Interview

Bremer Virologe widerspricht Kimmich: Angst vor Impfung unbegründet

Der Fußballer Joshua Kimmich will sich nicht impfen lassen, weil Folgen erst Jahre später auftreten könnten. Eine wissenschaftlich kaum haltbare Sorge, meint Andreas Dotzauer.

Video vom 25. Oktober 2021
Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Ein Interview von Bayern-Spieler Joshua Kimmich beim Fernsehsender "Sky" sorgt für hitzige Debatten. Kimmich hatte erklärt, dass er sich nicht impfen lassen wolle. Begründung: Er habe die Sorge, dass eine Impfung Langzeitfolgen nach sich ziehen könnte – vielleicht erst in einigen Jahren. Statt sich bereits jetzt impfen zu lassen, wolle er Studien abwarten, so der Fußballer. Kimmich ist nicht allein mit seiner Furcht vor Langzeitfolgen einer Corona-Impfung. Ist diese Sorge begründet? Dazu haben wir den Bremer Virologen Andreas Dotzauer zwei Fragen gestellt.

Der Fußballspieler hat Angst vor möglichen Langzeitfolgen infolge einer Corona-Impfung. Wie berechtigt ist diese Angst?
Ich vermute tatsächlich, dass es Ängste im Hinterkopf unbegründeter Art sind. Es gibt natürlich Verdachtsfälle – auch begründete Verdachtsfälle für bestimmte Reaktionen auf die Impfung. Das ist ja allgemein bekannt: Wir reden hier von den Herzbeutel- und Herzmuskelentzündungen und auch, dass eventuell Thrombosen auftreten können. Diese Fälle sind auch untersucht worden. Und man sieht eindeutig: Es sind sehr wenige Fälle. Wir reden hier ungefähr von zwei, drei Fällen pro 100.000 Impfungen. Dabei ist der Zusammenhang noch nicht mal ganz sicher geklärt.
Insofern ist diese Angst, die bei Herrn Kimmich besteht, eigentlich relativ unbegründet. Er sollte bedenken, dass im Falle einer Infektion, die Wahrscheinlichkeit für genau solche Auswirkungen sehr viel höher liegt als bei Impfungen.
Noch ein anderes Beispiel: Diese Atemnot, die bei einer Infektion vorkommt, tritt bei einer von zehn Personen auf. Bei einer natürlichen Infektion ist die Gefahr also viel höher, dass sich die Wirkungen auf sein sportliches Fortkommen auswirken
Kimmich spricht davon Studien über Langzeitfolgen abwarten zu wollen. Er meint also offensichtlich, dass es Folgen geben könnte, die vielleicht erst in einigen Jahren auftreten. Ist diese Annahme nachvollziehbar?
Die Wahrscheinlichkeit geht gegen Null. Wenn schwere, unerwünschte Folgen einer Impfung auftreten, dann erscheinen die innerhalb von acht Wochen nach der Impfung. Das dauert keine ein, zwei Jahre oder noch länger. Das liegt daran, dass alle Impfstoffe, auch die neuartigen mRNA-Impfstoffe, ungefähr innerhalb von zwei bis drei Wochen im Körper abgebaut werden. Diese Stoffe sind dann also nicht mehr im Körper vorhanden.

Wie denken Bremer über die Impf-Diskussion im Profifußball?

Video vom 25. Oktober 2021
Der Eingang zu den Büros von Werder Bremen im Weserstadion.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. Oktober 2021, 19:30 Uhr