Besser als sein Ruf: So war der Bremer Sommer wirklich

Video vom 21. September 2021
Spätsommer im Blockland, frisch gepresste Heuballen liegen vor einer Kulisse eines farbenfrohen Sonnenuntergang.
Bild: Radio Bremen | Josephine Gotzes
Bild: Radio Bremen | Josephine Gotzes

Zu wenig Sonne, zu kalt, zu nass – gefühlt waren die vergangenen Monate wenig sommerlich. Warum das nur bedingt richtig ist und was uns im Herbst erwartet, verraten Wetterexperten.

Gefühlt ist er schon längst da: Der norddeutsche Herbst mit grauem Himmel, sinkenden Temperaturen und einer Extraportion Regen. Der kalendarische Herbstbeginn ist allerdings erst am 22. September. Grund genug für eine Wetter-Bilanz und die Frage, war der Bremer Sommer wirklich ungemütlicher als sonst?

So richtig wollte der Sommer in diesem Jahr nicht in Fahrt kommen – könnte so mancher Bremer denken. Schaut man auf die Zahlen des Deutschen Wetter Dienstes (DWD), wird klar, dass dieser Eindruck allerdings nicht ganz stimmt. Besonders der August ist Schuld am schlechten Ruf des Sommers 2021 ist.

August war zu nass

Die Sonne ließ sich in diesem Monat deutlich weniger als gewöhnlich blicken. Lediglich 145 Sonnenstunden gab es im August im Land Bremen, laut DWD. Der Durchschnitt liegt bei 193 Stunden. (Verglichen werden DWD-Werte dieses Sommers mit denen des Zeitraumes von 1961 bis 1990). Mit 95 Liter pro Quadratmeter Niederschlag war der Monat eher zu nass, denn der Mittelwert liegt bei 71 Liter pro Quadratmeter. Die Durchschnittstemperatur für August liegt bei 16,7 Grad Celsius, mit 16,9 Grad war dieser Monat also ziemlich durchschnittlich.

Der Vormonat war im Gegensatz dazu mit 19,1 Grad Celsius um 2,3 Grad wärmer als der Durchschnitts-Juli. Laut Daten des DWD war dieser Monat auch deutlich trockener, aber weniger sonnig: Die Wetterstationen im Land Bremen erfassten 55 Liter pro Quadratermeter Niederschlag. Das sind 20 Liter weniger als der Durchschnitt. Der Mittelwert von 192 Sonnenstunden wurde mit 185 Stunden nicht erreicht.

Sonne satt im Juni

Dafür war der Juni in Bremen ein Wonnemonat für Sonnenanbeter: 250 Stunden Sonne satt gab es, statt der durchschnittlichen 204 Sonnenstunden. Die Meteorologen errechneten, dass die Temperaturen mit 18,6 Grad Celsius um 3,1 Grad höher als gewöhnlich waren und weniger Regen fiel: knapp 55 Liter pro Quadratmeter, statt 73 Liter.

Meteorologin Annika Brieber steht in einem Raum mit Monitoren
Annika Brieber ist Meteorologin im Klimahaus in Bremerhaven. Bild: Radio Bremen

Zu wenig Sonne, zu kalt, zu nass? Die Wetterdaten zeigen, dass der Sommer 2021 besser als sein Ruf ist. "Ich war selbst überrascht, dass die Wetterdaten doch eher durchschnittlich ausgefallen sind, denn das gefühlte Wetter war eher grau", sagt Meteorologin Annika Brieber vom Klimahaus in Bremerhaven.

Im Ländervergleich zählte das kleinste Bundesland im meterologischen Sommer (1. Juni bis 31. August) mit rund 215 Litern pro Quadratmetern zu den vergleichsweise niederschlagsarmen Gebieten. Nach den vergangenen heißen Jahren waren in der Region allerdings viele Böden ausgetrocknet. Brieber gibt nun Entwarnung: "Es hat in unserer Region genug geregnet. Die Lage der ausgetrockneten Böden hat sich entspannt."

Für Bremen errechnete der DWD einen Durchschnitt von 18,2 Grad Celsius, wobei der der Mittelwert bei 16,4 Grad Celsiusliegt. 589 Sonnenstunden hat ein durchschnittlicher Sommer, dieser Wert wurde mit 585 Stunden knapp verfehlt.

Weniger lange beständige Phasen sorgen in diesem Fall dafür, dass der gefühlte Sommer mit den Wetterdaten nicht mithalten kann.

Alexander König vom ARD-Wetterkompetenzzentrum
Alexander König, Meteorologe und Moderator beim ARD-Wetterkompetenzzentrum

Laut König ist dieser wechselhafte Sommer ein Ausreißer in den vergangenen zehn Jahren, die von langanhaltenden und sich wiederholenden Wetterlagen geprägt waren. "Wenn man aber auf frühere Jahre schaut, war es ein ganz normaler Sommer", sagt der Wetterexperte. Wichtig bei dem Thema ist ihm: "Ein Ausreißer nach unten ist nicht immer gleich ein Gegenbeweis zum Klimawandel, sondern gehört zu natürlichen Schwankungen dazu." Es gäbe einen Trend zu langanhaltenden Phasen wie den Trockenperioden aus den Vorjahren, so König.

Schaut man über den Tellerrand, wird deutlich, dass es bei uns zwar keine Wetterextreme gab, dafür aber beispielsweise Hitzewellen über Skandinavien, Nordamerika und die Mittelmeerregion rollten. Der Juli war global betrachtet der wärmste Monat.

Annika Brieber, Meteorologin im Klimahaus in Bremerhaven

Hoffnung auf goldenen Herbst?

Der Sommer ist so gut wie vorbei. Ob es trotzdem in den nächsten Tagen Hoffnung auf einen schönen Altweibersommer gibt? König antwortet verhalten: "Mittwoch wird wahrscheinlich der schönste Tag der Woche. Da kommt die Sonne raus. Ab Donnerstag dominieren Tiefdruckgebiete", sagt der Experte. An der Küste könnte es stürmisch werden. "Dann sieht es erstmal nach einer wechselhaften Periode aus." Was Hoffnung macht: Die unbeständige Phase könnte auch nur kurz dauern.

So schön war der wohl letzte Sommertag dieses Jahres in Bremen

Video vom 9. September 2021
Viele Menschen liegen am Werdersee.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Sophie Schwarz

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 21. September 2021, 19.30 Uhr