Bremen geht automatisiert gegen Radikalisierung im Netz vor

  • Ermittler suchen mit Sprach-Algorithmus nach bestimmten Worten
  • Im Visier: Terror, linke und rechte Hetze, islamistische Propaganda
  • Einzelne Profile oder Freundschaftsgruppen würden nicht untersucht
Eine Person mit Brille schaut auf einen Bildschirm mit der Aufschrift "facebook"
Die Bremer Ermittler schauen bei Netzwerken wie Facebook jetzt genauer hin.

Die Innen- und Sicherheitsbehörden in Bremen setzen beim Kampf gegen eine zunehmende Radikalisierung in sozialen Netzwerken auf wissenschaftliche Analyse-Instrumente. Dabei soll ein speziell entwickelter Sprach-Algorithmus helfen, wie Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) und Bremens Verfassungsschutz-Chef Dierk Schittkowski am Montag erläuterten. Durch den Einsatz bestimmter Wortindikatoren sollen in sozialen Netzwerken automatisch extremistische Beiträge herausgefiltert werden können.

Die Terrorpropaganda von Islamisten, fremdenfeindliche Hetze, linksextreme Mobilisierungsvideos oder Videos von sogenannten Reichsbürgern seien in den sozialen Medien allgegenwärtig, so Schittkowski. Extremisten versuchten systematisch, mit gefälschten Nachrichten, Hetze oder Stereotypenbildern zu polarisieren und Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen. "Deswegen müssen wir da anfangen, wo dieser Hass und die Akzeptanz von Gewalt und Durchsetzung politischer Ziele oft entstehen: in sozialen Netzwerken", sagte Schittkowski.

Mäurer und Schittkowski betonten, es gehe bei der Analyse nicht darum, demokratische Meinungsbildungsprozesse zu begrenzen oder zu kontrollieren, sondern darum, sie vor Manipulationen zu schützen. Es würden nur Beiträge in bestimmten Gruppen mit teils Tausenden Mitgliedern in sozialen Netzwerken ausgewertet, die öffentlich und für jedermann zugänglich seien. Einzelne Personenprofile oder geschlossene Freundschaftsgruppen seien nicht Gegenstand der analytischen Methode.

Dieses Thema im Programm: Bremen Next, 12. Februar 2018, 17:08 Uhr.