Kommentar

Gladbeck-Drama: Trauerhilfe kommt viel zu spät

Endlich bieten Bremer Politiker den Opfern des Gladbecker Geiseldramas Hilfe an. Unfassbar, dass das nicht schon längst geschehen ist.

Carsten Sieling, Armin Laschet und Niedersachsens Europaministerin Honé legen Kränze am Grab von Silke Bischoff nieder
Carsten Sieling (von links), Armin Laschet und Birgit Honé legen am Grab von Silke Bischoff einen Kranz nieder. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

30 Jahre ist es her, dass zwei Bremer Familien durch das Geiseldrama ihre Kinder auf grausame Art und Weise verloren haben. Silke Bischoff und Emanuele de Giorgi kamen tragisch und unter den Augen der Öffentlichkeit ums Leben. Ein Polizist starb während der Geiselnahme bei einem Unfall und die Freundin von Silke Bischoff leidet bis heute schwer unter den seelischen Folgen des Verbrechens.

30 Jahre ist es her, dass Mütter, Väter, Geschwister, Tanten, Onkel, Freundinnen und Freunde unfassbares Leid erfahren haben. Die Narben sind bei den zahlreichen Hinterbliebenen bis zum heutigen Tag nicht verheilt.

Nun haben Bremer Politiker erstmals Kontakt zu den Opfern aufgenommen und sie gefragt, welche Unterstützung sie brauchen. Sie machen damit etwas, das 30 Jahre lang kein einziger Repräsentant unseres Staates getan hat: Ein Zeichen der Trauer setzen. Den Angehörigen zeigen, dass sie ihr Leid wahrnehmen. So etwas kann helfen. Es kommt aber viel zu spät.

Und es kommt vor allem nur, weil Anfang des Jahres eine Radio-Bremen-Dokumentation die Politiker wachgerüttelt hat. Dem Fernsehen haben ehemalige Geiseln aus dem entführten Bus erzählt, wie kalt der Staat mit ihnen umgegangen ist. Einige von ihnen wissen bis heute nicht, welche Rechte sie haben. Viele haben psychische Probleme. Und sogar die Nachfolge-Generationen in diesen Familien leiden unter den Folgen: Trennung, Jobverlust, Depressionen. Eines der Opfer aus dem entführten Bus berichtete anschließend in einer Talkshow, dass die Geiseln nach ihrer Befreiung allein gelassen worden seien und erhob schwere Vorwürfe gegen die Verantwortlichen von damals.

Und auf einmal regte sich langsam etwas. Politiker, die damals noch gar nicht im Amt waren, führten nun Gespräche mit Eltern, Verwandten, Freunden und den Betroffenen selbst. Nach 30 Jahren! Für mich unfassbar, dass all das nicht schon längst geschehen war.

In Bremen hat sich jüngst das Parlament mit dem Thema befasst. Dort wurde endlich mal über so etwas wie eine Erinnerungskultur gesprochen. Alle waren sich einig: Es soll einen Gedenkort geben und einen Opferbeauftragten. Endlich! Bis das jedoch umgesetzt wird, dauert es noch etwas.

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  • René Möller

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. August 2018, 19:30 Uhr