Kommentar

Hachez verlässt Bremen: Man nennt es Kapitalismus

Hachez plant die Produktion in Bremen einzustellen. Der Bremer Wirtschaftspolitik deshalb Versagen vorzuwerfen, ist verlogen, meint unser Autor Milan Jaeger.

Firmenlogo am Eingang der Schokoladenfabrik Hachez
Hachez plant die Produktion von Bremen nach Polen zu verlagern.

Klar, wenn ein Unternehmen nach 130 Jahren aus Bremen abwandert, ist das ein harter Schlag. Vor allem für die Mitarbeiter. Im Fall von Hachez hat die Entscheidung der Konzernzentrale Konsequenzen für 240 Mitarbeiter. Und deren Familien. Die Entscheidung wurde in Dänemark getroffen, denn das Bremer Traditionsunternehmen Hachez gehört schon seit 2012 zum dänischen Süßwaren-Riesen Toms.

CDU und FDP kritisieren jetzt den Wirtschaftssenator für seine vermeintliche Untätigkeit. Ohne Frage: Coca Cola, Kellogg, Könecke und Hachez – diese Namen sollte Wirtschaftssenator Martin Günthner lieber unter den Tisch fallen lassen, sollte er sich irgendwann einmal in einer anderen Stadt um einen Posten bewerben. Die genannten Unternehmen haben aber nicht nur miteinander gemeinsam, dass sie ihren Bremer Standort aus betriebswirtschaftlichen Gründen zur Diskussion stellten. In all diesen Fällen scheint das oberste Ziel der Manager die Profitmaximierung zu sein.

Coca Cola zog sich aus dem schlecht laufenden Mehrweggeschäft zurück, Könecke legte zwei Standorte zusammen und Kellogg schloss sein Bremer Werk, weil es das schwächste im Portfolio war. Das nennt man Rationalisierung. Selbst Hachez hatte sich zuletzt erholt. Sollten sich die Hachez-Chefs der Vorgabe der Konzernzentrale aber verweigern und die Produktion nicht nach Polen verlagern? Erfolgsaussichten hätte solch ein Vorgehen wohl kaum.

Der Wirtschaftssenator hat nur wenig Einfluss

Und was kann der Bremer Wirtschaftssenator denn wirklich ausrichten? Er kann Kontakte in die Chefetagen pflegen. Er kann für Bremen werben. Und weiter? Der einzige wirkliche Hebel der Bremer Regierung ist die Steuerpolitik. Nun braucht Bremen aber Steuereinnahmen. Oder hat jemand eine andere Idee, wie marode Schulen renoviert, Straßen saniert und neue Krankenhäuser gebaut werden könnten?

Man muss nicht so weit gehen wie der Bremer Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG, Dieter Nickel. Der nennt es Heuchelei, wenn Manager mit Blick auf Bremens Schulsituation darüber klagen, wie unattraktiv Bremen für Fachkräfte sei. In einem Punkt aber hat Nickel Recht. Nämlich wenn er sagt, dass es sich vor 30 Jahren noch kein Unternehmen getraut hätte, einen Betrieb zu verlagern, um anderswo mehr Profit zu machen. Das ist möglich. Und scheinbar normal. Kritisiert werden nicht die Unternehmen, die so etwas tun, sondern die jeweils regierenden Wirtschaftspolitiker. Das ist wohlfeil.

Hachez verlagert Produktion nach Polen

Das Logo von Hachez

Dass Hachez zu einem internationalen Konzern gehört, ebenso wie die beiden anderen Bremer Traditionsmarken Jacobs und Beck's, ist das Produkt unseres globalisierten Wirtschaftssystems. Dieselben, die jetzt auf den sozialdemokratischen Wirtschaftssenator eindreschen, kritisieren Politiker aus dem linken Lager, wenn diese Sorgen vor Übernahmen durch große Konzerne äußern. Wer die Märkte immer weiter liberalisiert, die Zurückhaltung von Politik fordert und die Vorzüge des privaten Unternehmertums predigt, sollte nicht auf den Rückzug des Senators drängen, wenn die ungezügelten Gewinnmaximierungsprozesse dazu führen, dass ein Unternehmen aus Bremen abwandert. Genau das nennt man nämlich Kapitalismus.

  • Milan Jaeger

Dieses Thema im Programm: Hörfunknachrichten, 1. März 2018, 6 Uhr