Weder Fleisch noch Milch? In Bremerhaven gibt es das Essen der Zukunft

Audio vom 21. September 2021
Ein Mann führt ein Stück Brot mit Würmern darauf zum Mund.
Bild: DPA | Alice S.
Bild: DPA | Alice S.

Ackerbohnenmilch und geröstete Grillen – und jeder kann probieren. Das könnten unsere Nachkommen einmal essen und trinken. Beim Lebensmittelforum dreht sich alles um Ernährung.

Gibt es in 100 Jahren noch Milch und Fleisch? Oder ist die Ernährung ausschließlich vegan oder vegetarisch? Klimaschutz durch Ressourcenschonung, Fleischersatz aus pflanzlichem Eiweiß, Nahrungsmittel als Kreislaufwirtschaft – die Lebensmittelbranche steht vor großen Herausforderungen. Mit diesen Themen beschäftigen sich Expertinnen und Experten aus ganz Deutschland beim zweitägigen Lebensmittelforum im Bremerhavener Fischbahnhof. Einmal im Jahr wird bei der Veranstaltung über die "Lebensmittel der Zukunft" diskutiert.

Eines dieser "Lebensmittel der Zukunft" ist ein Insektenriegel, angereichert mit Proteinen auf der Basis von Buffalowürmern. Proteine, umgangssprachlich auch Eiweiß, braucht der Mensch zum Leben. Vor allem Fleisch, Fisch, Eier und Milch sind Proteinquellen. Aber immer mehr Menschen wollen sich vegan oder vegetarisch ernähren. Aktuell sind rund zehn Prozent der deutschen Bevölkerung Vegetarier. Tendenz steigend. Es braucht also mehr alternative Proteinquellen, am besten regional herstellbar.

Regionale Ackerbohne statt importierte Sojamilch

Das Bremerhavener Technologie-Transfer-Zentrum (TTZ) forscht daran und nimmt am Lebensmittelforum teil. Bei der Veranstaltung soll sich auch über die neusten Trends in der Lebensmittelforschung ausgetauscht werden. Einer dieser Trends: die Ackerbohne. Geerntet in der Region, soll aus ihr beispielsweise ein Milch ähnliches Produkt entstehen, sagt der Leiter Innovation am TTZ, Martin Schüring.

Aus Ackerbohnen kann man eigentlich alles machen. Wir müssen sie zerkleinern, einweichen, fermentieren, rösten, mischen und dann kriegen wir da leckere Sachen raus. Nicht alles funktioniert. Es geht auch mal ein Schuss daneben. Aber wir sind schon recht weit und können auf jeden Fall Fleischähnliche Texturen machen, alle Arten von Aufstrichen oder eben Ackerbohnenmilch.

Ein Mann lächelt in die Kamera.
Martin Schüring, TTZ Bremerhaven

Der Vorteil von Ackerbohnenmilch ist, dass sie hier regional herstellbar ist. Sie kann in Norddeutschland geerntet und verarbeitet werden. Sie müsste also nicht, wie beispielsweise Sojamilch, aus anderen Ländern importiert werden.

Pop-up-Store zum Probieren in der Innenstadt

Testen und probieren lassen sich Lebensmittel wie diese die ganze Woche über in einem Pop-Up-Store in der Bremerhavener Innenstadt in der Bürgermeister-Smidt-Straße 116. Neben Ackerbohnenmilch auch geröstete Grillen – pur oder in den Geschmacksrichtungen Kräuter, Chili, Salz und Knoblauch. "Es sieht ungewohnt aus", sagt Store-Mitarbeiterin Maike Gärtner. "Da muss man das Kopfkino ein bisschen ausschalten – aber geschmacklich ist es lecker." Es könnte der Geschmack der Zukunft sein.

Rückblick: Nachhaltigkeit, Veganismus, Klima – Entwicklung neuer Jugendkulturen

Video vom 4. Dezember 2020
Ein Schild mit der Aufschrift "unverpackt einkaufen".
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Leonard Steinbeck
  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 21. September 2021, 6:35 Uhr