"Da wird auch mal robust diskutiert" – ein Jahr Rot-Grün-Rot in Bremen

Seit einem Jahr regiert Rot-Grün-Rot unter Bürgermeister Andreas Bovenschulte Bremen. Wie sieht er das erste Jahr und was sagt die Opposition? Wir haben uns umgehört.

Video vom 15. August 2020
Vor dem Bremer Rathaus steht Bürgermeister Andreas Bovenschulte zwischen Maike Schaefer und Kristina Vogt.
Bild: Radio Bremen

Vor einem Jahr hat sich das politische Machtgefüge in Bremen grundlegend verändert. Zum ersten Mal in einem westdeutschen Bundesland ist die Linke in einer Landesregierung vertreten. Und auch ein neuer Senatspräsident ist angetreten: Andreas Bovenschulte. Ursprünglich war er Bürgermeister in Weyhe. Aber dann erklärte Carsten Sieling nach den Erdrutschverlusten der SPD, er stehe nicht mehr zu Verfügung. Für Andreas Bovenschulte war klar, dass er einspringen wird.

Die SPD stand in der Pflicht einen Ersatz zu präsentieren, den hat sie dann in mir gefunden.

Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD)

Obwohl die SPD nicht die meisten Stimmen bekommen hatte, stellt sie den Senatspräsidenten und ist an der Regierung. Aber das Wahlergebnis nervt Bovenschulte noch immer.

Das kratzt nicht nur ein bisschen, das kratzt sehr, kann man ja nicht damit zufrieden sein, in der einer Stadt in der man mal über 50 Prozent hatte, dann bei 25 Prozent zu liegen.

Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD)

Dass dann kurz nach seinem Amtsantritt auch noch Corona kam, hat die Sache nicht einfacher gemacht und die politischen Schwerpunkte für die Zukunft verschoben. Jetzt sei die Frage in den Mittelpunkt gerückt, wie man aus dem wirtschaflicher Loch wieder rauskommt, so Bovenschulte. Zehn Prozent Einbruch sei prognostiziert für dieses Jahr, eine massenhafte Bedrohung von Arbeitsplätzen. Damit das klappe, dürfe es unter den Senatsmitgliedern keine Eitelkeiten geben.

Die sind alle sehr selbstbewusst. Da wird auch mal robust diskutiert. Das ist aber in jeder guten Beziehung so.

Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD)

Bovenschulte sei schon jemand der sehr präsent ist, findet seine Stellvertreterin Maike Schaefer von den Grünen. Sicher könne man da an der Zusammenarbeit noch ein paar Sachen verbessern. Das räumt auch Bovenschulte ein. Und das gilt auch für das Berliner Parkett. Er sei zwar mit seinen zwei Metern nicht zu übersehen, erklärt die Leiterin des ARD-Hauptstadstudios, Angela Ulrich, aber wirklich präsent sei er dort nicht.

So richtig seinen Stempel hier in Berlin, ist mein Eindruck, hat er noch nicht hinterlassen.

Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtsudio

Und genau das hat in Bremen auch noch nicht geklappt, kritisiert der Fraktionsvorsitzende der CDU, Thomas Röwekamp. Bovenschulte verkaufe sich besser, als sein Vorgänger, aber in der Sache ändere er nichts. In den wesentlichen Politikfeldern ändere sich nichts. " Es ist eigentlich ein weiter so in der Sachpolitik. Ein bisschen smarter und ein bisschen besser verkauft."

Bovenschulte bleibt bei dieser Kritik gelassen und lässt sich seine Politik nicht madig machen. Er gibt sich überzeugt, dass die SPD auch wieder zulegen wird. Klar, als SPD-Bürgermeister muss er das sagen.

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Autorin

  • Carola Schwirblat

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. August 2020, 19:30 Uhr