Interview

Inklusives Theater in Bremen: So heizen "Süße Frauen" dem Publikum ein

Bremer Theaterfestival: Menschen mit und ohne Handicap auf einer Bühne

Bild: Jacqueline Kolkwitz/Johannes Hensel/Frieder Schmalzhaf

Auch Blaumeiers "Süße Frauen" mischen beim inklusiven Theaterfestival Mittenmang im Theater Bremen mit. Sie sagen, wie sie Gäste bewirten – und ihnen einheizen wollen.

Die einen setzen auf Tanz, andere auf Sprechtheater, wieder welche musizieren zu Stummfilmen. Mehr als 200 Künstlerinnen und Künstler aus sieben Ländern sind beim inklusiven Theaterfestival Mittenmang im und um das Theater Bremen zu sehen, darunter auch Blaumeiers Süße Frauen. Die Bremer Lokalmatadoren halten es in ihrem neuen Stück "Café Spritz" vor allem mit dem Gesang. Wir sprachen mit der Spielerin Elisabeth Ludwig, mit Spieler Wolfgang Grolewsky und mit Regisseurin Andrea Herbst über die neue Blaumeier-Produktion und über das Festival.

Kurzhaarige Frau mit Brille strahlt in die Kamera
Freut sich auf das Publikum beim Mittenmang-Festival: Elisabeth Ludwig von Blaumeiers Süßen Frauen. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg
Sie führen beim Mittenmang-Festival erstmals Ihr neues Stück "Café Spritz" auf. Was ist das für ein Stück, und was für Rollen spielen Sie dabei?
Wolfgang Grolewsky: Das Café Spritz ist ein ganz normales Café mit ein paar verrückten Gästen: So sind wir. Wir singen, tanzen und spielen die Leute an.

Andrea Herbst: Es ist ein Unterhaltungsstück. Es geht darum, dass sich die Leute amüsieren, dass sie bezaubert sind von den Figuren. Sie zeigen sich in ihren Songs in ihren kleinen Verrücktheiten, die jeder von uns hat.

Elisabeth Ludwig: Ich mache mit Wolfgang zusammen die Theke. Und dann habe ich noch das Gedicht "Die blonde Inge". Das ist fantastisch! Es geht so (rezitiert): "Tag’, ich bin die blonde Inge. Hier ein Lied, das ich Euch singe. Als ich in der letzen Woche in der Küche mir was koche, klingelt doch das Telefon. Ich geh’ ran. Wer ist dran? Dieser Traum von einem Mann!"

Andrea Herbst und Wolfgang Grolewsky (rezitieren ebenfalls): "Ohhhh, ahhh…"
Elisabeth: "Huch, ich werd’ ganz aufgeregt, innerlich zutiefst bewegt. Und ich sage mutig: Hi, heut’, mein Süßer, hab’ ich frei! Und dann wärs doch wunderschön, wenn wir mal ins Kino gehen."
Andrea: "Wenn sie mal ins Kino gehen…"
Wolfgang: "Wenn sie mal ins Kino geht…"
Elisabeth: "Und ich denk: Das kann nicht sein. Dieser Typ sagt wirklich "nein"!"
Wolfgang: "Ohhh!"
Andrea: "Dieses Schwein!"
Elisabeth: "Und ich fluche wilde Flüche, renn zurück in meine Küche. Greif’ zur nächsten spitzen Gabel und zerfetz’ das Toasterkabel."
Andrea und Wolfgang: "Und zerfetzt das Toasterkabel!"
Elisabeth: "Denke bei mir: Dieser Typ sagt ab morgen keinen Piep."
Andrea und Wolfgang: "Sagt ab morgen keinen Piep!"
Elisabeth: "Ja, so bin ich, die blonde Inge, wenn ich mal das Kriegsbeil schwinge."
Andrea und Wolfgang: "Ohhhh."
Elisabeth: "Aber langsam werd’ ich traurig, wird das Leben wieder schaurig. Bin verlassen und alleine. Alle Männer sind doch…"
Andrea und Wolfgang: "Alle Männer sind doch Schweine!"
Älterer Herr mit langem weißen Baart und blauen Augen guckt in die Kamera
Hat Spaß daran, das Publikum anzuspielen: Wolfgang Grolewsky von Blaumeiers Süßen Frauen. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg
Klingt eher nach einem Song aus einer bitterbösen Revue als nach einem Auszug aus einem harmlosen Amüsierstück…
Andrea: Das war der Song der Elisabeth. Jeder Spieler hat einen Song. Das ist entstanden durch die Corona-Zeit. Wir konnten nicht in der Gruppe arbeiten. Also haben wir beschlossen, in Einzelarbeit Stimmarbeit zu machen und alles später zusammen zu fügen.

Wolfgang Grolesky: Das hat super funktioniert. Das hätte ich mir nie träumen lassen. Ich bin jetzt der singende Gastwirt. Dass ich singen kann, kann ich zwar nicht gerade behaupten – mache es aber mit Freude.

Andrea Herbst: Das war auch die Aufgabe. Wir haben gesagt: Egal, ob Du singen kannst oder nicht – wir gucken jetzt, was sich daraus machen lässt. Wir haben uns Imke Burma als Gesangslehrerin geholt. Die hat mit uns die Stücke erarbeitet. Und als wir dann wieder mehr zusammenarbeiten konnten, haben wir das Ganze zu seinem Stück zusammengebaut – mit viel Freude.

So haben Blaumeiers Süße Frauen für Mittenmang geprobt

Bild: Jacqueline Kolkwitz/Johannes Hensel/Frieder Schmalzhaf
Und worauf freuen Sie sich am meisten beim Mittenmang-Festival?
Elisabeth: Darauf, dass viele Leute kommen und dass wir Publikum kriegen! Ich finde das toll, wenn uns die Leute zusehen, was wir so machen.

Wolfgang: Ich freue mich auch am meisten auf das Publikum. Dafür machen wir das doch: Damit andere ihre Freude daran haben.
Grauhaarige Frau mit blauen Augen strahlt in die Kamera
Hebt hervor, dass Mittenmang eines von wenigen Festivals bundesweit für Inklusives Theater ist: Regisseurin Andrea Herbst von Blaumeiers Süßen Frauen. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg
Das Publikum erwartet von Ihnen Unterhaltung. Was erwarten Sie von dem Publikum?
Wolfgang: Einfach nur, dass es Spaß hat. Und wir werden den Leuten schon einheizen!

Elisabeth: Genau. Und vielleicht können die Leute mit dem Café was anfangen. Lassen sich Getränke reichen und sich bewirten. Ich habe auch schon Zuschauer massiert.
Wollen Sie, dass das Publikum mitspielt?
Elisabeth: Wenn die Leute wollen – klar!

Wolfgang: Ich bin ein absoluter Fan von Straßentheater. Es ist die beste Möglichkeit, um das Publikum mitzunehmen und anzuspielen. Aber wenn einer nicht will, dann lassen wir den in Ruhe.
Bei Mittenmang treten noch viele andere Ensembles auf. Wollen Sie auch etwas gemeinsam unternehmen?
Wolfgang Grolesky: Das schaffe ich nicht! Dafür bin ich zu sehr eingespannt. Aber ich freue mich, so einige Leutchen wiederzusehen, die ich auf anderen Festivals kennengelernt habe. Ich bin sehr neugierig!

Andrea Herbst: Man muss dazu sagen: Wir stehen jetzt mit "Café Spritz" vor unserer Premiere. Das heißt: Wir sind natürlich sehr aufgeregt. Aber nach ein paar Shows werden wir wieder aufgeschlossener sein. Wir werden hier all die Bekannten treffen, die wir von vorherigen Festivals kennen. Es wird auch ein Treffen von Gruppenleitern geben, die sich austauschen werden. Es gibt viele Angebote bei diesem Festival, die ich auf jeden Fall wahrnehmen werde. Und welche Spieler Kapazitäten haben werden, sehen wir dann. Ich finde es fantastisch, dass wir dieses Festival hier machen können, im Zentrum der Stadt, eingeladen vom Theater Bremen. Ich hoffe, dass viel Publikum kommt und die Chance nutzt, internationales inklusives Theater zu sehen.
Was ist das Besondere an inklusivem Theater?
Elisabeth: Ich kenne das jetzt schon seit 18 Jahren. Wir haben allerhand erlebt! Immer wieder kommen Erinnerungen auf, was wir schon alles aufgeführt haben. Herrlich! Das hat so viel Spaß gemacht.

Wolfgang: Es ist etwas ganz Besonderes, mit Künstlern zusammen zu sein, die eine Leidenschaft haben. Daher ist dieses Festival etwas ganz Besonderes.

Andrea: Ich finde, das Besondere besteht auch darin, dass im inklusiven
Theater immer noch leider viele Künstler zu sehen sind, die man sonst viel zu selten sieht. Es gibt nicht viele inklusive Theatertruppen, auch nicht in der Bundesrepublik. Dabei sind sie besonders: Besonders in ihrem Ausdruck und in ihrem Kunstverständnis. Inklusives Theater ist eine besondere Kunstform.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. Mai 2022, 19.30 Uhr