Ewig im Schatten von Scherf und Koschnik: Klaus Wedemeier wird 75

Zehn Jahre regierte er das Land Bremen. Er ist Vater der bundesweit ersten Ampelkoalition. Und doch bleibt vor allem eins in Erinnerung: die sogenannte Piepmatz-Affäre.

Klaus Wedemeier im Interview, er trägt eine Brille und einen roten Schal.

Gewoba, Stahlwerke und Sanierungshilfe in Milliardenhöhe – all das geht auf sein Konto. Als Bremer Bürgermeister hat er viel für das Land Bremen bewegt. Dennoch steht Klaus Wedemeier bis heute im Schatten seines Vorgängers Hans Koschnick. Und hatte rückblickend nicht die Strahlkraft seines Nachfolgers Henning Scherf. Er gilt als fleißig und ehrgeizig, aber auch als blass und technokratisch. Kann er den beliebten Hans Koschnick ersetzen, der ihn selbst vorgeschlagen hatte? Viele Bremer sind 1985 skeptisch. Sie halten Wedemeier für zu links und können sich nicht vorstellen, dass er die gleiche Popularität erreichen wird wie sein Vorgänger.

In seiner eigenen Partei, der SPD, hat Klaus Wedemeier einen Gegenkandidaten um das Amt des Regierungschefs. Er setzt sich aber gegen seinen Konkurrenten Henning Scherf in einer Stichwahl durch.

Ich kandidiere hier, weil ich glaube, in meiner langjährigen politischen Erfahrung die Qualifikationen erworben zu haben, die man braucht, um dieses Amt zu führen.

Klaus Wedemeier, 1985

Der fränkische Bremer schreibt Geschichte

Wedermeier nach Bürgerschaftswahl 1991
Nach der Bürgerschaftswahl 1991 hatte Bürgermeister Wedemeier die Aufgabe, die erste Ampelkoalition der Bundesrepublik zu bilden. Bild: NDR

Geboren und aufgewachsen ist Klaus Wedemeier in Oberfranken, in Hof an der Saale. Erst als Zwölfjähriger ist er mit der Familie in den Norden, nach Bremen gekommen. Der Vater verdient sein Geld als Hafenarbeiter – der Sohn macht eine kaufmännische Lehre. Und Karriere in der SPD: Juso-Chef, Unterbezirksvorsitzender, Chef der Bürgerschaftsfraktion und nun also Bürgermeister. Im Vergleich zu seinem hemdsärmeligen Vorgänger Koschnick wirkt Wedemeier steif. Und auch politisch tritt er ein schweres Erbe an, denn das kleinste Bundesland steckt in einer dramatischen Haushaltskrise. Wegen der vielen Schulden klagt Bremen die Sanierungshilfen ein und bekommt Recht von höchster Instanz, dem Bundesverfassungsgericht. Das gehört zu den großen Erfolgen in Wedemeiers Amtszeit.

Wir sind alle sehr erleichtert, weil das Urteil für uns bedeutet, dass die Diskussion um die Frage, ob Bremen selbständig sein kann oder soll oder nicht, beendet ist.

Klaus Wedemeier, 1992

Auch die Rettung der Klöckner-Stahlhütte mit tausenden Jobs und die Übernahme von 40.000 Wohnungen der pleitegegangenen Wohnungsgesellschaft "Neue Heimat" durch die bremische Gewoba sind mit Wedemeier verbunden.

Ampel-Senat in Bremen 1991: Koalitionsgespräche mit Claus Jäger (FDP), Ralf Fücks (Grüne) und der amtierende SPD-Bürgermeister Klaus Wedemeier
(v.l.n.r.) Claus Jäger von der FDP, Ralf Fücks von den Grünen und Bremens amtierender SPD-Bürgermeister Klaus Wedemeier handeln die den Koalitionsvertrag aus. Bild: DPA | Wagner

Ampel zerbricht an Piepmatz-Affäre

Nachdem die SPD jahrelang allein regierte, muss sie 1991 ihre Macht teilen. So entsteht die bundesweit erste Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP. Aber das aus der Not geborene Zweckbündnis hält keine vier Jahre. Es zerbricht am Streit über ein Landschaftsschutzgebiet.

Ein entnervter Wedemeier wünscht sich klare Verhältnisse zurück. Dieses Land brauche keine Koalition, dafür wollen die Sozialdemokraten ringen. Aber bei der vorgezogenen Neuwahl verliert die SPD noch mehr Stimmen. Wedemeier tritt zurück. Noch bis 1999 bleibt er als Abgeordneter dem Parlament treu, dann beendet er seine politische Karriere. Als Unternehmensberater arbeitet er später für Stromkonzerne und die Deutsche Bahn.

Für seine Verdienste bekommt er 2004 die höchste Anerkennung, die die Hansestadt zu vergeben hat – die Bremische Ehrenmedaille in Gold. Denn für das kleinste Bundesland hat Wedemeier in zehn Jahren als Bürgermeister einiges erreicht.

Beitrag nachhören:

Mehr zum Thema:

  • Birgit Sagemann

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Chronik, 12. Januar 2019, 7:45 Uhr