Fehlen Kinderärzte in Bremen und Niedersachsen?

  • Viele Praxen in Bremen und Niedersachsen sind überfüllt
  • Kassenärzte: Verteilungsschlüssel greift nicht mehr wie gedacht
  • Bremens Gesundheitssenatorin Quandte-Brandt sieht Reformbedarf
Ein Arzt hört den Rücken eines Jungen ab.
Mehr Vorsorge, mehr Impfungen: Die Anforderungen an Kinderärzte sind gestiegen, auch deshalb sind viele Wartezimmer voll. Bild: DPA | Stefan Puchner

Rein statistisch gibt es fast überall in Bremen und Niedersachsen mehr Kinderärztinnen und -ärzte als nötig. Dennoch sind viele Wartezimmer überfüllt, was Ärzten und Familien zu schaffen macht. Deshalb fordern Ärzte, aber zum Beispiel auch Bremens Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD), neue Regeln für die Versorgung von Mädchen und Jungen.

Wie viele Arztpraxen in einem Gebiet erlaubt sind, ist streng geregelt. Grundlagen dafür sind ein Bundesgesetz und die sogenannte Bedarfsplanungs-Richtlinie. Sie dient den Kassenärztlichen Vereinigungen in den Bundesländern als Grundlage dafür, wie viele Mediziner in den einzelnen Regionen zugelassen werden. Aber beide Instrumente, das Gesetz und die Richtlinie, greifen aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) nicht mehr wie vorgesehen.

Versorgung im Stadtstaat Bremen deutlich besser

Denn mehrere Vorzeichen hätten sich geändert, sagt KVN-Sprecher Detlef Haffke: Bei der Planung werde nicht berücksichtigt, dass heute viel mehr Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen empfohlen und von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt werden als früher. Ein weiteres Problem: Kindergärten und Schulen verlangen ärztliche Bescheinigungen, damit etwa vormals erkrankte Kinder die Einrichtungen wieder besuchen können. Und schließlich, so Haffke von der KVN, spezialisierten sich immer mehr Kinderärzte auf Fachgebiete und fielen dann für die normale medizinische Grundversorgung aus. Die Folge: Laut KVN sind zum Beispiel in Niedersachsen Kinderärzte in einem Landkreis für etwa 2.400 Kinder zuständig, in einem anderen dagegen für mehr als 4.400. Deutlich besser sieht das in der Stadt Bremen aus. Laut der Kassenärztlichen Vereinigung kommt hier ein Arzt oder eine Ärztin auf durchschnittlich etwa 1.500 Kinder, in Bremerhaven sind es ungefähr 1.800 – auch wenn die Zahlen in den einzelnen Stadtteilen variieren.

Die Intensität der Behandlung jedes einzelnen Kindes nimmt massiv zu.

Detlef Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen.

Aber zumindest mit Blick auf Niedersachsen fordern die Kassenärzte, die Planung an den tatsächlichen Bedarf in den Regionen anzupassen. Und obwohl Bremen auf dem Papier erheblich besser dasteht, schließt sich sowohl Gesundheitssenatorin Quandte-Brandt als auch die Kassenärtzliche Vereinigung Bremen der Forderung der Ärzte in Niedersachsen an. Unterstützt wird sie auch vom Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Beide Verbände hatten dazu schon im vergangenen Jahr ein Positionspapier veröffentlicht. "Die Tätigkeit von Kinderärztinnen und Kinderärzten hat sich verändert. Wir brauchen deshalb dringend eine neue Bedarfsplanung auf Bundesebene, die der Realität in den Arztpraxen entspricht." Quante-Brandt verweist darauf, dass das im Koalitionsvertrag zumindest erwähnt wird. Experten untersuchen die Verteilung der Ärzte wissenschaftlich. Bis sich was ändert, dürfte es aber noch dauern.

Dieses Thema im Programm: Hörfunknachrichten, 12. Februar 2018, 12 Uhr