Högel-Prozess: Klinikchef bestreitet Einflussnahme auf Zeugen

  • Chef des Oldenburger Klinikums weist Vorwürfe zurück
  • Er habe den Zeugen aus Fürsorgepflicht einen Rechtsbeistand angeboten
  • Klinikmitarbeiter hatten das als versuchte Einflussnahme empfunden
Patientenmörder Niels Högel
Der Angeklagte Niels Högel galt bei Kollegen als "reanimationsgeil". Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Im Prozess gegen den Patientenmörder Niels Högel hat heute der Oldenburger Klinikchef Dirk Tenzer ausgesagt. Richter Sebastian Bührmann und wollte von ihm wissen, warum das Klinikum allen Mitarbeitenden einen Rechtsbeistand angeboten habe. Zeugen hatten berichtet, den Beistand als "Aufpasser" zu empfinden. Richter Bührmann sagte, ein solches Vorgehen eines Unternehmens in einem Strafprozess sei höchst ungewöhnlich und lege eine versuchte Einflussnahme nahe.

Anfang Januar hatte bereits ein Ermittler im Prozess kritisiert, dass die Klinikmitarbeiter bei der polizeilichen Vernehmung mit einem vom Arbeitgeber bezahlten Rechtsanwalt erschienen seien. Es sei dabei der Eindruck entstanden, dass die Zeugen aus welchen Gründen auch immer, nicht die Wahrheit gesagt hätten.

Tenzer verteidigte das Vorgehen der Klinik. Die Situation sei für alle Beteiligten sehr belastend. Es sei eine Frage der Fürsorge gewesen, den Mitarbeitenden einen Beistand anzubieten. Er habe nie Anweisungen gegeben, auf die Aussagen der Mitarbeitenden Einfluss zu nehmen. Er habe sie im Gegenteil dazu aufgefordert, offen und eng mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten.

Tenzer war 2013 – also nach den Morden – als Vorstandsvorsitzender ins Klinikum Oldenburg gekommen und hatte 2014 nach einem Zeitungsbericht über Högels Morde in Delmenhorst erste hausinterne Recherchen und Gutachten in Gang gebracht.

Högel galt bei Kollegen als "reanimationsgeil"

Am Vormittag hatte eine frühere Krankenpflegerin über ihre Erfahrungen mit dem Patientenmörder berichtet. Sie sagte vor dem Oldenburger Landgericht, dass sie Högel zwar als freundlichen und sehr hilfsbereiten Kollegen in Erinnerung habe. In einer Nachtschicht mit ihm habe es jedoch eine auffällige Häufung von Reanimationen im Oldenburger Klinikum gegeben, sagte sie.

"Wir hatten in dieser Nacht sechs Reanimationen, es war grauenvoll", berichtete die 54-Jährige im Prozess gegen den Ex-Pfleger. "Hier spukt es wohl, wir mussten fast von einem Zimmer zum anderen rennen", erinnerte sich die Zeugin. Högel sei als "reanimationsgeil" bekannt gewesen, Kollegen hätten ihn auch als "Sensen-Högel" bezeichnet.

Die Staatsanwaltschaft hat den Ex-Krankenpfleger Högel wegen Mordes an 100 Patienten an den Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg angeklagt. Sie wirft ihm vor, seine Opfer mit verschiedenen Medikamenten zu Tode gespritzt zu haben. Wegen des Todes von sechs Patienten auf der Delmenhorster Intensivstation hatte das Landgericht Oldenburg den Mann bereits zu lebenslanger Haft verurteilt.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 30. Januar 2019, 9 Uhr

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