Klimakiller Arcelor: Sollte die Stahlproduktion eingestellt werden?

Das Bremer Stahlwerk Arcelor steckt in einer Krise. Es ist aber auch einer der größten CO2-Verursacher in Bremen. Spricht das gegen eine Zukunft des Werks?

Ein Rohr eines Stahlwerkes, aus dem Rauch aufsteigt.

Bei der Stahlproduktion denken viele an qualmende Schlote, Dreck und Umweltverschmutzung. Tatsächlich ist das Stahlwerk in Bremen einer der größten CO2-Verursacher. "Fast die Hälfte des CO2s in Bremen ist mit auf die Stahlwerke zurückzuführen", meint Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne).

Schließen sich Klimaschutz und Stahlproduktion aus?

Ist das Stahlwerk also ein Klimakiller? Und wäre es dann nicht besser, die Stahlproduktion in Bremen einzustellen? Auf gar keinen Fall, meint Elke Heyduck, Geschäftsführerin der Artbeitnehmerkammer, denn für den Umweltschutz könne es nicht gut sein, den Chinesen den Markt zu überlassen — und ihrem deutlich "schmutzigeren" Stahl. Der wird nämlich ohne große Umweltauflagen hergestellt. Der Umweltschutz spreche also sogar für den Bremer Stahl.

Klimaschutz und Stahlproduktion schließen sich auf keinen Fall aus. Für eine Volkswirtschaft ist es eher günstig, die Rohstoffe und Wertschöpfung im eigenen Land zu haben, weil wir dann die Industrie mit unseren Klimaschutzzielen begleiten können.

Elke Heyduck, Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer

Neue, bessere Filteranlagen oder die Weiterverwertung von Abfallprodukten seien nur zwei Beispiele für Umweltschutz in der Produktion. Wichtig ist für Heyduck, dass der Prozess konsequent begleitet und beobachtet werden kann.

Arcelor setzt sich klare Klimaziele

Aber klimafreundlicher Stahl kostet natürlich Geld — viel Geld. Da stellt sich die Frage: Hat Arcelor, unabhängig von gesetzlichen Vorgaben, überhaupt ein Interesse daran, umweltfreundlich Stahl zu produzieren? Die Antwort von Werksleiter Reiner Blaschek ist hier eindeutig.

Wir stehen zum Thema Klimaschutz und haben eine ganz klare Strategie der CO2-Reduktion. Bis 2027 wollen wir den Ausstoß um 25 Prozent reduzieren.

Reiner Blaschek, Werksleiter ArcelorMittal

Das alleine reicht aber nicht. Optimalerweise soll der Stahl klimaneutral produziert werden. Dafür müssen Zukunftstechnologien her, um die Öfen zu befeuern. Vor allem ein Brennstoff, der nicht Unmengen von CO2 verursacht, wie der zurzeit hauptsächlich genutzte Koks.

Wasserstoff kann die Lösung sein

Eine Lösung wäre Wasserstoff — der verbrennt nämlich CO2-arm. Auch Arcelor experimentiert bereits damit, wenn auch noch nicht in Bremen. Allerdings ist die Herstellung von wasserstoffbetriebenen Anlagen aktuell noch sehr teuer im Vergleich zu den herkömmlichen. Es wird also noch einige Jahre an Forschung brauchen, bis solche Anlagen genutzt werden können.

"Damit das funktioniert, muss aber die Politik für die entsprechenden Rahmenbedingungen sorgen", fordert Werksleiter Blaschek. Beispielsweise beim Ausbau von Wasserstofflagern und -tankstellen. Davon gibt es nämlich derzeit in Deutschland zu wenig. "Wir brauchen konsequente und pragmatische Unterstützung, um klimafreundlichen bis klimaneutralen Stahl produzieren zu können."

Klimaschutz und Stahlproduktion — das scheint also Hand in Hand gehen zu können. Allerdings nur mit Geduld und im Zusammenspiel zwischen Wirtschaft und Politik. Umweltsenatorin Maike Schaefer zeigt sich zuversichtlich: "Ich bewerte das erst mal positiv, dass die Stahlwerke sich selber auch zum Klimaschutz bekennen und sagen, sie wollen auch perspektivisch klimaneutral Stahl produzieren." Ob das tatsächlich machbar ist und wie lange es bis dahin dauert, muss sich allerdings erst noch zeigen.

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Autor

  • Daniel Hoffmann

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 28. November 2019, 19:30 Uhr