Bremer Hausärzte: Sofortige Booster-Impfung für alle nicht leistbar

Hans-Michael Mühlenfeld zu Gast im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen

Bremens Hausärztechef hält die Pläne der Gesundheitsminister für logistisch nicht umsetzbar. Senatorin Bernhard setzt hingegen auf schnelle Drittimpfungen für alle.

Bremens Hausärzteverband kritisiert die Pläne der Gesundheitsminister, Booster-Impfungen für alle Menschen sofort zu ermöglichen.

Dass sich jeder, der will, sofort anmelden kann, ist weder medizinisch sinnvoll noch logistisch machbar.

Hans-Michael Mühlenfeld, Chef des Bremer Hausärztevebands

Eine solche Öffnung würde kurzfristig dazu führen, dass die Telefonanlagen der Hausärzte zusammenbrechen, sagt Hans-Michael Mühlenfeld, Chef des Bremer Hausärztevebands. "Die Leute fangen dann an, sich bei drei Stellen parallel Impftermine zu holen – das ist höchstgradig ineffektiv." Für akute Fälle, zum Beispiel nach einem Herzinfarkt, seien die Ärzte dann nicht mehr telefonisch erreichbar, sagt Mühlenfeld.

Gegen Impfungen nach den bisherigen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) spreche hingegen nichts. "Das ist machbar", sagt Mühlenfeld. Zumal die Corona-Impfung auch parallel zur den derzeit durchgeführten Grippe-Impfung gespritzt werden könne. Die Stiko empfiehlt bislang Booster-Impfungen für Menschen über 70 Jahre, deren letzte Impfung ein halbes Jahr zurückliegt. Außerdem empfiehlt sie Impfungen für Pflegepersonal und medizinisches Personal.

Darum kritisiert der Bremer Hausärztechef die Pläne für Drittimpfungen

Bild: Radio Bremen

Gesundheitssenatorin will schnelle Auffrischung für alle

Claudia Bernhard (Linke), Senatorin für Gesundheit, spricht bei einer Pressekonferenz über die aktuelle Entwicklung der Corona-Zahlen in Bremen.
Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard fordert schnelle Booster-Impfungen für alle. Bild: DPA | Sina Schuldt

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich am Donnerstag mit den Ärzteverbänden darauf geeinigt, dass jeder eine Auffrischungsimpfung bekommen kann, der vor sechs Monaten vollständig geimpft wurde. Auch Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) hat sich dafür ausgesprochen, dass sich alle Menschen um eine Auffrischungsimpfung bemühen sollten. Bernhard sagte im Interview mit Bremen Eins, dass jetzt alle wieder der Reihe nach drankämen.

Wir haben in Bremen zwar das große Impfzentrum geschlossen. Wir haben aber mit den Impfstellen und den mobilen Teams dieselben Kapazitäten für die Impfungen. Wir brauchen aber auch die Hilfe der niedergelassenen Ärzte.

Claudia Bernhard (Linke), Bremens Gesundheitssenatorin

Bundesweit seien die großen Impfzentren vielleicht mitunter zu früh geschlossen worden. In Bremen sehe das aber anders aus: "Wir werden die Impfungen mit unseren umorganisierten Kapazitäten gut abarbeiten können."

Bernhard sagte aber auch, dass in Bremen zunächst besonders gefährdete Menschen eine Einladung zur dritten Impfung bekommen werden. "Grundsätzlich haben aber alle Menschen, deren zweite Impfung mindestens sechs Monate zurückliegt, ein Recht auf die dritte Impfung."

Claudia Bernhard (Linke), Senatorin für Gesundheit, spricht bei einer Pressekonferenz über die aktuelle Entwicklung der Corona-Zahlen in Bremen.

Gesundheitssenatorin: Bremen kann Drittimpfungen für alle abarbeiten

Bild: DPA | Sina Schuldt

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 5. November 2021, 19:30 Uhr