"Wohnwerkstatt 50 Plus": Wie will ich im Alter wohnen?

Wie will ich im Alter wohnen? Das Projekt "Wohnwerkstatt 50 Plus" will helfen kreative Lösungen zu finden.

Ein junger und ein älterer Mann sitzen auf einem Sofa und gucken sich gemeinsam etwas auf einem Tablet-PC an.
Es macht Sinn, sich frühzeitig zu überlegen, wie man im Alter wohnen will (Symbolbild). Bild: Imago | Westend61

In den letzten Monaten hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, dass einem die eigenen vier Wände gefallen. Auch im Alter wäre das eine feine Sache. Nur man muss sich um Wohnraum natürlich auch kümmern und das wird im Alter oft unangenehm. In Bremen gibt es dafür konkrete Hilfe.

Helga Strube ist 66 Jahre alt und sie wohnt mit ihrem Mann in einem Altbremer-Haus. Aus dem wird sie aber raus müssen. Nicht heute und nicht morgen, aber spätestens dann, wenn sie die Treppen nicht mehr gut hochkommt. Das weiß sie und deswegen macht sie sich Gedanken.

Sorge macht Helga Strube vor allen Dingen eins, wenn Sie an das Wohnen im Alter denkt: Anonym und einsam wohnen zu müssen.

Und eine schreckliche Vorstellung wäre, so im Alter isoliert, in so einem schicken Wohnquartier zu wohnen, was ich mir eh nicht leisten könnte, und irgendwie von 18 bis 23 Uhr vor dem Fernseher zu sitzen und die Nachbarn nicht zu kennen.

Helga Strube

Das Soziale ist ihr wichtig. In ihrem Quartier schätzt sie das Miteinander, die gemeinsamen Aktivitäten. Sie wäre aber auch bereit, den Stadtteil zu wechseln oder eine andere Wohnform zu wählen. Auf jeden Fall will sie nicht mit der Planung warten, bis es vielleicht zu spät ist. Diesen Fehler habe sie bereits in der Familie beobachtet: "Dann so gebrechlich zu sein, dass dann wirklich keine Zeit mehr ist, um Gestaltungspielraum zu haben und dann das nächstbeste Seniorenheim, wo dann ein Platz frei ist – das ist für mich eine ganz schreckliche Vorstellung", sagt die 66-Jährige.

Ein Seminar, das zum Denken anregt: Was will ich eigentlich?

Aber wie kann so ein Leben in der neuen Lebensphase konkret aussehen? Was will ich wirklich? Und was muss ich ausschließen? Und: Kann ich mir das tatsächlich leisten? All das sind Fragen, die Emotionen wecken und über die man sich erst einmal selbst klar werden muss. Das Projekt "Wohnwerkstatt 50 Plus", will dabei helfen. Entwickelt wurde es von der "Fachstelle Alter der Bremischen Evangelischen Kirche" und der Bremer Heimstiftung als gemeinsame Partner. Als neuer Partner ist seit diesem Jahr die Bremer Volkshochschule mit an Bord.

In verschiedenen Seminaren werde zum Denken angeregt, erklärt Kursleiterin Kornelia Renemann: "Wir stellen Fragen. Jeder Seminartermin hat ein Oberthema. Und dann gehen die Teilnehmer damit ins Plenum und kommen dann in den Austausch."

Gemeinschaftliches Wohnen ist en vogue

In den Seminaren geht es um sozial-ökologische Modellquartiere, um kulturelle Vielfalt oder um gemeinschaftliches Wohnen. Ein moderner Trend, weiß Projektleiterin Bettina Schürg: "Das ist ja gerade sehr en vogue. Und zwar über Bremen hinaus. Einmal das Bedürfnis, dass bei Menschen wieder stärker wird. Vielleicht auch vor dem biographischen Hintergrund. Man möchte in der dritten, vierten Lebensphase Gemeinschaft haben, gute Gemeinschaft haben. Man möchte nicht allein alt werden."

Alleine alt werden will Helga Strube auch nicht. Das war ihr auch vor den Seminaren klar. Dennoch hat sie dort viel Inspiration gefunden und auch die ersten No-Gos entdeckt. Eine Waschmaschine wolle sie zum Beispiel nicht mit 20 anderen Personen teilen. Ihre alltäglichen Erlebnisse aber eben schon. Damit sind die ersten, gedanklichen Schritte in Richtung zukünftiger Wohnmöglichkeiten für die 66-Jährige schon in Angriff genommen: "Also wir sind so auf dem Weg, um das mal auf den Punkt zu bringen."

Wer seine eigene Wohnsituation noch mal neu in die Hand nehmen möchten, aber noch ein bisschen Inspiration braucht, findet auch auf der Homepage der Bremer Heimstiftung Rat.

Autorin

  • Serafia Johansson Redakteurin