Kommentar

"Die Ärzteliste für Abtreibungen ist eine politische Farce"

Bremen hat eine Liste mit Ärzten herausgegeben, die Abtreibungen anbieten. Unser Redakteur Justus Wilhelm hält diese Liste für einen Schildbürgerstreich.

Ein Frauenarzt-Stuhl
Die Gesundsheitssenatorin will Ärzte auflisten, die Abtreibungen durchführen. Bild: Imago | ChristianxVorhofer

Die Initiative der Bremer Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt ist in der Idee richtig: Wenn Ärzte nicht selber darauf hinweisen können, dass sie Abtreibungen vornehmen, dann macht es eben die Behörde. Ganz offiziell, ganz öffentlich im Internet. Jetzt ist die Liste da und Rot-Grün feiert sich dafür. Kleiner Schönheitsfehler: Kein einziger niedergelassener Arzt in Bremen steht auf dieser Liste. Weil eben nicht sicher ist, ob ein Verfahren droht.

Eine Ärzteliste, auf der keine Ärzte stehen

Trotzdem: Die Behörde ist schon mal stolz. Es gebe nun ein "verlässliches Verzeichnis", und Frauen wüssten nun "sofort und sicher", an wen sie sich wenden können. Pardon, das ist eine politische Farce: Eine Ärzteliste, auf der keine Ärzte stehen. Die Schildbürger hätten sich diesen Streich nicht besser ausdenken können. Was in Schilda witzig wäre, ist in Bremen aber einfach nur traurig.

Die Liste ist ein politisches Placebo

Quante-Brandts gut gemeinte Ärzte-Liste ist ein politisches Placebo – eines, das Handlungsfähigkeit simulieren soll. Denn an dem zu Grunde liegenden Problem, der Paragraph 219a, kann die rot-grüne Landesregierung trotz besseren Willens nichts ändern. Ehrlicher wäre es gewesen, die Senatorin hätte offen zugegeben: "Ja, wir wollten eine umfassende Liste, aber es geht nicht, weil die Gesetzte es verhindern". Das wäre ein Signal gewesen. Eines, das vielleicht einen Aufschrei nach sich gezogen hätte. Ein Aufschrei, der längst überfällig ist. Denn – Liste hin oder her – immer weniger Ärzte in Deutschland bieten überhaupt Schwangerschaftsabbrüche an.

Gut gemeint, schlecht gemacht

Besonders dramatisch ist das jetzt schon in Bremerhaven. Dort gibt es so wenige Ärzte für Abtreibungen, dass Frauen nach Hamburg oder nach Holland fahren mussten. Auch das verschleiert die sicher gut gemeinte Liste von Quante Brandt. Das Gegenteil von Gut ist eben auch in diesem Fall 'gut gemeint'. Was bleibt, ist die bittere Erkenntnis, dass erkämpfte Rechte nicht für die Ewigkeit sind. Das gilt für Europa, den Rechtsstaat und eben auch das Recht der Frau, über den eigenen Körper allein und frei entscheiden zu können.

  • Justus Wilhelm

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 5. September 2018, 8:50 Uhr