Darum meldet Daimler trotz Rekordgewinns Kurzarbeit im Bremer Werk an

Ein Mitarbeiter der Daimler AG montiert den Mercedes-Stern auf einen Wagen

Ab heute Kurzarbeit für bis zu 9.000 Mercedes-Beschäftigte in Bremen

Bild: DPA | Marijan Murat
  • Bremer Mercedes-Beschäftigte erneut bis 3. Juli in Kurzarbeit
  • Autobauer bezieht staatliche Hilfe, steigert gleichzeitig Gewinn
  • Wirkt Kurzarbeit wie eine indirekte staatliche Subvention?

Die Beschäftigten des Bremer Mercedes Werks müssen in diesem Monat wieder einmal mit Einkommenseinbußen rechnen. Grund dafür ist, dass der Stuttgarter Autobauer Daimler wegen pandemiebedingter Lieferengpässe erneut Kurzarbeit für rund 9.000 Bremer Beschäftigte angemeldet hat. Diese soll zunächst bis zum 3. Juli gelten.

Dabei war auch 2021 schon kein leichtes Jahr für die Belegschaft: Daimler meldete im Bremer Werk mehrmals Kurzarbeit an. Gleichzeitig verzeichnete der Stuttgarter Autobauer in dem Jahr ein Rekordplus – er steigerte seinen Gewinn von 2,7 auf rund vier Milliarden Euro. Grund dafür seien unter anderem Kosteneinsparungen gewesen, teilte das Unternehmen mit. Von der Agentur für Arbeit erhielt Daimler etwa 500 Millionen Euro Kurzarbeitergeld.

Ohne Kurzarbeitergeld drohen Entlassungen

Die Bremer IG Metall kann nachvollziehen, dass Kurzarbeit trotz hoher Gewinne bei dem Autobauer auf Unverständnis stößt. "Das ist eine unsägliche, missliche Situation", sagt IG Metall-Kassierer Volker Stahmann auf Anfrage von buten un binnen. Trotzdem hält er die Kurzarbeit aufgrund der aktuellen Lieferengpässe von Halbleitern bei Daimler für die richtige Maßnahme. Würde die Bundesregierung dem Autobauer die Unterstützungsleistung verweigern, bedeute dies Entlassungen oder unbezahlte Arbeitszeitverkürzungen, erklärte Stahmann.

Kurzarbeit ist nicht dazu da, Unternehmen Geld zu schenken, sondern um das Personal zu schützen.

Volker Stahmann, IG Metall Geschäftsstelle Bremen

Statt das Kurzarbeitergeld infrage zu stellen, fordert der Gewerkschafter globale Unternehmen wie Daimler auf, auf innereuropäische Lieferketten zu setzen. So seien die Versorgungswege weniger störanfällig.

Nach Einschätzung des Arbeitsexperten Michael Knuth kann das Kurzarbeitergeld für Unternehmen "indirekt wie eine Subvention" wirken. Dies gelte allerdings nur, "wenn man unterstellt, dass das Unternehmen die Arbeitnehmer, die vorübergehend nichts zu tun haben, dennoch nicht entlassen und voll bezahlen würde, wenn es kein Kurzarbeitergeld gäbe", sagte der frühere Professor vom Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen zu buten un binnen. Diese Option hätten aber nur große Unternehmen, ergänzte er. Kleinere Betriebe seien bei länger andauerndem Arbeitsausfall dazu finanziell nicht in der Lage.

Unternehmensgewinne bei Kurzarbeit berücksichtigen?

Ist es vor dem Hintergrund sinnvoll, den Erfolg eines Unternehmens als Indikator für den Erhalt von Kurzarbeitergeld mit einzubeziehen? Nein, sagt Experte Knuth. Die Gewinne eines Unternehmens ließen sich erst mit deutlicher zeitlicher Verzögerung genau ermitteln. Zusätzlich "würde das Kurzarbeitergeld wahrscheinlich seine Funktion als ein verlässliches und rasch verfügbares Instrument zur Stabilisierung der Arbeitsplätze verlieren", sagte er. Unternehmen würden dann doch eher entlassen, weil sie nicht sicher sein können, dass sie das Kurzarbeitergeld am Ende erhalten werden.

Daimler macht Gewinne trotz Kurzarbeit – wie passt das zusammen?

Bild: Radio Bremen

Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 26. Juni 2022, 10 Uhr