Ein U-Boot als Luftschiff: Schwerlastumzug im Schifffahrtsmuseum

Für einen spektakulären U-Boot-Umzug musste am Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven die Fensterfront weichen. Kräne hoben das Objekt am Dienstag ein Stockwerk tiefer.

Ein graues U-Boot hängt am Haken von zwei roten Kränen vor einer offenen Fensterfront.
Das U-Boot "Seehund" zog für die Sanierung des Deutschen Schifffahrtsmuseums aus dem ersten Stock ins Erdgeschoss.

Seit dem Sommer 2018 werden Teile des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven leergeräumt. Nun ist der denkmalgeschützte Bau des Star-Architekten Scharoun fast bereit für die geplante Sanierung. Als letztes Exponat musste das Kleinst-U-Boot "Seehund" aus dem ersten Stock ins Erdgeschoss verlegt werden. Da das Objekt weder durchs Treppenhaus noch durch den Fahrstuhl passte, wurde eine Fensterfront demontiert und schweres Gerät bereitgestellt. Nach einiger Anstrengung war die "Seehund" mithilfe eines Gabelstaplers, eines Rollengestells und zahlreicher Arbeiter bis zur Fensteröffnung bugsiert. Dort nahmen zwei Kräne den Zwölftonner in Empfang und hievten ihn mit filigranen Manövern aus dem Gebäude – und einige Meter darunter wieder hinein.

U-Boot war im Zweiten Weltkrieg im Ärmelkanal unterwegs

Zwischenzeitlich waren der technische Leiter des Museums, Lothar Kuhlenkamp, und seine Mannschaft bei der mehrstündigen Aktion ins Schwitzen gekommen. Denn das Unterseeboot zierte sich, auf dem Teppichboden ins Rollen zu kommen. Im Original habe das U-Boot mitsamt zwei Torpedos 14 Tonnen gewogen und Platz für eine Zwei-Mann-Besatzung geboten, so Kuhlenkamp. "Die 'Seehund' war vor allem im Ärmelkanal unterwegs und sollte Handelswege abschneiden", erklärt Julia Mayer, wissenschaftliche Referentin am Schifffahrtsmuseum. "Das war ein Himmelfahrtskommando, die U-Boote wurden schnell entdeckt." Nur wenige seien von ihren Einsätzen nach Deutschland zurückgekehrt.

Sanierung des Schifffahrtsmuseums für 42 Millionen Euro

Die "Seehund" fanden Sporttaucher schließlich 1969 im Westhafen von Wilhelmshaven. Dort lagen insgesamt drei dieser U-Boote, alle mit scharfen Torpedos, berichtet Mayer. "Solche Exponate geben auch Anlass darüber nachzudenken, wie man über Krieg redet und über das eigene Verständnis von Krieg und Frieden denkt", findet die Referentin. Nach einer Sanierungszeit von zwei Jahren ist die "Seehund" dann im Erdgeschoss des Deutschen Schifffahrtsmuseums wierder öffentlich zu sehen. Während der Bauarbeiten an Decken, Böden und Beleuchtung sind Teile des Komplexes geschlossen. Die Kosten in Höhe von 42 Millionen Euro tragen Bund und Land.

Autor

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. Oktober 2019, 19:30 Uhr