Kommentar

"Linnert hat sich mächtig verschätzt"

Finanzsenatorin Karoline Linnert hat vor der Urwahl hoch gepokert – und verloren. Schade für sie, gut für die Bremer Grünen, kommentiert Reporter Michael Pundt.

Bremens Finanzsenatorin Karoline Linnert (Bündnis 90/Die Grünen)
Die amtierende Finanzsenatorin und Bürgermeisterin Karoline Linnert hat ihr politisches Schicksal mit einem Listenplatz verknüpft. Bild: DPA | Ingo Wagner

Da hat sich die gewiefte Machtpolitikerin Karoline Linnert aber mächtig verschätzt. "Wenn Maike Schaefer zur Spitzenkandidatin gewählt wird, werde ich auf der Landesliste nicht antreten", hatte sie vor der Urwahl verkündet, und der Parteibasis damit die Pistole auf die Brust gesetzt. Das mochten die Bremer Grünen offenbar gar nicht. Mit einem Stimmenanteil von nur 46,1 Prozent stürzten sie ihre viermalige Spitzenkandidatin Linnert.

Strahlende Siegerin: Fraktionschefin Maike Schaefer mit 53,9 Prozent. Sie hatte sich bei einer parteiinternen Vorstellungsrunde ebenso engagiert wie loyal gegenüber Linnert gezeigt und auf jedes Druckmittel verzichtet. Das honorierten die Parteimitglieder.

Parteivorstand scheitert mit Trio-Trick

Für den grünen Parteivorstand ist das Ergebnis wenig schmeichelhaft. Er hatte versucht, Linnert mit einem Trick zu ihrer fünften Spitzenkandidatur zu verhelfen. Sie sollte ein weibliches Spitzentrio anführen, zudem auch Schaefer und Sozialsenatorin Stahmann gehört hätten. Dieser Plan muss nun beerdigt werden. Denn Linnert wird sich spätestens am Ende der Legislaturperiode zurückziehen. Auch Stahmann, die sich für Linnert eingesetzt hatte, wird sich neu orientieren müssen.

Schade aber für die langjährige Finanzsenatorin und Bürgermeisterin. Sie hat sich einen Namen damit gemacht, den Bremer Haushalt zu sanieren und mehr Geld aus dem Bund-Länder-Topf zu erkämpfen. Nun wird ihr selbst herbeigeführter Abgang vom kommenden Bürgerschaftswahlkampf übertönt.

Linnerts Dominanz spaltet ihre Partei

Vielleicht aber wollte Linnert ihre Partei auch nicht mehr länger in den Zwiespalt bringen. Seit der Wahlschlappe von 2015 rumorte es bei den Bremer Grünen. Und es war der ehemalige Fraktionschef Matthias Güldner, der damals selbst Konsequenzen aus dem Wahlergebnis gezogen hatte, und der nun Linnert mit der von ihm initiierten Urwahl zu Fall gebracht hat. Güldner hatte allemal den besseren Riecher dafür, wie genervt manche Grüne von Linnerts Dominanz waren.

Die neue Nummer Eins der Bremer Grünen, Maike Schaefer, sieht vor allem inhaltliche Gründe für den Urwahlentscheid. Linnert stehe für Finanzpolitik, sie dagegen für Ökologie und Klimaschutz. Ihre Wahl sei somit auch eine Entscheidung über grüne Inhalte beim nächsten Bürgerschaftswahlkampf. Schaefer mag es zwar nach drei Jahren Fraktionsvorsitz noch an der Erfahrung der seit elf Jahren regierenden Bürgermeisterin Linnert fehlen, aber mitreißen kann sie ihre Partei allemal.

  • Michael Pundt

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. September 2018, 19:30 Uhr