Gaslager werden mit 500 Millionen Litern Lesum-Wasser geflutet

  • Wesernetz legt riesige Erdgaskavernen in Burg-Grambke still
  • Hohlräume werden nach und nach mit Wasser befüllt
  • Anwohner befürchten Schäden an Straßen
Die Erdgas-Kaverne in Bremen Burg-Gramke wird von Arbeitern stillgelegt

Der Netzbetreiber Wesernetz hat damit begonnen, zwei riesige Erdgas-Kavernen in Bremen-Burg-Grambke stillzulegen. Die 1250 und 1660 Meter tief in einen Salzstock getriebenen Speicher sollen mit fast 500 Millionen Liter Wasser aus der Lesum gefüllt werden. Dafür wird derzeit ein rund 35 Meter hoher Geräte-Turm aufgebaut.

Zum Wochenstart brachten mehr als ein Dutzend Sattelschlepper schweres Gerät zum Wesernetz-Gelände. Vor Weihnachten soll der Aufbau abgeschlossen sein, dann soll das Wasser in die Kavernen gepumpt werden. Das ist nötig, um den durch das entweichende Gas entstandenen Hohlraum zu stabilisieren. Andernfalls könnten die Kavernen Wesernetz zufolge einstürzen.

Die Kavernen sind ein Hohlraum in einem Salzstock – das Gas darin befindet sich unter hohem Druck. Wenn man dieses Gas einfach evakuieren würde, würde der Hohlraum ohne Innendruck da stehen. Und dann besteht die Gefahr, dass es zu Ablösungen und zum Zusammenbruch kommt.

Wesernetz-Sprecher Christoph Brinkmann

Genau davor haben offenbar einige Anwohner Sorge. "Man hat ja schon oft gesehen oder gehört, dass da irgendwo einfach irgendwas wegbricht", sagte ein Anwohner buten un binnen. "Man hat ein mulmiges Gefühl."

20.000 Liter Wasser werden der Lesum entnommen – pro Stunde

Wesernetz gibt allerdings Entwarnung. Die Injektion von Wasser und die Entnahme von Gas erfolgten im Wechsel – ganz behutsam. "Die Kaverne wird nicht leer gefahren", sagte Wesernetz-Sprecher Christoph Brinkmann zu buten un binnen. Dazu sollen pro Stunde rund 20.000 Liter Wasser entnommen werden, um das entwichene Gas zu ersetzen. "Das sind nur 0,2 Prozent, die wir aus der Lesum entnehmen. Das wird niemand merken", sagte Brinkmann. Der Wasserstand ändere sich nicht. "Umwelttechnisch ist das neutral."

Die Flutung einer Kaverne soll laut Wesernetz inklusive vorbereitender Arbeiten etwa 230 Tage dauern. Erst Ende 2020 soll die Flutung der zweiten Kaverne beginnen. Das entnommene Gas soll im Bremer Gasnetz verwertet werden.

Eine Wasserstandsanzeige in der Lesum
Auf den Wasserstand der Lesum sollen die Arbeiten keine Auswirkung haben.

Doch die Anwohner hatten im Vorfeld noch andere Sorgen geäußert. "Die größten Bedenken der Anwohner waren, dass wir die Straßen kaputt machen oder dass ihre Häuser in irgendeiner Weise leiden", sagte Brinkmann. Allerdings seien die Lastwagen nicht außergewöhnlich groß, die Fahrer seien vorsichtig. "Die Müllfahrzeuge, die hier jede Woche durchfahren, haben ein ähnliches Gewicht."

Gerade diese Spezialmannschaft weiß genau, was zu tun ist.

Wesernetz-Sprecher Christoph Brinkmann über die Arbeiter in Burg

Auch das Wasser soll dem Salzberg nichts anhaben können, da eine gesättigte Salzlösung im Innern der Kavernen entstehen soll. So sollen die Wände der Höhlen nicht aufgelöst werden können, heißt es.

Die Stilllegung der beiden Gasspeicher ist Wesernetz zufolge aufgrund einer Umstellung notwendig geworden. In ganz Deutschland werde künftig kein L-Gas, also Erdgas mit geringerem Methangehalt, verwendet. Stattdessen würden die Gasnetze auf sogenanntes H-Gas mit hohem Methan-Anteil umgestellt. Dafür seien keine großen Speicher für den Winter mehr nötig.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. November 2019, 19:30 Uhr