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Große Unterschiede bei Corona-Impfquote in Bremer Pflegeeinrichtungen

Frau wird in den Arm geimpft.

Große Unterschiede bei Corona-Impfquote in Bremer Pflegeeinrichtungen

Bild: DPA | Felix Kästle

Während die Impfquote in der Mehrzahl der 86 Einrichtungen hoch ist, sind in zwei Häusern nur 30 bis 45 Prozent der Belegschaft geimpft. Betreiber warnen trotzdem vor einer Impfpflicht.

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) hat eine Impfpflicht für bestimmte Berufe gefordert. Vor allem Beschäftigte in Pflegeheimen, in Krankenhäusern oder auch in Schulen sollen sich dann impfen lassen müssen. Ist das im Land Bremen mit einer Impfquote von über 80 Prozent überhaupt notwendig? buten un binnen hat sich in Bremer Krankenhäusern und Pflegheimen umgehört, wie es um deren Impfquote bestellt ist.

Wie hoch ist die Impfquote bei den Beschäftigten in den Bremer Krankenhäusern und Pflegeheimen?
Angaben der Bremer Gesundheitsbehörde zufolge sind nahezu alle Beschäftigen in Bremer Krankenhäusern geimpft – die Quote liegt demnach zwischen 95 und 100 Prozent. Bei den Bremer Pflegeheimen zeigt sich ein anderes Bild, hier variiert die Impfquote der Beschäftigten stark zwischen den Einrichtungen. Das Gesundheitsressort fragt in regelmäßigen Abständen die Quoten bei Beschäftigten und Bewohnern ab. Die durchschnittliche Impfquote bei den Bewohnerinnen und Bewohnern der insgesamt 86 stationären Pflegeeinrichtungen liegt bei 92 Prozent, bei den Beschäftigten sind es 77 Prozent. Die Mehrheit der Einrichtungen weisen sowohl bei Bewohnern als auch bei Beschäftigten eine hohe Impfquote auf. Es gibt allerdings auch 20 Häuser, wo die Quote unter 70 Prozent liegt. In zwei Einrichtungen sind sogar nur 30 bis 40 Prozent der Belegschaft geimpft.

Impfquote Bewohner und Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen

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Welchen Einfluss erwartet man sich von einer möglichen Impfpflicht für die Beschäftigten?
Mehrere Heimbetreiber fürchten den Verlust von Personal. Jürgen Lohse, Geschäftsführer von Conpart e.V., die ein Heim in Bremen-Osterholz betreiben, geht davon aus, dass es einen – wenn auch geringen Verlust an Fach- und Hilfskräften geben wird – wenn es eine Impfpflicht für diese Berufsgruppe gibt. Die gleiche Sorge gibt es bei der Bremer Heimstiftung. Ein Personalverlust würde dazu führen, dass Dienste nicht mehr besetzt werden können und neue Pflegekräfte eingestellt werden müssten – der Mangel an qualifiziertem Personal in der Pflegebranche ist allerdings riesig.
Was würde passieren, wenn im Fall der Pflegeheime mit niedriger Impfquote alle Ungeimpften kündigen?
Das wäre eine "absolute Katastrophe" – mit diesen Worten beschreibt Reinhard Leopold das Szenario. Leopold ist verantwortlich für die Bremer Selbsthilfe-Initiative für Pflegebetroffene "Heim-Mitwirkung". Viele Pflegekräfte haben bereits aufgrund der extremen Arbeitsbelastung in der Corona-Pandemie den Job an den Nagel gehängt, weil sie das Gefühl hatten, dass sie es nicht mehr schaffen. Wenn jetzt noch das Personal, das nicht geimpft ist, kündigt, würde das zu extremen Problemen führen, sagt Leopold. Für diese Situation macht Leopold die Politik verantwortlich. Die bisherigen Entscheidungen hätten keine Verbesserungen, sondern immer weitere Verschlechterungen der Problemlagen in Pflegeeinrichtungen verursacht. Die aktuelle Lage sei das Ergebnis.

Autor

  • Fabian Metzner

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Vormittag, 1. Dezember 2021, 11:10 Uhr