Bremen schult Pflegekräfte und wartet auf 176 Beatmungsgeräte

  • Zahl der Corona-Fälle in Bremen steigt laut Gesundheitssenatorin langsamer
  • Bremen wartet auf 176 Beatmungsgeräte
  • Senat beschließt Aufstockung der Plätze in Frauenhäusern
An einem zusätzlichen Intensivbett für mögliche Corona-Patienten zeigt ein Arzt die Funktionsweise eines Beatmungsgerätes.
Bild: DPA | Roland Weihrauch

Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) sieht Bremen "in der glücklichen Lage", sich angemessen auf das Fortschreiten der Corona-Pandemie vorbereiten zu können. Das sagte die Senatorin mit Blick auf die Zahlen der Corona-Infizierten am Freitag bei einer Senatspressekonferenz. Zu diesem Zeitpunkt waren es 341 bestätigte Corona-Fälle. Bernhard sprach von einem "vergleichsweise moderaten Anstieg" gegenüber den Vortagen. Inzwischen ist die Zahl auf 354 bestätigte Corona-Infektionen gestiegen.

Gleichwohl stünden die Krankenhäuser in Bremen vorsorglich in einem Austausch. Sie hätten einen täglich tagenden Krisenstab gebildet und alle verschiebbaren Operationen abgesagt.

Personal wird für Beatmungsgeräte geschult

Auch schulten die Kliniken zusätzliches Personal für die Bedienung von Beatmungsgeräten und der Aufbau weiterer Betten sei im vollen Gange. Aktuell stünden in Bremen 160 bis 170 Beatmungs-Betten zur Verfügung. Allerdings müsse man bedenken, dass sich die Zahl der Betten, die belegt werden könnten, stündlich ändere. Davon unberührt stocke Bremen diese Zahl gerade auf.

In absehbarer Zeit, so Bernhard, seien die Hospitäler in der Lage, auf bis zu 380 Beatmungs-Betten zu erhöhen. Wann genau das der Fall sei, hänge auch davon ab, ob die insgesamt 176 bestellten Beatmungsgeräte fristgerecht geliefert würden. Eine erste Lieferung erwartet die Senatorin für kommenden Mittwoch. Diese Geräte könnten schon in der kommenden Woche unter den Krankenhäusern verteilt werden.

Viele Corona-Tests in der Pflege

Das besondere Augenmerk der Gesundheitssenatorin gilt dieser Tage den Pflegeeinrichtungen. Dort, sagte Bernhard, werde prioritär auf Corona getestet. In insgesamt 15 Einrichtungen des Landes gebe es derzeit Corona-Verdachtsfälle. Das sei überschaubar, so Bernhard. Gleichzeitig müsse man diese Einrichtungen gut im Blick behalten: "Denn da lauert natürlich die Gefahr der Ansteckung", so die Senatorin weiter.

In vier Pflegeeinrichtungen Bremens gibt es Bernhard zufolge bereits bestätigte Corona-Fälle: in einer 19, in den drei anderen je einer. Auch Personal sei betroffen. Einen weiteren bestätigten Corona-Fall gebe es bei einem ambulanten Bremer Pflegedienst.

Mehr Plätze für Frauenhäuser

Beschlossen, so Bernhard, habe der Bremer Senat zudem, die Kapazitäten der Frauenhäuser zu erweitern. Man sei dabei, mithilfe von Hotels, kurzfristig für 30 zusätzliche Plätze zu sorgen. "Unsere Abfrage der Frauenhäuser hat ergeben, dass das notwendig ist", so Bernhard. Die 30 zusätzlichen Plätze ermöglichten es den Frauenhäusern, auch kurzfristig zu reagieren, wenn es erforderlich sei.

Leibniz-Institut erstellt Studie zu Corona

Zusammen mit dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) möchte der Senat, so Bernhard, verschiedene Szenarien zu Corona entwickeln. Zu diesem Zweck soll das BIPS eine Kohortenstudie mit Daten zu und aus Bremen erstellen.

Mitschnitt der Senats-PK über die Entwicklung der Corona-Krise

Video vom 3. April 2020
Bürgermeister Andreas Bovenschulte mit Gebärdendolmetscherin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. April 2020, 19:30 Uhr