Nach Högel-Urteil: Oldenburger Klinik-Chef räumt seinen Posten

  • Vorstandsvorsitzender des Klinikums Oldenburg tritt zurück
  • Entscheidung in gegenseitigem Einvernehmen mit Verwaltungsrat
  • Richter im Prozess gegen Niels Högel hatte scharfe Kritik geübt
Dirk Tenzer, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied des Klinikums Oldenburg
Dirk Tenzer leitet seit 2013 das Klinikum Oldenburg. Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Der Vorstandsvorsitzende des Klinikums Oldenburg, Dirk Tenzer, tritt zum 1. Juli zurück. Diese Entscheidung sei im gegenseitigen Einvernehmen mit dem Verwaltungsrat getroffen worden, teilte die Klinik mit. Tenzer zog damit Konsequenz aus der zunehmenden Kritik an ihm. Zuletzt hatte der Richter im Prozess gegen den verurteilten Patientenmörder Niels Högel scharfe Kritik an Tenzer geäußert.

Die Vorwürfe hätten in den vergangenen Wochen das Klinikum und dessen Belegschaft erreicht, deshalb habe er sich entschieden, das Unternehmen zu verlassen, betonte Tenzer, der das Klinikum seit 2013 leitet. "Ich habe in den vergangenen Jahren mit dem Klinikum und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern viel erreichen dürfen, möchte mich aber zukünftig anderen Herausforderungen widmen." Der NDR hatte zuerst über den Rücktritt berichtet.

Verwaltungsrat: öffentliche Vorwürfe nicht nachvollziehbar

Verwaltungsratschefin Margit Conty dankte Tenzer "ganz ausdrücklich" für dessen Arbeit. "Gerade in der letzten Zeit war der Vorstandsvorsitzende jedoch der öffentlichen Kritik ausgesetzt, dass er die Aufarbeitung der Morde durch den ehemaligen Pfleger Niels H. nicht entschieden genug betrieben habe. Der Verwaltungsrat sieht aus Sicht des Klinikums derzeit kein Fehlverhalten von Herrn Dr. Tenzer; deshalb sind die öffentlichen Vorwürfe um seine Person für den Verwaltungsrat nicht nachvollziehbar", sagte Conty.

Der Mediziner war während des Mordprozesses gegen den Ex-Pfleger Högel am Oldenburger Landgericht wegen der Informationspolitik des Klinikums in die Kritik geraten. Der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann hatte den Aufklärungswillen Tenzers angezweifelt. Wichtige Protokolle und Strichlisten mit Todesfällen seien erst spät an die Ermittler weitergegeben worden. Tenzer hatte in einer vierseitigen persönlichen Erklärung den Vorwurf der Vertuschung vehement zurückgewiesen und die Anschuldigungen als substanzlos und unhaltbar kritisiert. Das Landgericht Oldenburg hatte den Ex-Krankenpfleger Högel wegen 85 Morden zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte seine Opfer in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst zwischen 2000 und 2005 mit Medikamenten zu Tode gespritzt.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. Juni 2019, 19:30 Uhr