Bremer Stahlwerk will Anfang nächsten Jahres Kurzarbeit anmelden

  • Werksleitung informierte Belegschaft
  • Nächste Woche soll ein Hochofen stillgelegt werden
  • Grund: Schlechte Marktlage wegen Billig-Importen
Ein Arbeiter in einem Stahlwerk in der Nähe des Feuers.

Um die wirtschaftliche Situation des Bremer Stahlwerks ist es ernster bestellt, als bisher angenommen. Das Auftragsvolumen ist offenbar noch einmal drastisch gesunken. Darüber hat die Unternehmensleitung die Belegschaft in einem Schreiben informiert, das buten un binnen vorliegt. Demnach plant die Unternehmensleitung ab Anfang 2020 Kurzarbeit für die Bremer Belegschaft.

Sogar schon ab der nächsten Woche wird laut Management einer der beiden Hochöfen auf unbestimmte Zeit stillgelegt. Auch in anderen Bereichen wie der Kokerei oder dem Warmwalzwerk will das Unternehmen die Produktion deutlich herunterfahren. Die Unternehmensleitung plant, die Belegschaft im Dezember in einen Zwangsurlaub zu schicken. Die Maßnahmen müssten allerdings noch mit dem Betriebsrat abgestimmt werden.

Die negative Entwicklung für das Bremer Werk begann schon vor Monaten. Schon Ende Mai hatte Arcelor Mittal angekündigt, die Produktion im Bremer Stahlwerk zum Jahresende herunterfahren zu wollen. Von Kurzarbeit war damals aber keine Rede. Bereits seit Juli arbeitet die Belegschaft des Stahlwerks freiwillig vier Prozent weniger und verzichtet entsprechend auf Lohn. Jetzt will der Arcelor-Mittal-Konzern das Auftragsvolumen für Bremen abermals reduzieren.

Auf mittelfristige Sicht zeichnet sich weiterhin keine Besserung ab – im Gegenteil, die wirtschaftlichen Indikatoren zeigen streng nach unten.

Interne Mitteilung an die Belegschaft des Bremer Stahlwerks

Grund für den Abwärtstrend europäischer Stahlproduzenten ist die verschlechterte Marktlage. Nach eigenen Angaben leiden die Stahlkocher vor allem an Billigimporten aus China und der Türkei. Sie prangern aber auch seit Monaten die hohen Umweltauflagen der EU an.

Die Auseinandersetzung über die Zukunft der Stahlindustrie trifft uns jetzt mit voller Wucht.

Muhammed Tokmak, Betriebsratsvorsitzender des Bremer Stahlwerks

Wie die Konzernleitung sieht auch der Betriebsratsvorsitzende Muhammed Tokmak das Hauptproblem darin, dass es der EU nicht gelungen sei, den Import von subventioniertem Billigstahl einzudämmen. "Wir sind alle verärgert über die lahme Umsetzung der politischen Unterstützung in einen wirksamen Handelsschutz für Stahl."

Die Konzernleitung will die Belegschaft Anfang November in vorgezogenen Betriebsversammlungen über weitere Schritte informieren. Im Bremer Stahlwerk arbeiten rund 4000 Menschen. Die Hütte ist damit einer der größten privaten Arbeitgeber der Stadt.

Autor

  • Sebastian Manz

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. Oktober 2019, 19:30 Uhr