Amazon in Achim: Arbeitsagentur sieht große Chancen für Bremen

Der Chef der Arbeitsagentur hofft, dass Amazon unausgebildeten Bewerbern eine Perspektive bietet. Einige Arbeitgeber aus dem Umland fürchten dagegen die neue Konkurrenz.

Eine Aufnahme von mehreren Amazon-Mitarbeitern, die Pakete packen.

Die Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven sieht die Amazon-Ansiedlung in Achim als große Chance für den Bremer Arbeitsmarkt. Die Voraussetzungen seien gut, dass das Logistikzentrum mit voraussichtlich rund 2.000 neuen Arbeitsplätzen vor allem Bewerbern ohne abgeschlossene Berufsausbildung neue Perspektiven gibt, sagte der Chef der Agentur, Joachim Ossmann, im Gespräch mit buten un binnen.

Diese speziellen Arbeitsplätze im sogenannten "Helfermarkt" sind in Bremen mit seiner hohen Arbeitslosigkeit besonders gefragt, sagt auch die Arbeitnehmerkammer Bremen: Weil hier zwei Drittel aller Arbeitslosen nicht über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen – in Bremen Stadt sind das rund 25.000 Menschen.

Arbeitgeber fürchten Konkurrenz durch Amazon

Gleichwohl sieht die Arbeitnehmerkammer in Amazon auch eine Konkurrenz speziell für andere Arbeitgeber im Niedriglohnsektor, etwa in der Logistikbranche, im Reinigungsgewerbe, im Einzelhandel, aber auch im Leiharbeitssektor.

Am Standort Achim hatte vor diesem Hintergrund ein aktueller Zeitungsbericht Unruhe hervorgerufen. Darin wurden Befürchtungen geäußert, Amazon könne den ansässigen Unternehmen Arbeitnehmer abspenstig machen. "Wir werden Mühe haben, unsere Leute zu halten", zitiert die "Kreiszeitung" aus Syke nicht näher genannte Firmenvertreter aus der Region.

Sie werden sich den örtlichen Arbeitsmarkt anschauen, sie werden das Lohngefüge sondieren und werden mit ihren Gehalts-Angeboten leicht über dem Durchschnitt liegen.

Harald Büge, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Nienburg-Verden

Der US-Konzern Amazon wirbt damit, jedem Mitarbeiter in den 13 deutschen Logistikzentren mindestens 11,10 Euro brutto pro Stunde Einstiegslohn zu zahlen. Der gesetzliche Mindestlohn liegt seit diesem Jahr bei 9,35 Euro.

Arbeitsagentur Verden wiegelt ab

Auf Nachfrage von buten un binnen sagt ein Sprecher der Arbeitsagentur Nienburg-Verden, dass bislang weder Daten noch Informationen über den konkreten Personalbedarf Amazons vorlägen. Für konkrete Aussagen zu den Auswirkungen der Ansiedlung sei es daher noch zu früh.

Fest steht jedoch, dass der Arbeitsmarkt im Landkreis Verden derzeit abgegrast ist. Die Arbeitslosenquote liegt im Landkreis Verden bei derzeit 3,6 Prozent. Davon dürfte letztlich Bremen profitieren. Denn die Agenturen in Verden und Bremen-Bremerhaven wollen nach eigener Aussage zusammenarbeiten, wenn Amazon voraussichtlich ab Sommer damit beginnt, die rund 2.000 neuen Stellen an der A27 zu besetzen.

Die Bauarbeiten auf dem Gewerbegebiet Uesener Feld sollen im zweiten Quartal starten. Amazon könnte seine neue Niederlassung dann im kommenden Jahr in Betrieb nehmen – von hier sollen Kunden im Großraum Bremen und Oldenburg schneller beliefert werden.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Morgen, 14. Januar 2020, 8 Uhr