Mit diesen 6 Regeln können Bremer das Überseefestival live erleben

Das Open Air startet am Mittwoch. Natürlich mit bremischen Bands – wegen Corona ist aber vieles auch anders. Was Besucher wissen sollten.

Video vom 15. August 2020
In der Überseestadt stehen einige Schiffscontainer, dazwischen Personen, die handwerklich arbeiten.
Bild: Radio Bremen

Vor der Bühne tanzen, ausgelassen feiern – inmitten von anderen partyfreudigen Menschen. So geht es normalerweise auf Festivals zu. Doch dieses Jahr ist alles anders: Wegen Corona sind große Veranstaltungen abgesagt.

Komplett auf Konzerte verzichten müssen Musik-Fans aber trotzdem nicht. Kleinere Veranstaltungen mit höchstens 400 Teilnehmern und entsprechendem Hygenie-Konzept sind in Bremen erlaubt.

Das Team vom Überseefestival hat sich deshalb entschieden, sein Open Air-Festival auch in diesem Sommer zu veranstalten – natürlich unter besonderen Bedingungen. "Wir haben ein sehr aufwendiges Hygeniekonzept erstellt", sagt Festivalkoordinatorin Andrea Rösler. Das umfasst verschiedene Bereiche.

1 Weniger Tickets und Besucher

Statt 2.000 Besucher pro Abend, wie in Vor-Corona-Zeiten, dürfen diesmal nur 300 Besucher pro Abend dabei sein. Das Gelände vor dem Alten Zollamt in der Überseestadt, das bislang beim Festival immer offen zugänglich war, wird jetzt erstmals eingezäunt, zahlreiche Desinfektionsständer aufgestellt. Und: Die Veranstalter haben ein Online-Buchungssystem für die Tickets entwickelt. "Dort wird dann ein fiktiver Plan angezeigt und die Leute können ihre Plätze auswählen", erklärt Rösler. Tickets gibt es auch an der Abendkasse und im Plattenladen "Hot Shot Records". Die Veranstalter bitten aber um Online-Buchung.

2 Einzel- und Gruppenplätze für bis zu zehn Personen

Um ein Festival-Gefühl zu erzeugen, hat sich das Veranstalter-Team entschieden, Gruppen-Plätze für bis zu zehn Personen anzubieten. "Wir wollten keine schnöden Stuhlreihen, sondern den Platz kreativ gestalten und eine schöne Atmosphäre schaffen", so Rösler. Neben den Gruppenplätzen können laut der Festivalkoordinatorin auch Einzelplätze gebucht werden.

Sprecht euch ab und bildet eure Festival-Crew vor der Online-Buchung, damit ihr beim Konzert zusammensitzen könnt!

Andrea Rösler, Festivalkoordinatorin

Auch wenn es, wie jedes Jahr, Tickets spontan an der Abendkasse und im Plattenladen "Hot Shot Records" zu kaufen gibt, hofft Rösler darauf, dass viele Menschen das Online-Buchungssystem nutzen: "Das erleichtert uns einfach die gesamte Planung und Organisation."

3 Maske ist Pflicht

Und ein Accessoire ist für die Festival-Besucher diesmal Pflicht: der Mund-Nase-Schutz. Der muss zwar nicht am Platz oder am Tisch getragen werden, aber immer dann, wenn man sich auf dem Gelände bewegt. "Zum Beispiel auf dem Weg zur Toilette", sagt Rösler. Apropops Sanitäranlagen: Auch hier greift das Corona-Hygenie-Konzept.

Die Toilettenreinigung findet in einem ganz anderen Turnus statt als sonst.

Andrea Rösler, Festivalkoordinatorin

4 Bargeldloses Bezahlen

Zum Hygenie-Konzept gehört auch ein neues Bezahlsystem, das sich Rösler und ihr Team überlegt haben. "Dieses Jahr wird bei uns komplett bargeldlos bezahlt. Wir haben Wertchips, mit denen man dann Getränke und Essen erwerben kann."

5 Ende um 22 Uhr

"Nach vier Stunden ist abends um 22 Uhr bereits Schluss." Das ist auch eine Vorsichtsmaßnahme, wie Rösler erklärte. "Wir wollen vermeiden, dass zu viel Alkohol getrunken und Party gemacht wird und Leute dann unter Umständen unachtsam werden, was die Schutzmaßnahmen angeht."

Eine Herausforderung sei die Entwicklung des Hygenie-Konzepts gewesen, sagt die Festivalkoordinatorin. "Anfang Juli haben wir uns entschieden, dass Open Air zu machen und dann haben wir innerhalb von einer Woche alles auf die Beine gestellt." Noch im März habe man gedacht, dass Festival falle aus. Dann habe man lange überlegt, ob so eine Veranstaltung jetzt in dieser Zeit überhaupt Sinn mache.

Aber dann haben wir gesagt: Wir haben das Haus voller Musiker. Es ist unsere Aufgabe, etwas zu machen – nicht nur für die Künstler, sondern auch für das Publikum, das nach solchen Veranstaltungen dürstet.

Andrea Rösler, Festivalkoordinatorin

6 Erstmals Eintritt

Das Feedback, so Rösler, sei bislang nur positiv gewesen. "Uns ist viel Dankbarkeit entgegengebracht worden und wir haben auch viele Spenden erhalten – einfach so, wortlos." Auf finanzielle Unterstützung ist das Überseefestival in diesem Jahr besonders angewiesen. "In diesem Jahr wird das Open Air wegen der Hygenie-Maßnahmen mindestens doppelt so viel kosten wie sonst", sagt Rösler. Alleine der Zaun, der das Gelände umgibt, sowie die entsprechende Security sei ein großer Posten. Nur mit Spenden und Sponsoren sowie der Förderung durch das Land Bremen könne das Festival überhaupt stattfinden.

Vor einem Gebäude stehen ein Bühnengerüst, ein Bauzaun und ein Container.
Hier wird bis Mittwoch noch einiges passieren: Das Festivalgelände am Samstag während des Aufbaus. Bild: nurdermicha / Musikszene Bremen

Und weil zum ersten Mal in der Geschichte des Überseefestivals Eintritt erhoben wird: Mittwoch und Donnerstag 99 Cent, am Wochenende 9,99 Euro. Bei der Online-Buchung kommt noch eine Vorverkaufsgebühr in Höhe von 1,99 Euro dazu. "Auch wenn wir nur einen kleinen Eintritt nehmen, das schmerzt uns", sagt Rösler. Das Festival sei in all den Jahren schließlich immer kostenlos gewesen. Aber jetzt sei es einfach nicht anders zu finanzieren.

Bremisches Line-up

Auch wenn Vieles beim Überseefestival in diesem Jahr anders sein wird, das musikalische Programm hat sich nicht verändert: Wie in all den Jahren zuvor kommen auch diesmal alle Bands aus Bremen.

Eine konkrete musikalische Ausrichtung gibt es nicht. Ob Rock, Pop, Indie, Soul oder Punk: Es ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Andrea Rösler, Festivalkoordinatorin

Zwei Highlights sind für Rösler in diesem Jahr "Die Mimis" und "The Hirsch Effekt". Während die Konzertbesucher bei "Die Mimis" Punkrock erwartet, geht es bei "The Hirsch Effekt" in Richtung Metal. "Die sind wirklich hochkarätig. Das ist ein Geschenk, dass die auf unserem kleinen Festival spielen", sagt Rösler. Sie freue sich, dass es jetzt endlich losgeht – und ist zugleich gespannt: "Es ist alles schon sehr aufregend. Das hier ist ja irgendwie auch ein Experiment."

Bremen stützt Kultureinrichtungen mit Millionen

Video vom 29. Juni 2020
Der Eingang der Bremer Volkshochschule.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Catherine Wenk

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. August 2020, 19:30 Uhr