Interview

So beurteilt Hubertus Heil die Situation der Bremer SPD

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil ist heute zu Besuch in Bremen. Das ist sein Blick auf den Bremer Wahlkampf.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil im Studio von buten un binnen

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat am Freitag die Hansestadt besucht. Auf dem Plan stand das Forschungszentrum Sozialpolitik an der Universität Bremen und ein Werkstattgespräch mit der Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt. Der Besuch fällt in die Zeit des Vorwahlkampfs zur Bürgerschaftswahl in Bremen. Im Interview mit buten un binnen spricht Heil über die Lage der Bremer SPD.

Herr Heil, in jüngsten Umfragen liegt die Bremer SPD hinter der CDU. Es könnte sein, dass sie eine Koalition mit der Linken braucht, um "links" zu regieren. Wenn es ohne die nicht mal in der SPD-Hochburg Bremen funktioniert, ist das dann der Anfang vom Ende der SPD?
Nein. Ich glaube, dass die Bremer SPD gute Chancen hat, die Wahlen zu gewinnen, weil sie eine gute Bilanz hat. Bremen und Bremerhaven haben sich toll entwickelt. Es gab über 20.000 zusätzliche neue Arbeitsplätze in den letzten Jahren, das Gesicht der Stadt hat sich positiv verändert, gerade in Bremerhaven. Carsten Sieling wird am Ende die Nase vorne haben und er braucht auch keine öffentlichen Ratschläge von mir.
Die Umfragen sagen aber etwas anders. Wie sehen Sie das?
Das Ziel ist nicht, die Umfragen zu gewinnen, sondern die Wahlen. Der Wahlkampf beginnt jetzt erst richtig.
Die SPD und die CDU bleiben trotzdem die stärksten Parteien. Je nach Ausgang der Bürgerschaftswahl wäre vielleicht auch eine schwarz-rote Koalition möglich. Sie haben gerade eine in Berlin. Würden sie das auch Carsten Sieling für Bremen wünschen?
Da gebe ich keine öffentlichen Ratschläge. Das muss vor Ort entschieden werden. Man muss erst das Wahlergebnis kennen und dann gucken, wer politisch gut miteinander kann. Und dann wird die Bremer SPD entscheiden, mit wem sie dann koaliert. Da brauchen sie keine Ratschläge aus Berlin. In Berlin haben wir es nicht ganz freiwillig getan, sondern, weil andere es nicht geschafft haben, eine Jamaika-Koalition auf die Beine zu stellen.
In Bremen hat die CDU Carsten Meyer-Heder als Spitzenkandidat gewählt – einen Unternehmer, der kaum politische Erfahrung hat. Sind Menschen ohne politische Laufbahn attraktiver als Berufspolitiker geworden?
Ich glaube, dass wir Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebenserfahrungen in der Politik brauchen. Man muss Lebenserfahrung mitbringen, aber man muss auch das politische Handwerk können. Ich kenne den Kollegen von der CDU nicht und kann ihn nicht beurteilen.
Wäre das auch eine mögliche Strategie für die SPD, Menschen ohne politische Erfahrung als Spitzenkandidaten aufzustellen?
Nein, das ist keine Strategie, sondern man muss einzeln beurteilen, ob die Menschen die Arbeit können. Am Ende des Tages geht es um politische Verantwortung. Und da ist die Frage: Kann er zum Beispiel eine Stadt führen? Von Carsten Sieling weiß ich, er kann das. Nochmals: Ich finde es immer gut, wenn Parteien sich öffnen. Aber die Frage, wer dann was wird, muss man anhand der Person entscheiden.
  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 8. März 2019, 19:30 Uhr