Geschlossenes Uni-Institut kostet Bremen noch immer Geld

Um Geld zu sparen hat die Uni Bremen vor zwei Jahren das Zentrum für Humangenetik geschlossen. Mitarbeiter von damals müssen aber immer noch bezahlt werden.

Leerer Flur, in dem Medizinkittel an der Wand hängen
Seit zwei Jahren hat sich hier nichts mehr getan: Symbolisch, der leere Gang im ehemaligen Zentrum für Humangenetik.

Lange leere Gänge im ehemaligen Zentrum für Humangenetik: Jörn Bullerdiek, der frühere Leiter des geschlossenen Instituts, ist hier noch anzufinden. Bis vor zwei Jahren wurde hier im Auftrag von Krankenhäusern die Genetik von Tumorzellen diagnostiziert – ein wichtiger Schritt für die Krebs-Therapie.

Blaue Planen schützen zwei Mikroskope vor Staub.
Die instituteigenen Mikroskope zur Tumordiagnose ruhen unter blauen Schutzhüllen.

Doch die Herzstücke dieser wichtigen Untersuchungen – zwei spezielle Mikroskope, die Krebszellen finden können – sind schon länger nicht mehr zum Einsatz gekommen.

Der Grund: Das Institut wurde zu teuer. Jedes Jahr musste die Uni Geld zuschießen, beklagt Uni-Kanzler Martin Mehrtens:

Wir haben bisher ein Defizit von 1,4 Millionen jährlich finanzieren müssen und haben jetzt Nachlaufkosten von circa 200.000 Euro per anno.

Martin Mehrtens, Uni-Kanzler Uni Bremen

Schulden fast getilgt

Mittlerweile seien 1,2 Millionen Euro getilgt. Die übrigen 200.000 Euro muss die Uni aber aktuell noch an zwei Humangenetiker bezahlen. Die hätten im Institut zwar nichts mehr zu tun, doch sie konnten bisher auch an keinem anderen Institut unterkommen. 2023 geht der Letzte von ihnen in Pension – bis dahin wird die übrig gebliebene Summe ausgezahlt.

Uni-Kanzler Mehrtens ist damit zufrieden. Schließlich hätten alle anderen von ursprünglich 27 Mitarbeitern entweder eine andere Aufgabe an der Uni gefunden, oder die Arbeitsverträge waren regulär ausgelaufen.

Bullerdiek will kämpfen

Mann sitzt neben einem Mikroskop
Jörn Bullerdiek (ehemaliger Leiter des ZHG) an einem solchen speziellen Mikroskop, das Krebszellen erkennen kann.

Doch Jörn Bullerdiek bleibt unzufrieden – die vorhandenen Geräte kann er nur eingeschränkt nutzen. Seiner alten Arbeit, der Krebszellenforschung mit eigenen Daten, kann er so nicht mehr nachgehen. Dem Biologen bleibt noch die Lehre, doch die fülle ihn nicht aus. Er wolle die dauerhafte Schließung seines alten Instituts nicht hinnehmen:

Humangenetik ist einer der biomedizinisch wichtigsten Bereiche für die Zukunft. [...] Das ist auch interessant für die Bremer Kliniken als Kooperationspartner.

Jörn Bullerdiek, ehemaliger Leiter des Zentrum für Humanmedizin

Der Kanzler der Universität sieht dagegen schwarz für Bullerdieks Pläne: 14 Jahre sei es nicht gelungen, das Zentrum für Humangenetik aus den Miesen zu holen. Der Zug ist offenbar abgefahren.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 11. Januar 2018, 10:50 Uhr