Europäisches Weltraumlabor ist seit 10 Jahren im All

Vor zehn Jahren war es soweit: Das in Bremen gefertigte Forschungslabor startete in den Weltraum. Zum Geburtstag gibt es ein neues Besatzungsmitglied – Roboter Cimon.

Raumfähre Atlantis vor dem Start

Am 7. Februar 2008 startete das Weltraumlabor Columbus ins All, um wenige Tage später an der Internationalen Raumstation ISS anzudocken. In der Kapsel der Europäischen Weltraumorganisation ESA wird Wissenschaft in der Schwerelosigkeit betrieben. 220 Experimente wurden laut ESA in den vergangenen zehn Jahren an Bord durchgeführt.

Darunter sind Untersuchungen zum Verhalten von Insekten, Flüssigkeiten und Mikroorganismen; die Liste der durchgeführten Experimente ist lang. Das erste wurde vom Botaniker Günther Scherer für die Universität Hannover durchgeführt. Scherer ließ zwölf Tage lang Pflanzen in der Schwerelosigkeit wachsen.

Er stellte fest, dass Pflanzen ohne Schwerkraft schlechter Wasser aufnehmen können – nicht wirklich eine rettende Erkenntnis für die Landwirtschaft, sagt Scherer selbst.

Ich würde das Ganze sehr langfristig sehen, wie beim GPS. Dessen Nutzen hat sich auch erst später gezeigt.

Günther Scherer, Botaniker
Pflanzen in einer Petrischale
Das Experiment von Scherer zeigt (siehe b): Wurzeln schrauben sich in der Schwerelosigkeit nicht mehr wie "Bohrer" ins Erdreich, sondern formen sich zu "Kringeln". Bild: ESA

Scherers Erkenntnisse sollen aber für künftige Mond- und Marsmissionen wichtig werden. Andere Forschungen der Columbus können schon jetzt zu Innovationen auf der Erde führen: So konnte auf Basis von Untersuchungsergebnissen in den vergangenen Jahren die Behandlung von Osteoporose und Krebs-Medikamenten verbessert werden.

Lange Wartezeiten schrecken die Industrie ab

Mit dem Start der Columbus 2008 waren viele Erwartungen verbunden – vielleicht sogar zu viele. Einige Wissenschaftler, die auf die Durchführung ihrer Experimente auf der Columbus hofften, mussten bis zu acht Jahre warten.

Man hat riesige Erwartungen geweckt, viele Experimente angeworben und dann gemerkt, dass man das nicht schafft.

Andreas Schön, Europäische Raumfahrtagentur ESA

Grund für die langen Wartezeiten sei mitunter der volle Arbeitstag eines Astronauten, so Schön weiter. Seinen Berechnungen zufolge könnten sich Astronauten im amerikanischen Teil der Raumstation ISS innerhalb eines halben Jahres 1.200 Stunden lang mit wissenschaftlichen Experimenten beschäftigen. Zwar gehört auch die Columbus mit zu dieser Abteilung dazu, doch letztendlich würden nur 8,3 Prozent dieser Zeit auf die Experimente entfallen, die in der europäischen Kapsel warten.

In den kommenden Jahren will die ESA mehr industrielle Experimente an Bord der Columbus umsetzen. Bisher waren die langen Wartezeiten für die Industrie ein Ausschlusskriterium. "Wir bekommen jetzt nach und nach kommerzielle Nutzer", kündigt Schön an. Die Wartezeiten seien bereits entschieden kürzer. Und auch finanziell will die ESA der Industrie entgegenkommen: Zukünftig müssten die kooperierenden Firmen nur noch ihre Experimente finanzieren; die restlichen Kosten werden von der ESA gestellt.

Astronaut Hans Schlegel trainiert in der Weltraumkapsel Columbus

Neu dabei: Roboter "Cimon"

Zum Jubiläum der Columbus stellt die ESA ein neues Besatzungsmitglied ein: Der Roboter Cimon ist nicht größer als ein Medizinball und reagiert auf Befehle und die Mimik seines menschlichen Kollegens: "Er soll ihm wie in einem Science-Fiction-Film hinterherfliegen und bei der Arbeit helfen", sagt Schön.

Der Astronaut Alexander Gerst wird Anfang Juni wieder auf die ISS zurückkehren und dann auch mit "Cimon" zusammenarbeiten. Kennengelernt haben sich beide schon auf der Erde. Im Weltall soll Cimon weiter getestet werden. Es sei nicht auszuschließen, dass der Roboter in Zukunft nicht nur im All zum Einsatz kommt, sondern auch in der Pflege, in Krankenhäusern – überall, wo sekundenschnelle Reaktionsfähigkeit gefragt ist.

  • Sophie Labitzke

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 7. Februar 2018, 19:30 Uhr