Hachez: "Was macht eigentlich der Wirtschaftssenator?"

  • Gewerkschaft kritisiert Entscheidung
  • Steiner wirft Wirtschaftssenator Untätigkeit vor
  • Derzeit arbeiten noch rund 240 Menschen am Bremer Standort
Die Hachez-Flagge weht im Wind.
Lange wird diese Fahne nicht mehr über dem Gelände in der Bremer Neustadt flattern.

Die Opposition in der Bremischen Bürgerschaft hat nach dem Bekanntwerden der Hachez-Pläne scharfe Kritik an der Wirtschaftspolitik des Bremer Senats geäußert. Hachez hatte seine Mitarbeiter von den Überlegungen unterrichtet, die Produktion nach 2020 aus Bremen abzuziehen. Die Bremer Wirtschaftsbehörde hatte sich von der Nachricht vollkommen überrascht gezeigt. "Damit war überhaupt nicht zu rechnen", sagte Tim Cordßen, Sprecher des Wirtschaftssenators.

Die Oppositions-Kritik: "Der Senator sollte endlich eine Strategie entwickeln, wie wir auch weiterhin die großen Marken in Bremen halten und neue Unternehmen anziehen", sagte die FDP-Fraktionsvorsitzende in der Bremischen Bürgerschaft, Lencke Steiner. Ihre Kritik goss Steiner in die provokative Frage: "Was macht eigentlich der Wirtschaftssenator?"

Dieser Warnschuss sollte den Senat zum Handeln verleiten.

Jörg Kastendiek, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Bremer CDU, Jörg Kastendiek, schlug in dieselbe Kerbe: "Die Thematik wurde von der Politik bisher zu wenig behandelt." Die Hachez-Nachricht sollte den Senat nun zum Handeln verleiten. Man müsse jetzt die Frage stellen, was die Politik machen könne, um Unternehmen wie Hachez in Bremen zu halten.

Dieter Reinken, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, sagte, dass er wisse, dass Hachez in diesem Jahr, gemessen an den Vorjahren, mit einem guten Ergebnis gerechnet habe. Daher seien die Pläne umso unverständlicher. Was die Einflussmöglichkeiten der Politik auf solche Konzernentscheidungen anbelange, zeigte sich Reinken wenig optimistisch: "Die Politik entscheidet nicht darüber, ob ein Standort geschlossen oder geöffnet wird." Die Politik könne nur versuchen, gemeinsam mit den Arbeitnehmern für den Standort zu werben.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion der Linken, Claudia Bernhard, sagte "Es ist immer dasselbe: erst wird die Eigentumsstruktur internationalisiert, dann werden Betriebsteile verlagert und am Schluss steht der ganze Standort in Frage. Gewinne werden nicht durch Innovation erwirtschaftetet, sondern durch das Ausbeuten europäischer Lohnunterschiede. Dieses Modell muss politisch gestoppt werden."

Manuell wird bei Hachez Chocolade in Bremen ein Muster auf Pralinen aufgebracht.
Schokolade und Pralinen will das Bremer Traditionsunternehmen ab 2020 wohl nur noch in Polen herstellen. Bild: DPA | Ingo Wagner

Die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) richtete ihre Kritik an die Führung des Unternehmens. Die zuständige Gewerkschaftssekretärin Iris Münkel sprach von einer nicht nachvollziehbaren Entscheidung. Auch sie sei von der Nachricht überrascht worden, weil man noch in den vergangenen Wochen mit Hachez darüber gesprochen habe, wie die Marke verjüngt werden könne. 240 Beschäftigte arbeiten bei Hachez in Bremen. Diese qualifizierten Mitarbeiter nicht auch in Zukunft zu nutzen, hält die Gewerkschaft für fatal.

Wirtschaftssenator überrumpelt

Aus der Wirtschaftsbehörde hieß es ebenfalls, dass man noch vor wenigen Wochen mit dem Hachez-Geschäftsführer Christian Strasoldo gesprochen habe. Damals sei der Umzug der Produktion nach Polen überhaupt kein Thema gewesen. Im Gegenteil: "Wir haben über die enge Verbundenheit von Hachez mit Bremen gesprochen", sagte Behördensprecher Cordßen.

Die Bremer Politik will jetzt gucken, was noch zu machen ist, ob sich der Abzug der Hachez-Schokoladen-Produktion nach Polen noch verhindern lässt. Aber es gehe dabei auch um Entscheidungen, die nicht in Bremen getroffen werden, so Cordßen mit Blick auf den dänischen Mutter-Konzern Toms. Da sei der Einfluss wahrscheinlich gering.

Entscheidungen werden nur nach unternehmerischen Interessen getroffen.

Nathalie Sander, Arbeitnehmerkammer Bremen

Kritik an Hachez kommt auch von der Bremer Arbeitnehmerkammer: "Der Verlust der Arbeitsplätze ist sehr bedauerlich. Gerade weil Hachez eine identitätsstiftende Marke mit langer Bremer Tradition ist", sagte Nathalie Sander von Arbeitnehmerkammer. Die Entwicklung sei ein Beispiel für den starken Druck der Globalisierung auf die Nahrungsmittelbranche: "Durch den Wechsel aus bremischen Familienbesitz in eine dänische Aktiengesellschaft nimmt die Standortbindung und die Verantwortung für die Beschäftigten ab. Entscheidungen werden nur nach unternehmerischen Interessen getroffen."

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 28. Februar 2018, 19:30 Uhr

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