Zukunftskommission: So sehen externe Experten Bremen

Wohin geht es für Bremen bis 2035? Wo ist das Land gut aufgestellt und wo hat es Nachholbedarf? Damit befasst sich seit September die sogenannte "Zukunftskommission". Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) und Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) haben eine positive Zwischenbilanz gezogen.

Ein Modell der Stadt Bremen im Rahmen der Stadtplanung.
Im Modell der Stadt Bremen lassen sich neue Gebäude schnell einpassen. Damit aber das gebaut wird, was die Stadt für eine positive Entwicklung braucht, sind viele Diskussionen nötig. Die Zukunftskommission soll helfen.

Infrastruktur, Stadtentwicklung sowie Bildung und Qualifizierung sind die großen Themen, mit denen sich die Zukunftskommission beschäftigt. Viele Ideen haben die Arbeitsgruppen in den vergangenen Monaten diskutiert – jetzt sollen daraus konkrete Vorschläge werden. Zum Beispiel, wie Kinder aus benachteiligten Familien besser gefördert werden können. Und wie Wohnen in Bremen und Bremerhaven attraktiver wird. Vor allem der Blick der externen Experten sei dabei spannend, sagt Bürgermeister Sieling.

Uns wurde gesagt, dass Bremen unglaubliche Stärken hat: Gute Quartiere, hohe Lebensqualität – und wir sollen uns das auf keinen Fall kaputt machen lassen.

Bürgermeister Carsten Sieling
Bürgermeister Carsten Sieling (SPD)

Die Zukunftskommission will deshalb auch darüber reden, wie ein modernes Bremer Haus aussehen könnte – besonders bei neuen Quartieren wie Hulsberg oder Rennbahn.

Hinweisschild auf WiFi/WLAN
Auch die Digitalisierung der Stadt ist ein Thema für die nächsten Jahre.

Ermahnungen von den Experten gab es allerdings auch: Sozial benachteiligte Stadtteile müssten gezielter gefördert werden. Eine sozialere und nachhaltigere Politik zu machen, sei nun die Hausaufgabe, so Finanzsenatorin Linnert (Grüne).

Linnert geht davon aus, dass die Stadt in Zukunft nicht so oft wie bisher auf ihr Vorkaufsrecht verzichten sollte. Da deutsche Städte zum Spekulationsobjekt werden, solle sich Bremen überlegen, ob es sich mit entsprechender Bodenpolitik dagegen schützt. Auch Wohnungsbau-Gesellschaften will die Stadt halten und wird darin von den Experten bestärkt.

Konkrete Ideen zu vielen Themen gesucht

Auch digitale Infrastruktur sowie die Innenstadtentwicklung sind zwei große Themen der Kommission. Und das zum Teil noch ungenutzte Potential der Forschungswirtschaft – Bremen solle Universität und Hochschule stark machen, sagt Sieling über die Empfehlung der Experten. Eine Idee sei eine Forschungslandschaft Bremen/Bremerhaven aufzubauen und die Hochschulen in die Teile der Innenstadt zu integrieren, die in den nächsten Jahren neu gebaut werden.

Ein großer Saal von oben fotografiert, in dem eine große Komission tagt.

In den nächsten Monaten sollen 13 Perspektivgruppen konkrete Ideen entwickeln. Bis zum Herbst will die Zukunftskommission ihre Empfehlungen vorlegen, wie sich Bremen und Bremerhaven bis zum Jahr 2035 entwickeln sollten.

Kritik am Zukunftsrat: zu wenig Junge beteiligt

Kritik am Zukunftsrat gibt es allerdings auch: Bei all den zukunftsorientierten Ideen würden diejenigen nicht ausreichend einbezogen, die davon am meisten betroffen sein werden. Das findet zumindest Nikolai Goldschmidt vom Bremer Jugendring.

Im Zukunftsrat sind Jugendliche unterrepräsentiert: bei 105.000 Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sowie 107.000 der 18- bis 30-Jährigen ist ein einzelner Vertreter der Jugendverbandsarbeit und Jugendarbeit nicht ausreichend.

Nikolai Goldschmidt vom Bremer Jugendring
Nikolai Goldschmidt

Jugendliche und junge Erwachsene werden am längsten von den Maßnahmen betroffen sein, an denen die Zukunftskommission gerade arbeitet. Goldschmidt hätte sich deshalb gewünscht junge Menschen früher und intensiver einzubeziehen, damit sich ihre Ideen und Themen später auch in den Arbeitsgruppen ausreichend wiederfinden.

Dieses Thema im Programm: Hörfunknachrichten, 12. März 2018, 18 Uhr