Unverständnis und Kritik nach Fluglotsen-Ausfall in Bremen

  • Häfensenator Günthner fordert Bundesregierung zum Handeln auf
  • Situation sei nicht akzeptabel
  • Arbeitsgemeinschaft Deutscher Flughäfen spricht von neuem Phänomen
Zwei Fluglotsen auf dem Tower am Flughafen in Bremen überwachen am 07.01.2014 den Luftverkehr rund um den Airport.  (Archivbild)
Fünf Flieger mussten am Mittwoch länger als geplant am Boden bleiben, weil ein Fluglotse krank war. Bild: DPA | Ingo Wagner

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) steht wegen der Ausfälle im Bremer Flughafen-Tower in der Kritik. Weil ein Fluglotse erkrankt war, konnten dort am Mittwochmorgen rund eine Stunde lang keine Flugzeuge abheben. "Ein funktionierender Flughafen stellt einen bedeutenden Faktor für die bremische Wirtschaft dar. Es ist für mich deshalb nicht akzeptabel, wenn aufgrund von Personalengpässen bei der Deutschen Flugsicherung mitten in der Rush-Hour am frühen Morgen erhebliche Verzögerungen in der Abfertigung durch die Flugsicherung eintreten", sagte Bremens Häfensenator Martin Günthner (SPD) zu buten un binnen. Er forderte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zum Handeln auf.

Fluglotsenmangel in Deutschland bekannt

Auch die Flughafenbranche zeigte sich verärgert. Isabelle Polders von der Arbeitsgemeinschaft deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) sprach von einem "neuen Phänomen". Zwar sei der Fluglotsenmangel in Deutschland bekannt. Dass aber deshalb wie in Bremen ein Tower komplett schließen müsse, sei neu, so die Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft. "Die ADV betrachtet mit Sorge, dass ein Flughafen in der Morgenwelle den Verkehr einstellen muss", sagte Polders. "Das ist nicht hinnehmbar."

Die Deutsche Flugsicherung solle nun ihre Hausaufgaben machen, fordert Polders. Schließlich sei auf dem Luftfahrtgipfel im vergangenen Jahr mehr Pünktlichkeit vereinbart worden. Bei dem Spitzentreffen im Oktober in Hamburg hatte Bundesverkehrsminister Scheuer unter anderem angekündigt, Fluglotsen sollten flexibler eingesetzt und durch freiwillige Überstunden "zusätzliche Kapazität" geschaffen werden. Genau darauf pocht auch Senator Günthner. Scheuer müsse dringend die Umsetzung der zugesagten Maßnahmen beschleunigen und "mit kurzfristigen Maßnahmen eine reibungslose Abwicklung des Flugverkehrs in Deutschland sicherstellen".

Herr Scheuer hat neben den größten deutschen Flughäfen bisher nur Bayern auf seiner Landkarte – das muss sich ändern.

Bremens Häfensenator Martin Günthner (SPD)

Bremer Flugsicherung gelobt Besserung

Die Personalprobleme in Bremen räumt die dortige Sprecherin der Deutschen Flugsicherung, Anja Naumann, ein. Gebraucht würden für den An- und Abflug 14 Fluglotsen, zurzeit gebe es aber nur elf. Um die vorgeschriebenen Arbeitspausen einzuhalten, müsse der Tower deshalb hin und wieder für eine halbe Stunde schließen. Zu einem Ausfall wie am Mittwoch sei es aber noch nie gekommen, sagte Naumann. Eine Stunde lang hatten am frühen Morgen keine Flugzeuge in Bremen abheben können. "Wir haben das Problem erkannt und steuern gegen", beteuerte Naumann. Noch in diesem Jahr würden zwei neue Fluglotsen ihre Ausbildung beenden. Allerdings bleibe die Lage angespannt. "Im schlimmsten Fall" könne sich die Tower-Schließung wiederholen.

  • Michael Pundt

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 15. Mai 2019, 21 Uhr