Kommentar

Corona? Sorry, aber ich hab' Hitze

Die Disziplin bröckelt. Verständlich, aber die Lage ist eine andere. Warum die Androhung von Bußgeldern jetzt richtig wäre, erklärt Radio Bremen-Regionalchef Frank Schulte.

Übervoller Strand an der Ostsee im August (Symbolbild)
Bei den Temperaturen sind die Strände voll. Abstand halten fällt da schwer. Bild: Imago | Fotoagentur Nordlicht

Es geht nicht um 25, 50 oder 150 Euro, die bei einem Verstoß fällig werden. Es geht um das Signal, um die Symbolik, die allein von der Androhung eines Bußgelds ausgeht. Da darf man durchaus zum Ergebnis kommen, dass solch ein Signal aktuell richtig und wichtig wäre. Lieber etwas früher, als zu spät. Man sollte nicht vergessen, dass die tagesaktuellen Corona-Zahlen das Infektionsgeschehen von vor 14 Tagen widerspiegeln. Und auf dieser Grundlage gibt es allen Grund, wieder etwas vorsichtiger zu sein und sehr, sehr deutlich an die Corona-Regeln zu erinnern.

Noch kein Trend, aber mehr Risikofaktoren

Die Lage: Deutschlandweit steigen die täglichen Neu-Infektionen auf den höchsten Stand seit Mai. In Bremen ist die Situation nicht eindeutig. Die Zahlen sind seit Anfang Juli tendenziell wieder gestiegen — allerdings auf niedrigem Niveau.

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Es wäre verfrüht jetzt schon von einem klaren und stetigen Trend zu sprechen. Allerdings: Es gibt einige Faktoren, die dazu führen dürften, dass die Zahlen weiter steigen. Die Reiserückkehrer etwa, die Schulen, die bald wieder im Regelbetrieb losgehen sollen, und allgemein die Tatsache, dass das soziale Leben wieder deutlich näher stattfindet. Jeder kriegt ja mit, was zum Beispiel an Badeseen los ist.

Die Disziplin bröckelt

So sieht das Leben mit und in der Pandemie eben aus. Es ist ein ständiges Abwägen von Risiken — übrigens nicht nur in der Politik, sondern — vielleicht noch wichtiger — in unserem Privatleben. Und da muss man wohl aktuell feststellen: Corona findet woanders statt, aber doch nicht mehr bei uns. USA, Brasilien, Indien, Lateinamerika — alles Orte, die weit weg sind. Es lässt nochmal kurz aufhorchen, wenn das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für Madrid ausspricht, aber auch das dringt momentan nicht mehr so richtig durch. Zweite Welle, ja, die Spanier haben sie, aber bei uns? Ach, geh mir weg, ich kann und will das nicht mehr hören. Ich habe mit der Hitze zu kämpfen.

Die Disziplin bröckelt, das wird wohl niemand ernsthaft bestreiten. Bei dieser Hitze mit Maske in Bus und Bahn? Och nö, muss doch nicht sein. Völlig aussichtslos sieht es beim Abstandhalten aus. Das findet schlichtweg nicht mehr statt. Ein Bußgeld wäre auch ein Signal an viele Berufsgruppen. An Polizisten und Mitarbeiter des Ordnungsamtes etwa, an Pflegekräfte, die jetzt wieder mit viel mehr Besuch umgehen müssen, an Verkäuferinnen, an Menschen, die Busse und Bahnen steuern und auch an Lehrerinnen und Lehrer, die sich Gedanken machen, wie das wohl so wird zum Schulstart. Ihnen allen würde man signalisieren: Uns ist das extrem wichtig, dass die Regeln weiter eingehalten werden und wir tun alles, was wir können, um dazu beizutragen. Vor allem aber: Wir tun es frühzeitig.

Video vom 11. August 2020
Zwei Männer sitzen in einer Straßenbahn hintereinander und tragen einen Mund-Nasen-Schutz.
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Frank Schulte

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 12. August 2020, 19:30 Uhr