Warum Bremen weniger Corona-Tests durchführt als möglich

In Bremer Labors werden weit weniger Covid-19-Tests durchgeführt als möglich wären. Dass sich daran kurzfristig nichts ändert, hat gleich mehrere Gründe.

Mitarbeiterinnen in einem Labor untersuchen Corona-Tests.
Das Land Bremen testet derzeit rund 400 Proben am Tag – 1250 wären aber möglich. Bild: Reuters | Axel Schmidt

Die Kapazität für Covid-19-Tests liegt im Land Bremen dem Gesundheitsressort zufolge bei rund 1.250 Tests täglich. Durchgeführt würden aber im Schnitt nur rund 400. Wie erklärt sich diese Diskrepanz?

An Lieferengpässen, mit der die Behörde die Situation zuletzt begründete, liegt es nicht. "Das Problem ist inzwischen behoben", sagt Geno-Sprecherin Karen Matiszick. Im Schnitt rund 300 Abstriche täglich werden allein beim Bremer Klinikverbund genommen. Getestet werden die Proben im Labor des Klinkums Bremen-Ost und dem LADR Laborzentrum Bremen.

In den zwei anderen Bremer Laboren ist der Nachschub an Reagenzien, Pipettenspitzen und Co. ebenfalls auf absehbare Zeit gesichert. "Wir haben keine Engpässe, wie schon die letzten Wochen, und könnten beim derzeitigen Probenaufkommen problemlos zwei Wochen überbrücken", sagt Andreas Gerritzen, Geschäftsführer des Medizinischen Labors Bremen gegenüber buten un binnen. Die Kapazitäten seien nur rund zur Hälfte ausgelastet.

Wir könnten 300 Proben täglich zusätzlich verkraften.

Andreas Gerritzen, Leiter des Medizinischen Labors Bremen

Auch Willi Schumacher vom Bremerhavener Testlabor Schumacher bestätigt gegenüber buten un binnen, dass eine Kapazitätsausweitung um rund 100 Proben täglich möglich sei. Bislang testet sein Labor rund 400 Proben täglich, wobei jedoch nur ein kleiner Teil der Tests für Krankenhäuser wie das Klinikum Reinkenheide durchgeführt werde. Der Rest entfalle auf Arztpraxen, Unternehmen oder Institutionen wie dem Alfred-Wegener-Institut, das gerade rund 150 Abstriche prüfen lässt.

Robert-Koch-Institut empfiehlt Ausweitung

Die vermeintlichen Engpässe sind aber offenbar nicht der einzige Grund, weshalb im Land Bremen weniger getestet wird, als es möglich wäre. Denn noch immer gilt die vom Senat festgelegte Strategie, zunächst die sogenannten "vulnerablen Gruppen" zu testen. Das sind diejenigen Menschen, die gesundheitlich als besonders gefährdet gelten, also vor allem ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Dem Robert-Koch-Institut zufolge soll ein Ausbruchsgeschehen bei diesen Menschen, aber auch bei medizinischem Personal, zuerst nachverfolgt werden. Andere "Einzelfälle" haben demnach keine Priorität.

Das RKI hat diese Vorgaben, an denen sich der Bremer Senat bislang stets orientiert hat, jüngst allerdings gelockert. Inzwischen rät das Institut auch Patienten mit Atemwegsbeschwerden, die nicht zu einer Risikogruppe zählen, auf Corona zu testen.

Noch kein Konzept für Bremen

Vor dem Hintergrund einiger Corona-Fälle hat Bremen zwar auch schon in der Justizvollzugsanstalt und in Flüchtlingsunterkünften Testungen veranlasst oder durchgeführt – und auch angekündigt, dies in der Erstaufnahmestelle in Vegesack flächendeckend zu machen. Dennoch bleibt bislang offen, ob angesichts der ungenutzten Kapazitäten weitere Personenkreise getestet werden sollen.

"Wir diskutieren das noch", sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher des Gesundheitsressorts. So werde beispielsweise diskutiert, ob Tests bald auch für Ambulanzen oder Mitglieder der Kassenärztlichen Vereinigung, also zum Beispiel niedergelassene Ärzte, durchgeführt werden sollten. Mit einer Entscheidung rechnet der Gesundheitsressort-Sprecher allerdings erst Mitte Mai.

Ein Grund: Auch die anderen Bundesländer halten sich bislang mit Testungen zurück. Jüngsten Zahlen zufolge wurden laut RKI zuletzt bundesweit gut 323.000 Tests pro Woche durchgeführt, trotz mehr als doppelt so hoher Kapazitäten.

Finanzierung weiter ungeklärt

Das liegt auch daran, dass noch offen ist, wer die zusätzlichen Tests am Ende zahlt. "Im Grunde hängt da immer eine Finanzierungsstrategie dahinter", sagt Fuhrmann. Krankenkassen würden die Kosten derzeit beispielsweise nur übernehmen, wenn bei einem Verdachtsfall eine notwendige Therapie dahinterstehe. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Tests ausweiten. Er will Krankenkassen nun dazu verpflichten, die Erstattung auch in anderen Fällen zu übernehmen. Ob und bis wann sich Bund, Länder und Kassen auf eine solche Regelung einigen, ist bislang aber offen.

Pro Test sind die Kosten im Übrigen recht unterschiedlich. Laut Gebührenordnung liegen sie für gesetzlich Versicherte bei rund 70 Euro, für Privatversicherte bei rund 170 Euro. Viele, die nicht auf eine politische Entscheidung warten wollen oder können, zahlen solche Preise schon heute. Denn nicht nur der Staat, sondern auch die Wirtschaft kämpft gegen Corona. So werden beispielsweise die Crews des in Bremerhaven gestrandeten Kreuzfahrtschiffs Amera, das inzwischen in Emden liegt, regelmäßig auf das Virus getestet.

Kittel und Masken werden aus China nach Bremen geflogen

Video vom 29. April 2020
Auf einem Rollfeld steht ein Flugzeug, aus dem Fracht entladen wird.

Autor

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 30. April 2020, 23:30 Uhr