Warum Bremen bislang auf flächendeckende Antikörpertests verzichtet

Antikörpertests werden bald millionenfach verfügbar sein. Auch Bremen könnte davon profitieren. Allerdings nur, wenn einige wichtige Voraussetzungen erfüllt sind.

Sanitäter führen Corona-Tests bei einigen Menschen durch.
Ob es sinnvoll ist, zum Beispiel Sanitäter auf Covid-19-Antikörper zu testen, ist bislang umstritten. Bild: DPA | Beata Zawrzel/NurPhoto

Testen, Testen, Testen. Diese Devise gilt als Goldstandard, um die Corona-Pandemie zu meistern und Notmaßnahmen anzupassen. Doch in der Praxis scheitert das bislang. Zumindest bei Antikörpertests könnte sich dies nun ändern. Denn ein neuer Labortest des Pharmakonzerns Roche hat jetzt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf den Plan gerufen. Der Minister hat eine Lieferung von zunächst drei Millionen Stück mit den Schweizern vereinbart, mit deren Tests nachgewiesen werden kann, ob jemand bereits Corona hatte – oder nicht. Beliefert werden sollen Gesundheitseinrichtungen in ganz Deutschland.

Kein Test für den Hausgebrauch

Davon könnte auch Bremen profitieren, wo solche Tests bislang nicht auf der Agenda des Gesundheitsressorts standen. Und das, obwohl sie längst von Bremer Laboren durchgeführt werden. "Es gibt mittlerweile für den Laborsektor, wo wir aus Blutserum die Tests machen, eine Hand voll Anbieter", sagt Willi Schumacher, Geschäftsführer des Labors Dr. Schumacher in Bremerhaven.

Und auch für Andreas Gerritzen, Leiter des Medizinischen Labors Bremen, ist das Thema nicht neu. "Mit unserem Antikörpertest haben wir inzwischen viele Hundert Proben bearbeitet. Andere Auftraggeber sind da offenbar entschlussfreudiger als das Gesundheitsamt", sagt er.

Das Gesundheitsressort hatte das zurückhaltende Vorgehen zunächst gegenüber buten un binnen auch damit begründet, dass das Robert-Koch-Institut (RKI) dringend vor dem Kauf vermeintlicher Schnelltests für zuhause abrät. Die Zuverlässigkeit solcher auch im Internet angebotenen Tests sei sehr fraglich, warnte RKI-Präsident Lothar Wieler. "Es gibt auch schlechte Tests, die leider trotzdem verkauft werden", sagte er Ende April.

Fehlerquote im Labor niedrig

Dass es in Labors verwendete Antikörpertests gibt, deren Verlässlichkeit durch Studien belegt ist, darauf weist allerdings das RKI auch hin. Als zuverlässig gelten Tests dann, wenn die Quote, bei denen ein Nicht-Corona-Fall trotzdem positiv getestet wird, klein ist. Solche "falsch-positiven" Ergebnisse liegen bei den Antikörpertests, die seit einigen Wochen auch in Bremer Laboren genutzt werden, in der Regel bei unter drei Prozent. Roche wirbt für seinen neuen Test sogar mit weniger als einem Prozent Fehlerquote, die sich bei den ersten rund 5.000 ausgewerteten Blutproben ergeben habe.

Röhrchen mit Proben für Coronatests.
Die neuen Tests haben auch Nachteile. Bild: Reuters | Axel Schmidt

Dieser Test werde, wie auch die vorherigen, von den zuständigen Stellen geprüft, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher des Gesundheitsressorts. Bisher habe das Problem bestanden, dass eine Sicherheit von 90 Prozent für den Einsatz zu gering gewesen sei. "Wenn sich die nun genannten Werte bestätigen, dann sind das aus Sicht unserer Experten gute Werte", so Fuhrmann. Zumindest in diesem Punkt spreche daher nichts gegen die Durchführung von Antikörpertests, zum Beispiel für Pflegekräfte oder Krankenhauspersonal.

Antikörpertests haben auch Nachteile

Doch es gibt auch Nachteile. So funktionieren die so genannten ELISA-Tests, mit denen Antikörper im Blut nachgewiesen werden, erst zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung. Der Grund: Erst dann haben sich Antikörper gebildet. Zum Vergleich: Mit den bisherigen Covid-19-Tests, den so genannten PCR-Tests, kann das Virus schon nach Tagen nachgewiesen werden. "Solche PCR-Test sind schneller diagnosefähig", sagt Fuhrmann. Er sieht die Antikörpertests daher vor allem als Möglichkeit, den Verlauf der Pandemie wissenschaftlich aufzubereiten.

Denn nicht zuletzt weist auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) darauf hin, dass noch nicht ausreichend belegt sei, dass Antikörper immun gegen das Coronavirus machen. So gebe noch "keinen Beweis, dass Menschen, die sich von Covid-19 erholt und die Antikörper haben, vor einer zweiten Infektion geschützt sind". Im Gegenteil: "Immunitätsbescheinigungen" könnten eine Ausbreitung der Pandemie daher sogar begünstigen, warnte die Organisation Ende April. Auch dies spricht derzeit noch gegen eine Verwendung der neuen Tests als Diagnose-Methode.

Ein Gesetz soll jetzt Klarheit bringen

Aus Sicht der Bremer Gesundheitsbehörde ist auch weiterer Aspekt wichtig: die Kostenfrage. Denn so wie auch bei der Finanzierung von Covid-19-Tests, ist noch offen, ob und gegebenenfalls wann die Durchführung von Antikörpertests von Krankenkassen bezahlt wird.

Doch auch hier scheint Gesundheitsminister Spahn Bundesländern wie Bremen entgegenkommen zu wollen. Denn in welchen Fällen die Krankenversicherung zahle, werde in einem Gesetz geregelt, das diese Woche in erster Lesung im Bundestag behandelt wird, sagte Spahn am Montag mit.

Bis das Gesetz in Kraft ist, zahlen Bürger und Betriebe jedoch weiterhin selbst. "Es gibt natürlich besorgte Leute, die den Test dennoch schon jetzt machen wollen", sagt Laborleiter Schumacher. Einen Teil der Tests, die er in Bremerhaven durchführe, stamme von Arztpraxen. "Wenn die einen Fall hatten, dann wollen die eben herausfinden, wer jetzt schon immunisiert ist." Immer vorausgesetzt, dass diese Immunisierung existiert.

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Autor

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 5. Mai 2020, 23:30 Uhr