So geht Bremen gegen Wildpinkler vor

Weil die öffentlichen Klos in Bremen der Zahl der Wildpinkler offenbar unterlegen sind, sollen Freiluft-Toiletten den Männern das Geschäft erleichtern.

Öffentliches Pissoir
Die Pissoirs sind wie eine Spirale angelegt. Sie haben kein Dach und die grüne Sichtschutzwand beginnt erst auf Wadenhöhe.

Es ist ein menschliches Entsorgungsproblem. Wer unterwegs ist und mal muss, hat es oft eilig. Doch öffentliche Toiletten nutzt längst nicht jeder. Besonders häufig zeigt sich das Problem bei Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkten, Volksfesten oder dem Kneipenbummel. Es wird viel getrunken, eine Toilette ist nicht in Sicht oder bekannt. Gerade am Hauptbahnhof und im Viertel gab es immer wieder Ärger, weil sich Menschen, oft Männer, an den Bahnhofswänden, auf den Wiesen oder in den Nebenstraßen erleichtern. Vor dem Bahnhof und der Helenenstraße testete die Stadt etwa ein Jahr lang, wie die offenen Urinale angenommen wurden.

"Ein voller Erfolg"

3.000 Euro hat die Stadt für das Urinal vor dem Hauptbahnhof bezahlt, 500 Euro pro Monat kostet das Mietmodell an der Helenenstraße. "Ein voller Erfolg", freut sich der Sprecher der Umweltbehörde, Jens Tittmann. Pro Woche landen rund 300 Liter Urin in den Tanks des Pissoirs an der Helenenstraße – und nicht mehr an Hauswänden und Vorgärten. Das dürfte die Anwohner freuen.

Eine feste Toilettenanlage wäre viel teurer. Tittmann spricht von einem "satten vierstelligen Betrag" pro Jahr und viel höheren Reinigungskosten. Außerdem wolle man mit einer Toilettenanlage nicht den ansprechenden Platz zwischen Hauptbahnhof und Überseemuseum  verschandeln. Ziel sei es auch nicht, mit dem kostenlosen Angebot den Toilettenanbietern im Hauptbahnhof zu schaden.

Im Visier hat die Stadt mit den offenen Pissoirs die "Wildpinkler" – Menschen, die sich stundenlang vor dem Hauptbahnhof oder am Sielwall aufhalten und sich auch hier erleichtern. Oder einfach nur Menschen mit dem natürlichen Bedürfnis, sich zu erleichtern. Der Weg zur Toilette ist dann manchmal zu weit oder man ist zu bequem.

Grundsätzlich eine gute Idee, sagt Sabine Czarnotta, Leiterin des Reinigungsteams der Bremer Straßenbahn AG (BSAG). Gerade am Hauptbahnhof gebe es aber weiterhin Urinpfützen. Viele alkoholkranke Menschen seien ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr in der Lage, sich zu einer Toilette zu bewegen. Außerdem seien Frauen bei den Urinalen außenvor. Und mittlerweile, so habe ihr Team beobachtet, seien zehn Prozent der Menschen, die ihren Tag an großen Haltestellen verbringen, Frauen.

App "Nette Toilette" hilft bei Suche nach stillem Örtchen

Für alle anderen, die unterwegs auf die Toilette müssen, gibt es im Bremer Stadtgebiet mehrere kostenlose und überdachte Toiletten, zum Beispiel in der Tourist-Information am Marktplatz/Langenstraße, auf dem Domshof hinter dem Rathaus und an der Schlachte (behindertengerecht). Außerdem machen 95 Restaurants und Einrichtungen bei der Initiative "Nette Toilette" mit und stellen ihre Klos zur Verfügung. Das lässt sich die Stadt jährlich 125.000 Euro kosten.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. September 2017, 19:30 Uhr