Infografik

Umstrittene Bauprojekte in der Innenstadt: Was ist daraus geworden?

Anwohner im Bremer Viertel hatten gegen mehrere Neubau-Vorhaben protestiert. Jetzt werden die Pläne immer konkreter. So reagieren Kritiker und Investoren darauf.

Mauer mit Graffitis in der Blumenstraße
Eine Mauer mit Graffitis: So sieht momentan der Garagenhof in der Blumenstraße von außen aus.

Bremen braucht mehr Wohnraum, doch wie soll er aussehen? Für viele Bewohner des Viertels sollen Neubauten offenbar nicht zu hoch, nicht zu massiv sein. Groß ist die Angst, dass sich das Gesicht des Stadtteils zum Nachteil verändert. Bürgerinitiativen üben seit Monaten Kritik an den neu geplanten Bauprojekten in der Blumenstraße und der Kohlhökerstraße. Jetzt haben sich die Politiker im Bauausschuss der Koalition auf einen Kompromiss im Fall der Blumenstraße geeinigt.

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Der Bürgerinitiative (BI) Blumenstraße waren die ersten Planungen zu hoch und zu wuchtig für die schmale Seitenstraße, die vom Ostertorsteinweg abgeht. Auch hatten manche Anwohner Angst, dass ihre Gebäude künftig nicht genug Licht bekommen würden. Jetzt sollen die ersten zwei von drei Eingängen 50 bis 75 Zentimeter von der Straße zusätzlich abgerückt werden. "Dadurch wird der Raum etwas luftiger", sagt der baupolitische Sprecher der Grünen, Robert Bücking. Außerdem, so der Wunsch der Politiker, sollten zwei von den 15 geplanten Wohnungen für weniger als 10 Euro pro Quadratmeter Mietpreis angeboten werden.

Bürgerinitiative nicht zufrieden

Die Mitglieder der Bürgerinitiative, die gegen die Pläne für die Blumenstraße protestiert hatten, zeigten sich bei einer Podiumsdiskussion am Montag nicht zufrieden. "Das ist kein echter Kompromiss", sagte BI-Mitglied Aleksandra Orcholski. "Von der Baumasse ist so gut wie nichts weggekommen." Die Initiative hätte sich beim Neubau ein Stockwerk weniger gewünscht – ohne Tiefgarage. Die Sorgen beträfen nicht nur die Verdichtung der Gegend, sondern auch mögliche Schäden an den umliegenden Gebäuden bei den Bauarbeiten.    

Wir waren nie dagegen, dass es gebaut wird. Es ist aber eine Frage des Maßes.

Daniel Pflaum, Vertreter der Bürgerinitiative Blumenstraße
Lageplan fürs urbane Wohnen in der Blumenstraße
Der Lageplan stelle den Vorschlag der Grünen für das Koalitionsgespräch am 4. November dar, teilte die Architektin mit. Rückmeldung von den Behörden habe sie bisher nicht erhalten. Bild: Ute Kastens Architekten BDA

Die Architektin Ute Kastens hält den Wunsch nach zurückgesetzten Eingängen für "baulich und rechtlich machbar", wie sie auf Nachfrage mitteilte. "Von Investorenseite wäre diese Verschiebung akzeptabel." Das Vorhaben sei bereits geprüft worden. Über den Wunsch nach zwei preisgünstigeren Wohnungen herrscht hingegen Zurückhaltung. Darüber "kann seitens der Investorenfirma "a+i Bau" momentan keine Aussage gemacht werden, da zunächst diverse juristische Belange geprüft werden müssen", so Kastens weiter.

Noch ist das Vorhaben jedoch nicht in trockenen Tüchern. Die bisherigen Planungen seien noch nicht offiziell geändert worden, so die Architektin. "Weder die Investorin "a+i Bau" noch wir Architekten sind von offizieller Seite über eine Änderungsplanung informiert beziehungsweise dazu aufgefordert worden. Wir kennen auch nur Medienberichte." Das neue Vorhaben muss zudem noch von der Baudeputation beschlossen werden.

Neues zum Neubau in der Kohlhökerstraße

Um Bürgerbeteiligung und das künftige Gesicht des Stadtteils geht es auch beim weiteren Streitprojekt im Viertel: dem geplanten Hochhaus in der Kohlhökerstraße. Auch hier hatte sich in den vergangenen Monaten Widerstand formiert. An dem Standort befindet sich derzeit die ehemalige Filiale der Bundesbank. Seit vier Jahren steht sie leer. Die Bürgerinitiative "Kein Hochhaus im Viertel" wehrte sich gegen den ursprünglich geplanten Abriss und Neubau eines 14-stöckigen Gebäudes.

Vor einem halben Jahr war bekannt geworden, dass das ursprüngliche Bauprojekt um zwei Stockwerke reduziert werden sollte. Jetzt prüft der Koalitionsausschuss weitere mögliche Änderungen. Es habe Gespräche mit dem Investor Evoreal gegeben, erläutert Bücking. Dieser habe sich bereit erklärt, ein kleines, unabhängiges Gutachten über die eventuelle Nachnutzung des bestehenden Gebäudes zu finanzieren. Es soll untersuchen, ob der Erhalt und die Umnutzung eventuell möglich seien – was der Investor am Anfang der Planung als nicht wirtschaftlich bewertet und abgelehnt hatte.

Visualisierung des Neubauten in der Kohlhökerstraße
In der ersten Planung hatte das künftige Hochhauses in der Kohlhökerstraße 14 Stockwerke. Bild: Evoreal

Sollte am Ende tatsächlich ein Neubau kommen, dann mit maximal elf Stockwerken und 30 Prozent Sozialwohnungs-Anteil. Das ist laut Bücking der Vorschlag des Koalitionsausschusses. "Die Verhandlungen sind jedoch noch nicht abgeschlossen", fügt er hinzu. Evoreal wollte sich dazu nicht äußern.

Aktuell befinden wir uns noch in einem intensiven Austausch mit der Politik. In dieser Phase werden wir uns somit nicht äußern können. Aber es wird Veränderungen geben.

Madeleine Beil, Evoreal-Pressereferentin

Die Bürgerinitiative "Kein Hochhaus im Viertel" hatte von Anfang an Sorgen wegen der Höhe und der Dichte des Neubaus geäußert. Sie wünscht sich, dass das Bundesbank-Gebäude erhalten und umgenutzt wird, wie die Sprecherin, Sabine Hummerich, mitteilte. Das sei ökologisch und stadtplanerisch sinnvoll. "Nach all dem, was  wir über das Gebäude wissen, wird die Vorstellung, es abzureißen, immer bizarrer."

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 13. November 2019, 23:30 Uhr