner meint: Ohne Aushilfen und Azubis könnte die Arbeit überhaupt nicht geleistet werden. Bild: Verena Patel

Alexander Werner ist Quereinsteiger in der Arbeit mit Behinderten. Das sagt er selbst. Zurzeit arbeitet er in seinem alten Job weiter und macht eine berufsbegleitende Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. Und er hat eine ganz klare Antwort auf die Frage, warum er das tut: "Das ist ein ganz toller, sinngebender Beruf", sagt er. Die Bezahlung findet er dennoch nicht angemessen.

Wir sind Psychologen, Doktoren, Krankenschwestern, Therapeuten, Betreuer, Polizisten – einfach alles. Die enorme Verantwortung, die wir tragen, steht in keinem Verhältnis zum Gehalt.

Alexander Werner

Auch Anke Schuback arbeitet für den Martinsclub: Als Krankenschwester. Sie verdient auf ihrer Dreiviertelstelle etwa 1.800 Euro brutto monatlich. Sie sagt, jüngere Kollegen, die jetzt in den Beruf starten, würden in niedrigere Gehaltsklassen eingruppiert. Außerdem stört sie noch eine andere Sache.

Weil der Martinsclub so schlecht bezahlt, bleiben viele Stellen lange frei. Das müssen dann die Kollegen auffangen.

Anke Schuback

Flexible Arbeitszeiten und viel Handlungsspielraum – das schätzt die Pädagogin Elke Quest an ihrem Job in der ambulanten Jugendhilfe. Der sieht so aus: Sie betreut Familien aus nächster Nähe, ist auch zuständig, wenn es zum Beispiel um den Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung geht. Dazu arbeitet sie mit dem Jugendamt zusammen. Aber: "Von uns wird letztlich die Risikoeinschätzung erwartet." Eine zweite Meinung kann sie dazu in der Regel nicht einholen. Außer, es gibt eine Krise in der Familie, dann arbeiten die Kollegen auch schon einmal zu zweit.

Ein Mann mit roter Jacke lächelt in die Kamera.
Sebastian Zimmermann hält den Personalmangel in pflegerischen Berufen für ein Problem. Bild: Verena Patel

Sebastian Zimmermann arbeitet in der stationären Betreuung von Menschen mit Behinderung. Dort nimmt er den demografischen Wandel ganz deutlich wahr: Heute ist die Lebenserwartung höher als noch vor 20 oder 30 Jahren, auch bei seinen Klienten. Das bedeutet: Es kommen zu den Behinderungen noch altersbedingte Krankheiten hinzu. Zimmermann findet, dass man dafür personell nicht gerüstet ist. "Dinge bleiben dann schon mal liegen, wir machen nur noch die Grundversorgung", sagt er.

  • Verena Patel

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. Februar 2018, 19:30 Uhr