Eiswett-Präsident: "Eine Übergriffigkeit, die wir nicht dulden können"

  • Bürgermeister und Senatsmitglieder werden nicht zum Eiswettfest eingeladen
  • Patrick Wendisch fordert Rücknahme von Bürgerschaftsbeschlüssen
  • Am 18. Januar werden erstmals auch 30 Frauen teilnehmen dürfen
Video vom 3. Januar 2020
Einige Personen bei der Veranstaltung der Eiswette im Bremer Rathaus
Bild: Radio Bremen

Beim traditionsreichen Bremer Eiswettfest wird in diesem Jahr erstmals seit vielen Jahrzehnten kein Senatsmitglied der Hansestadt dabei sein. Einen entsprechenden Bericht von buten un binnen hat der Präsident der Eiswette, Patrick Wendisch, der Deutschen Presse-Agentur bestätigt. "Alle Fraktionen der den Senat tragenden rot-grün-roten Koalition haben in Bürgerschaftsanträgen den Boykott des Eiswettfestes durch Senatsmitglieder beschlossen. Wir haben diese Beschlüsse in unserer Einladungspraxis uneingeschränkt respektiert."

Wendisch bezog sich dabei unter anderem auf einen Antrag von SPD und Grünen vom Februar 2019. Darin hieß es: "Die Bürgerschaft (Landtag) erwartet, dass die männlichen Mitglieder der Bremischen Bürgerschaft und des Senats sowie weitere Repräsentanten der bremischen Verwaltung und Gesellschaften nicht mehr am Bremer Eiswettfest teilnehmen, bis die Bremer Eiswette den Ausschluss von Frauen als Repräsentantinnen Bremens aufhebt."

Wendisch fordert Rücknahme eines veralteten Beschlusses

Da der Eiswettverein in Folge des öffentlichen Drucks im Oktober mitteilte, dass nun doch auch Frauen zum Eiswettfest zugelassen werden, ist der Boykott der Bürgerschaft inzwischen obsolet. Dennoch erwartet Wendisch eine Rücknahme der Beschlüsse und betonte, die Veranstalter des Eiswettfestes seien souveräne Gastgeber.

Das ist eine Übergriffigkeit, die wir nicht dulden können.

Patrick Wendisch, Eiswett-Präsident

Sollten die Beschlüsse zurückgenommen werden, würde sich die Eiswett-Gemeinschaft freuen, die freundschaftliche Zusammenarbeit weiterhin zu pflegen.

Erstmals dürfen in diesem Jahr Frauen zum Eiswettfest

Nach viel Kritik an der reinen Männer-Veranstaltung dürfen in diesem Jahr erstmals seit rund 190 Jahren Frauen am traditionellen Eiswettfest in Bremen teilnehmen. Am 18. Januar 2020 werden Wendisch zufolge rund 770 Männer in Frack und Smoking sowie etwa 30 Damen in schwarzer Abendgarderobe erwartet.

Auslöser für die heftige öffentliche Debatte im vergangenen Jahr war, dass Bremens damaliger Regierungschef Carsten Sieling (SPD) seine Teilnahme wegen einer Trauerfeier absagen musste. Seine offizielle Vertreterin, die damalige Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne), durfte aber nicht teilnehmen. Zahlreiche Politikerinnen und Politiker forderten daraufhin, die Regularien zu überdenken und zu verändern. Einige forderten den Boykott der Veranstaltung.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. Februar 2020, 19:30 Uhr