Fauler und dicker: Bremen will Grundschulkinder gesünder machen

Nachhilfe in Sachen Gesundheit: Das gilt ab diesem Schuljahr an zwölf Bremer Schwerpunktschulen. Der Grund: Kinder werden dicker und fauler – und das hat dramatische Folgen.

dickes Kind auf Kasten im Sportunterricht
Ob im Sportunterricht oder bei ärztlichen Untersuchungen: Vielen Experten fällt auf, dass Kinder dicker und ungesünder werden. (Symbolfoto) Bild: dpa | Peter Steffen

Jüngste Studien zeigen: Immer mehr Kinder in Deutschland leben ungesund. Sie ernähren sich falsch, bewegen sich zu wenig und hocken zu viel und zu lange vor dem Fernseher oder am Computer. Das hat Folgen, sagt Projektleiterin Andrea Bade aus dem Gesundheitsamt Bremen. "Wir sehen mehr Allergien und mehr Asthma. Übergewicht bei zehn bis zwölf Prozent der Kinder. Wir sehen Entwicklungsstörungen und motorische Störungen." Diese Erkrankungen fallen immer wieder bei den ärztlichen Untersuchungen vor der Einschulung auf.

Deshalb gibt es seit diesem Schuljahr sieben Gesundheitsfachkräfte an zwölf Grundschulen in Bremen und Bremerhaven. Sie sollen die Schulen mit Eltern, Ärzten und Schulsozialarbeitern besser vernetzen. Denn in der Schule fallen Defizite in der Gesundheit schnell auf. Das sagt auch der Leiter der Grundschule an der Stichnathstraße, Carsten Dohrmann. Er sieht meist sofort, ob Kinder genug Bewegung haben oder Stubenhocker sind.

Wenn sie die Augen schließen und auf einem Bein stehen, dann fallen einige stumpf um.

Carsten Dohrmann, Leiter Grundschule Stichnathstraße

Was eher lustig und skurril klingt ist tatsächlich ein ernstes Problem. Viele Eltern achten – oft ohne es selbst zu merken – zu wenig auf die Gesundheit ihrer Kinder. Das lieb gemeinte Nutella-Brot ist dabei nur eines der Probleme. Sören Schmidt-Bodenstein von der Technikerkasse betont, wie wichtig es ist, dass Kinder frühzeitig lernen, auf richtiges Essen, ausreichend Bewegung und ordentliche Hygiene zu achten: "Weil man als Kind und Jugendlicher die Grundlagen dafür lernt, um als Erwachsener gesundheitsbewusst zu leben. Und da ist die Grundschule ein wichtiger Baustein, um Wissen zu vermitteln."

Projekt auf drei Jahre angelegt

Dabei sollen Projekte wie ein Schulgarten oder spezielle Unterrichtsstunden helfen. Das ist Aufgabe der Gesundheitsfachkräfte. Ziel ist es, die Kinder und auch die Eltern beim Thema Gesundheit, gesunde Ernährung und Bewegung zu unterstützen und zu informieren. Kinder sollen zum Beispiel lernen, dass Süßes zwar lecker schmeckt, aber nicht gesund ist. Eltern, dass sie nicht unbedingt ein Weißbrot als Frühstück mitgeben sollten.

Drei Jahre sind für das Projekt veranschlagt. Wenn es sich bewährt, soll es nach Möglichkeit ausgeweitet werden, kündigt Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) an: "Wenn wir merken, dass wir den Kreis größer ziehen können, weil wir die Ressourcen haben, und weil das Projekt erfolgreich ist, dann machen wir das." Wie viel das dann kosten wird, ist noch unklar. Das aktuelle Projekt kostet 1,2 Millionen Euro. Die teilt sich das Land Bremen mit den beteiligten Krankenkassen.

  • Daniel Hoffmann

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 27. Augsut 2018, 17:50 Uhr