Bremen, die Fahrrad- oder Autostadt?

Wenn Fahrrad- und Auto-Klub aufeinander treffen, herrscht mehr Einigkeit als erwartet. Sie sehen die gleichen Probleme, bloß bei den Lösungen sind sie sich nicht einig.

Zahlreiche Autos und LKWs in einem Stau.

1 Führen mehr kostenfreie Parkplätze zu mehr Verkehr?

"Ja, der Parkraum hat hat einen hohen Flächenbedarf", räumt Dirk Matthies vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club e. V. (ADAC) ein. Aber das sei auch notwendig. Daher glaubt er nicht, dass man Parkplätze streichen kann in der Annahme, dass die Leute sich Alternativen suchen. "Das Thema ist einfach zu heikel."

Sven Eckert
ADFC-Chef Sven Eckert wünscht sich, als Radler sicher, komfortabel und zügig unterwegs zu sein. Ihn ärgert es, in der Verkehrspolitik das fünfte Rad am Wagen zu sein.

Sven Eckert vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club e. V. (ADFC) ist fast seiner Meinung. Bloß glaubt er, dass zu viel kostenlos angebotener Parkraum auch dazu führt, dass die Bequemlichkeit siegt, mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren. Keine andere Stadt in Deutschland biete so viele kostenfreie Parkplätze an wie Bremen.

Wenn wir lebenswerte Innenstädte haben wollen, müssen wir das dringend ändern. Der einfachste Weg führt über das Portemonnaie, indem kostenfreier Parkraum reduziert wird.

Sven Eckert, ADFC
Dirk Matthies
Dirk Matthies leitet die ADAC-Verkehrsabteilung Weser-Ems mit Sitz in Bremen. Er setzt sich für einen flüssigen Autoverkehr ein.

Bevor das passiert, gibt Dirk Matthies vom ADAC zu bedenken, dass Alternativen geschaftt werden müssten. Als Beispiel nennt er Parkplätze in den Randlagen, die für Pendler interessant wären. Die Aufenthaltsqualität in der Stadt zu verbessern, ist auch für den ADAC-Vertreter ein Thema. Aber dafür will er nicht das Autofahren einschränken. Daran führe aber kein Weg vorbei, gibt Sven Eckert zu bedenken: Bremen ist eine gewachsene Stadt mit nur sehr engen Verkehrsräumen. Deshalb führt jede Verschiebung zugunsten des Umweltverbundes – bestehend aus ÖPNV, Fahrrad- und Fußverkehr – natürlich zu einer Benachteiligung des Autoverkehrs.

2 Müssen Umlandbewohner unbedingt mit dem Auto in die City?

"Die Menschen müssen in die Innenstädte kommen, nicht unbedingt Autos", meint Sven Eckert vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club. Er verweist auf Städte im Ausland, wo viele gern Urlaub machen. Dort gibt es Fußgängerzonen, die zum Einkaufsbummel und ins Straßencafé einladen. So etwas könne nur erreicht werden, wenn die Besucher am Stadtrand in Bus und Bahnen umsteigen können beziehungsweise aufs Fahrrad von einer Verleihstation.

Noch sei aber der öffentliche Nahverkehr nicht optimal ausgebaut, um Autofahrer zum Umsteigen zu bewegen. Parkplätze außerhalb der Stadt zum Park-&-Ride fehlten noch. Für ADAC-Vertreter Matthies sei Bremen in einer besonderen Lage zwischen zwei Autobahnen. Wenn es sich dort staut, verlagere sich der ganze Verkehr auf die Bundesstraßen und in die Stadt.

3 Gibt es in Bremen schon zu viele Autos?

Obwohl viele Straßen wie etwa die Dobbenkreuzung für den Autoverkehr gebaut wurden, sind sie heute ein Nadelöhr. Trotzdem glaubt Dirk Matthies vom ADAC nicht, dass die Grenze für den Autoverkehr jemals erreicht oder überschritten wird, weil das individuelle Fortbewegungsmittel Auto einen viel zu hohen Stellenwert habe und zu viele Zwecke erfülle. Zwar habe Bremen seine Kapazitäten schon klar ausgereizt, aber jetzt müsse man schauen, wie man den Verkehr verlagern kann.

Plakat am Straßenrand zeigt eine Radfahrerin neben einem Auto: Zusammen unterwegs. Radfahren ist auf der Straße meistens erlaubt!
Mehr Platz wünschen sich neben den Autofahrern auch Radfahrer und Fußgänger.

Sven Eckert vom ADFC sieht das anders: Aus seiner Sicht sind die Kapazitäten schon längst erschöpft. So könne es nicht weitergehen: "Städte sind für die Menschen und nicht für Autos gebaut worden. Das ist doch kein Lebensraum!", stellt Eckert klar. Er fragt sich, wer bei dieser Lärm- und Abgasbelastung hier leben will. Zudem stünden die Fahrzeuge dann in den Seitenstraßen und Wohnquartieren herum auf Gehwegen und Radwegen und behindern dadurch die Schwächsten im Verkehr, wie Kinder, Rentner und Menschen mit Beeinträchtigungen.

4 Bevorzugen Verkehrsplaner die Autofahrer?

Die heutige Verkehrsführung in Bremen ist das Resultat aus den 50er und 60er Jahren, als die Planer Wert auf autogerechte Städte gelegt haben. Aber selbst das reiche heute nicht mehr aus. Für Dirk Matthies vom ADAC sind Bremens Straßen zu eng, damit der Verkehr flüssig rollen kann. Ihn stören die vielen Staus und extremen Engpässe.

Es sollte doch machbar sein, schnell von A nach B zu kommen.

Dirk Matthies, ADAC

Der Fahrrad-Klub will dagegen mehr Raum für Radfahrer schaffen. Denn nur wenn eine sichere und selbsterklärende Verkehrsinfrastruktur entstehe, würden auch mehr Menschen aufs Fahrrad umsteigen. Das käme letztlich auch dem Autoverkehr zugute.

Mehr dazu:

  • Torsten Harms
  • Heike Kirchner

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 21. August 2018, 19:30 Uhr