Fragen & Antworten

Neue Hoffnungsbranche? Bremerhaven will Wasserstoff-Vorreiter werden

Die Bundesregierung will noch in diesem Jahr eine "Wasserstoff-Strategie" präsentieren. So möchte Bremerhaven bei der Zukunftstechnologie ganz vorne mitspielen.

Eine Hand hält den Zapfhahn einer Wasserstoff-Tankstelle in den Tank.
In Wulsdorf entsteht aktuell eine Wasserstoff-Tankstelle (Symbolbild). Bild: DPA | Sebastian Gollnow

In der Bremerhavener Stadthalle trafen sich am Mittwoch zahlreiche Experten zum zweiten Wasserstoffsymposium. Im Fokus stand die Frage: "Wo stehen wir und wie geht es weiter?" buten un binnen fasst zusammen, wie Bremerhaven in Sachen Wasserstoff aufgestellt ist.

Wer engagiert sich in Bremerhaven für Wasserstoff-Technologien?
Seit rund drei Jahren setzt sich der Verein "H2BX" dafür ein, dass Bremerhaven ein Pionier-Standort für Wasserstoff-Technologie wird. Die Gründer Michael Labetzke und Claas Schott sitzen für die Grünen in der Stadtverordnetenversammlung. Sie leisten Informationsarbeit und knüpfen ein Netzwerk in Wirtschaft und Politik. Mehr als 70 Mitglieder zählt der Verein mittlerweile, auch der Energieversorger SWB und der Tiefkühlkosthersteller Frosta sind mit im Boot.

In diesem Jahr hat sich in Bremerhaven zudem das Start-up "Green Fuels" gegründet, das Projekte rund um grünen Wasserstoff umsetzen will. Jüngst hat sich das Start-up mit dem Projektentwickler "GP Joule" aus Schleswig-Holstein zusammengetan. Als "BH2V-Allianz" wollen sie zusammen mit anderen Firmen Lösungen für Mobilität mit grünem Wasserstoff entwickeln.

Und auch die Hochschule Bremerhaven beschäftigt sich laut Carsten Fichter, Professor für Windenergietechnik, mit Wasserstoff.
So funktioniert Wasserstoff H 2 H 2 O ( W asser) H 2 H 2
So kann man Wasserstoff nutzen: Aus Strom, zum Beispiel aus überschüssiger Windenergie, und Wasser wird Wasserstoff gewonnen. Er wird dann über Tankstellennetze vertrieben und in Fahrzeugen mit Brennstoffzellen verbrannt. Als Abgas entsteht nur Wasserdampf. Wenn „grüner Strom“ für die Produktion genutzt wird, ist Wasserstoff ein schadstofffreier Treibstoff.
Wird die Wasserstoff-Technologie schon konkret in Bremerhaven eingesetzt?
Der Verein "H2BX" hat dafür gesorgt, dass im Stadtteil Wulsdorf Bremerhavens erste Wasserstoff-Tankstelle entsteht – es wird die dritte im Land Bremen. Eigentlich sollte sie noch in diesem Jahr in Betrieb genommen werden. Nun verschiebt sich der Termin aber ins kommende Jahr. Ein Grund für die Verzögerung ist eine Explosion an einer Wasserstofftankstelle in Norwegen. In Norwegen wurden Komponenten des Herstellers verwendet, der auch die Tankstelle in Wulsdorf ausrüsten soll.
Welche Pläne gibt es für die Zukunft?
Im Bremerhavener Koalitionsvertrag steht, dass das Gewerbegebiet "Lune Delta" im südlichen Fischereihafen (Luneplate) zu einem "Zentrum für nachhaltige und ökologische Unternehmen" werden soll. Dort soll ein Gründungszentrum namens "Green Economy" eingerichtet werden mit dem Ziel, nachhaltige Firmen anzusiedeln und Gründungen zu unterstützen. Insbesondere im Wasserstoffbereich sehen die Parteien Wachstumspotenziale. Das Fraunhofer-Institut hat bei der Expertentagung am Mittwoch ein Wasserstoff-Testfeld vorgestellt. Auch das soll in dem Gewerbegebiet installiert werden.

Laut Koalitionsvertrag sollen außerdem im kommenden Jahr mindestens drei Wasserstoffbusse angeschafft werden. Die gesamte Flotte der öffentlichen Fahrzeuge, vom Aufsitzmäher bis zum Feuerwehrauto, soll bis 2029 mit klimaneutralen Antrieben ausgestattet werden. Das betrifft rund 1.000 Fahrzeuge. Vorgesehen ist zudem die Entwicklung eines E-/Wasserstofftankstellenkonzeptes für die gesamte Stadt.

So wird "grüner" Wasserstoff hergestellt

Video vom 8. September 2019
Eine Grafik, die die Herstellung von Grünen Wasserstoff beschreibt.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Sonja Harbers Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 6. November 2019, 16:45 Uhr