Fragen & Antworten

Sind die Wespen in diesem Jahr aggressiver?

Zurzeit hört man vermehrt von aggressiven Wespen, zuletzt attackierten die Tiere Kita-Kinder in Oldenburg. In Wahrheit ist den Tieren jedoch einfach nur langweilig.

Wespen im Flug.
Erst hatten Wespen zuletzt Besucher des Golden-City-Festivals attackiert, dann eine Gruppe von Kita-Kindern. Laut Nabu gibt es jedoch weder mehr Wespen, noch sind sie aggressiver. Bild: DPA | Frank Rumpenhorst

1 Wann haben Wespen Hochzeit?

Für Wespen ist die Zeit im August die Hochphase, sagt Florian Scheiba vom Bremer Naturschutzbund (Nabu) – also genau jetzt. "Machmal geht die Phase noch bis Anfang September", so der Umweltschützer weiter. Zurzeit werden allerdings keine Jungtiere mehr produziert. Deshalb sind die Wespen, die sich um sie gekümmert haben, auch häufiger außerhalb der Nester zu sehen. Ob es momentan überdurchschnittlich viele sind, kann Scheiba aber nicht genau sagen. "Wir haben jedenfalls noch nicht so viele besorgte Anrufe bekommen, das dient immer als unser Barometer."

2 Wie gefährlich sind Wespen?

Für die allermeisten Menschen sind Wespenstiche ungefährlich, selbst in Mund und Zunge. Nur wer eine Allergie hat, muss gesundheitliche Folgen befürchten, das sind aber nach Angaben des Ärzteverbands Deutscher Allergologen nur rund fünf Prozent der Bundesbürger. Sie reagieren mit Juckreiz, Hautquaddeln, Atemnot, Schwindel oder Übelkeit auf einen Stich. Im schlimmsten Fall kann es zu einem lebensbedrohlichen allergischen Schock kommen. Rund 20 Todesfälle nach Stichen von Bienen, Wespen oder Hornissen werden jährlich gemeldet, Experten schätzen die Dunkelziffer aber höher ein. Für Nicht-Allergiker wird es nur dann gefährlich, wenn sich der Stich infiziert, das passiert aber nur selten. Genaue Zahlen, wie viele Bremer in diesem Jahr schon mit Wespenstichen ins Krankenhaus gekommen sind, gibt es übrigens nicht – das sei im System schwer nachzuhalten, erklärt ein Sprecher vom Klinikverbund Gesundheit Nord. Nach Einschätzung der Ärzte sei dieses Jahr jedoch nichts auffällig anders.

3 Was hilft gegen Stiche?

Viele folgen ihrem gesunden Menschenverstand und kühlen den Stich. Doch Melanie von Orlow vom Nabu erklärt buten un binnen: "Das ist erst das Letzte, was man machen sollte." Sie empfiehlt, den Stich elektrisch zu erwärmen, das geht mit einem Stichheiler. Man könne auch eine Zwiebel oder eine Zitrone auf den Stich reiben. Kühlen sollte man den Stich erst anschließend. Sticht eine Wespe in den tiefen Rachenraum, sollte man einen Arzt aufsuchen, weil die Atemwege dann zuschwellen können. Allergikern raten Experten zu einer spezifischen Immuntherapie, die bei bis zu 95 Prozent der Patienten erfolgreich sei. In jedem Fall sollten Allergiker ein Notfallset mit Medikamenten und einer Adrenalinspritze in der Tasche haben.

4 Warum erleben wir Wespen als aggressiv?

Weil die Tiere aufdringlich sind und den Menschen meist hektisch umfliegen, werden sie als aggressiv empfunden. Dabei wollen sie eigentlich nur scharf sehen und sind weder aufgeregt noch stechlustig. Die Tiere sehen auf kurze Entfernungen schlecht und kompensieren das durch hohe Fluggeschwindigkeit.

5 Was kann ich tun, um Wespen zu vertreiben?

Parfüms, bunte Kleidung und duftende Cremes vermeiden. All das lockt die Tiere nämlich an. Außerdem sollte man Essen im Freien abdecken und zügig wegräumen. Und: Schokolade essen. Wespen mögen diese nämlich laut der Deutschen Wildtierstiftung nicht.

6 Was sollte ich auf keinen Fall tun, wenn Wespen in der Nähe sind?

Auf keinen Fall sollte man versuchen, die Insekten wegzupusten. Denn: Das im Atem enthaltene Kohlendioxid gilt im Wespennest als Alarmsignal, sagt Scheiba. Es kann also passieren, dass die Tiere durch Pusten erst recht aggressiv werden. Außerdem sollte man nicht herumfuchteln. Denn auch wenn Wespen gereizt oder gequetscht werden, können sie zustechen. Auch Angstschweiß kann Angriffe auslösen.

7 Kann ich Wespennester einfach entfernen?

Nein. Der Naturschutzbund setzt generell erstmal auf ein friedliches Zusammenleben von Wespen und Menschen. "In den meisten Fällen sollte das auch gehen", sagt Scheiba. Wenn es gar nicht mehr geht, sollte man Experten hinzuziehen. Schädlingsbekämpfungsfirmen kennen sich damit aus, ob das Nest überhaupt entfernt werden darf. Denn: Einige Wespenarten unterliegen dem Naturschutz. Im schlimmsten Fall droht jemandem, der ein Nest einer geschützten Art ohne Genehmigung entfernt, ein Bußgeld von 50.000 Euro. Am häufigsten geht es aber um die "Deutsche" und die "Gemeine Wespe", die nicht besonders geschützt sind. Mit einer Genehmigung der Naturschutzbehörde kann man aber unter Umständen auch ein Nest einer geschützten Art entfernen lassen. Solch eine Genehmigung kostet 120 bis 150 Euro.

8 Wie lange ist ein Nest bewohnt?

"Wespen bauen jedes Jahr ein neues Nest", sagt Florian Scheiba. In ein bestehendes Nest zieht kein neues Wespenvolk ein. Deshalb solle man die Nester am besten nicht entfernen, da sonst wieder ein attraktiver Platz für ein neues frei wird. Gegen Ende September, spätestens aber beim ersten Frost, sei die Wespen-Saison dann aber endgültig vorbei, sagt Scheiba. Dann ziehen sich die Königinnen über den Winter zurück und die restlichen Tiere sterben.

9 Haben Wespen auch etwas Gutes?

Ja. Laut von Orlow halten Wespen uns nämlich die Mücken vom Hals, ohne sie hätten wir jetzt also eine Mücken-Plage. Die Mücken verfüttern sie an ihre Nachkommen. Auch andere Insekten stehen auf dem Speiseplan: Zum Beispiel Spinnen, Raupen und Heuschrecken. Was Förster besonders freut: Wespen fressen auch Baumschädlinge. Weil sie sich an tote Tiere heranmachen, gelten sie als eine wahre "Gesundheitspolizei".

  • Milan Jaeger

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 20. August 2019, 23:20 Uhr