Pro & Contra

E-Scooter auch in Bremen: Fluch oder Segen?

In Bremen darf das Unternehmen "Lime" künftig 500 Elektroroller verleihen. Gute Sache? Bei unseren Autoren Lea Reinhard und Immo Maus gehen die Meinungen auseinander.

Frau fährt auf einem Escooter durch eine Fußgängerzone
In vielen Großstädten gehören E-Scooter bereits zum Stadtbild. Bild: DPA | Christoph Hardt/Geisler-Fot..

PRO

Es ist ein großer Spaß, mit dem E-Scooter zu fahren. Es gibt mir ein besonderes Freiheitsgefühl, mit dem Elektroroller durch die Innenstadt zu cruisen. Frischer Fahrtwind, statt stickiger Luft in Bus oder Bahn. Es ist eine Bereicherung für die Stadt, dass ein Anbieter die Roller nun endlich auch nach Bremen bringt. Ob Bremer oder Tourist, viele Fahrten werden wohl vor allem in die City führen. Für einen Stadtbummel oder zum Sightseeing. Was für eine Gaudi! Allein der E-Scooter könnte also dafür sorgen, dass künftig noch mehr Menschen in der Innenstadt unterwegs sind.

Rollen darf man allerdings nur bis zum Rathaus. Und das ist auch richtig so. E-Scooter müssen in der Bremer Fußgängerzone geschoben werden. Nur auf Straßen oder Fahrradwegen sind sie erlaubt. Ich verstehe die Skepsis, wenn neue Verkehrsteilnehmer an Fußgängern vorbei sausen. Mit gegenseitiger Rücksichtnahme sollte das aber doch möglich sein. Ähnliche Bedenken gab es zu Beginn auch bei den E-Bikes. Erinnern Sie sich? Und obwohl die sogar noch schneller fahren, gehören sie längst zum Stadtbild. 

Schon bald werden E-Scooter auch ihren Beitrag zur Mobilitätswende leisten können. Ich gebe zu: Sauberer und umweltfreundlicher sind sie nicht, solange die Roller von einem mit Benzin betriebenen Transporter abends eingesammelt werden, um sie dann am Strom aufzuladen. Aber in Zeiten des Klimaschutzes dürfte auch dafür schnell eine Lösung gefunden werden.  

Es ist richtig, dass Bremen, wenn auch verspätet, Teil des Geschäfts mit E-Scootern wird. Und ich gehe noch einen Schritt weiter: Meiner Meinung nach müssten deutlich mehr als 500 dieser rollenden Spaß-Gefährte zugelassen werden, damit das Konzept der Verleiher aufgeht. Überall und jederzeit sollte man auf einen E-Scooter steigen können. 


CONTRA

Waren Sie in letzter Zeit mal in Hamburg, um durch die Innenstadt zu schlendern? Verstehen Sie diese Frage bitte nicht als Anregung, sondern als Warnung. Wer dort als Fußgänger vom Marktplatz zum Gänsemarkt flaniert, lebt gefährlich. Jeder Richtungswechsel sollte besser mit Schulterblicken abgesichert werden, denn von allen Seiten kreuzen E-Roller. Und wer glaubt, dass diese sich in Schrittgeschwindigkeit nähern: Fehlanzeige. Geradezu geräuschlos umkurven sie in waghalsigen Manövern und mit bis zu 20 km/h die Passanten. In 30 Minuten beobachtete ich vier Beinahezusammenstöße. Und das jetzt auch in Bremen? Nein danke!

Mir fehlt der Optimismus, dass sich die Situation in Bremen anders darstellen wird als in Hamburg. Mietroller dienen in erster Linie der Belustigung von Touristen. Besucher, die früher durch die Innenstadt gelaufen sind, rollen nun eben auf E-Scootern vorbei an den Sehenswürdigkeiten unserer Stadt. Dass Bremen dem Anbieter "Lime" strenge Auflagen erteilt hat, ist zwar gut gemeint – so sollen unter anderem Teile der Innenstadt für die Flitzer tabu sein – aber ich befürchte, dass die Mitarbeiter des Ordnungsamtes mit der Kontrolle der Auflagen maßlos überfordert sein werden.

Auch sollten wir uns nicht vom Klimaschutz-Argument blenden lassen. Gewiss können E-Roller einen nützlichen Beitrag zur notwendigen Mobilitätswende leisten. Aber nur dann, wenn Pendler auf ihr Auto verzichten und mit dem E-Scooter die sogenannte "letzte Meile" zwischen Wohnort und Bahnhof oder Bahnhof und Arbeitsplatz bewältigen. Das würde den CO2-Ausstoß tatsächlich verringern.

Doch der gegenteilige Effekt tritt ein, wenn nicht Autofahrer, sondern Fußgänger auf E-Scooter umsteigen. Und genau das wird mit dem Angebot von Mietrollern absehbar der Fall sein. Unternehmen wie "Lime" zielen in erster Linie auf Fußgänger und den Fun-Faktor ab – und das führt jeden Klimaschutz-Aspekt ad absurdum.

  • Immo Maus
  • Lea Reinhard

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 21. September 2019, 12 Uhr