Sensationsgier nach Unfall in Bremen: Was droht Gaffern?

  • Bis zu 80 Schaulustige nach Unfall in Bremen-Blockdiek
  • Einsatzkräfte mussten Sichtschutzwände aufstellen
  • Gaffern könnten noch Konsequenzen drohen
Eine Menschenmenge steht an einer Bremer Straße
Bei einem Unfall in Bremen hatten sich zahlreiche Schaulustige versammelt. Bild: NordWestMedia

Nach einem Unfall sollten Rettungskräfte sich eigentlich voll und ganz auf ihre oft lebenswichtige Arbeit konzentrieren können. Doch immer wieder behindern Schaulustige die Einsätze. So auch zuletzt in Bremen-Blockdiek: Nach einem tödlichen Unfall standen laut Polizei bis zu 80 Personen um dem Ort des Geschehens herum. Ihnen drohen jetzt Konsequenzen.

Um die Würde des Opfers und die Einsatzkräfte zu schützen, stellte die Polizei Sichtschutzwände auf – zu mehr war laut Sprecher Nils Matthiesen keine Zeit. "Die Einsatzkräfte hatten an dem Abend genug mit der Unfallaufnahme zu tun und keine Zeit, aktiv auf die Schaulustigen einzugehen", so Matthiesen. Neben dem Aufstellen der Sichtschutzwände habe die Betreuung der Angehörigen, die Sicherung der Spuren und die Befragung der Zeugen Priorität gehabt. Allerdings seien Bilder und Videos noch nicht komplett ausgewertet. Deswegen sei nicht auszuschließen, dass es noch Konsequenzen für die Gaffer gibt. Denn eigentlich drohen Schaulustigen empfindliche Strafen – sofern sie denn verfolgt werden.

Bis zu zwei Jahre Haft drohen beim Gaffen

Generell sind laut Matthiesen die Bremer Einsatzkräfte bei Gaffern unter anderem dazu angehalten, benutzte Kameras oder Handys sicherzustellen oder die Schaulustigen selbst zu filmen oder zu fotografieren, um sie zu dokumentieren. Außerdem können Platzverweise ausgesprochen werden.

Auch wenn nichts dergleichen bei dem Unfall in Blockdiek passiert ist: Im Nachgang können auf die Schaulustigen noch Konsequenzen zukommen. Das Gaffen selbst ist nämlich eine Ordnungswidrigkeit und wird als "Unerlaubte Ansammlung" gewertet. Wer sich auch nach drei Aufforderungen durch die Einsatzkräfte nicht vom Unfallort entfernt, muss mit einer Geldstrafe von bis zu 1.000 Euro rechnen.

Je nach Situation kann das Gaffen aber auch zur Straftat werden. Unter anderem kann eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung oder der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen drohen. Wenn also zum Beispiel hilflose Unfallverletzte gefilmt werden, kann das mit bis zu zwei Jahren Gefängnis bestraft werden – egal, ob das Video anschließend veröffentlicht wird oder nicht.

Weitere Informationen:

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 29. Juni 2020, 23:30 Uhr