Vorsicht Urheberrecht: DFL meldet Handybilder aus Stadien bei Twitter

Eine Bremerin postete ein bewegtes Bild von einem jubelnden Werder-Fan, kurz danach war ihr Account gesperrt. Was dürfen Nutzer online – und was nicht?

In einem Stadion hält ein Fußball-Fan ein Smartphone in die Luft und fotografiert (Symbolbild)
Wer Bilder von Bundesligaspielen postet, verstößt mitunter gegen das Urheberrecht. Bild: Imago | Icon SMI

Twitter-Nutzerin Kirsten Sander dachte sich nicht viel dabei, als sie am Sonntag ein vier Sekunden langes GIF-Bild von ihrer Freundin beim Jubeln im Stadion hochlud. Kurz danach wurde sie jedoch eines besseren belehrt: Ihr Twitter-Account wurde gesperrt. Denn das GIF stammte aus urheberrechtsgeschützten Fernsehaufnahmen. Zudem hatte Sander vor etwa drei Jahren bereits eine Abmahnung bekommen, weil sie nach eigenen Angaben einen kurzen Spielabschnitt im Weser-Stadion mit dem Handy gefilmt und im sozialen Netzwerk gestreamt hatte.

Bei mehreren Verstößen gegen Copyright droht Sperrung

Weg waren auf einem Schlag etwa zehn Jahre Online-Kommunikation mit Freunden und digitalen Bekannten. Sander sagt, für sie fühle es sich an, als ob jemand ihr Tagebuch geklaut hätte. Und dass sie nicht gedacht hätte, wegen eines kurzen GIF, das ihre Freundin zeigt, mit den Folgen rechnen zu müssen. "Wegen eines Vier-Sekunden-Bildes, worauf man nichts vom Spielfeld gesehen hat, hätte ich nicht gedacht, dass sie es verfolgen", sagt sie.

Twitter ist quasi wie ein Tagebuch. Man lernt dadurch unheimlich viele Menschen kennen, man führt dabei tolle Unterhaltungen. Menschen, die einem am Herzen liegen. Wenn der Account weg ist, kann man nicht mehr in dieses Tagebuch reinschauen. Und es ist gar nicht so einfach, mit einem neuen Account alle Kontakte wiederzufinden.

Kirsten Sander, Twitter-Nutzerin

Was viele Nutzer nicht wissen: Schon das Teilen einer kurzen Videosequenz aus Fernsehaufnahmen oder Fußballspielen kann rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Wie das Sperren eines Nutzer-Accounts. Christian Solmecke, Rechtsanwalt für Internet- und Medienrecht, bestätigt: "Wenn man sich ein Ticket fürs Stadion kauft, akzeptiert man damit in der Regel die Geschäftsbedingungen des Stadionbetreibers oder des Veranstalters." Darunter auch, dass man dort keine Videoaufnahmen machen und verbreiten dürfe. In der Praxis habe sich jedoch gezeigt, dass vor allem die unerlaubte Verwendung von Fernsehmaterial sanktioniert werde.

Die Länge des gezeigten Videos spielt keine Rolle

Erfolgt der Verstoß auf Twitter, kann der Veranstalter oder der Rechteinhaber dies dem Internetdienst melden. "In seinen Nutzungsbedingungen sagt Twitter ganz klar, dass der Dienst den Service jederzeit sperren kann", so Solmecke. Dasselbe gelte bei einer Urheberrechtsverletzung.

Hinweis auf Twitter, dass das aufgerufene Konto gesperrt wurde (Symbolbild)
Diese Benachrichtigung wurde auch Kirsten Sander von Twitter angezeigt.

In solchen Fällen könnten sich Nutzer jedoch an den Tech-Konzern wenden, vor allem, wenn der Verstoß eher geringfügig sei. "Vielleicht zeigt sich Twitter dann einsichtig und eröffnet den Account wieder", fügt Solmecke hinzu.

Der durchschnittliche Deutsche hat über 160 Freunde bei Facebook. Das ist schon Öffentlichkeit.

Christian Solmecke, Rechtsanwalt

Auch wer die Privatsphäre des eigenen Accounts einschränkt, wie es zum Beispiel auf Facebook möglich ist, sollte sich nicht in Sicherheit wähnen. Denn der Post wird dadurch nicht legal. Faktisch sei es aber dabei schwieriger, erwischt zu werden. Auch sei die Länge des gezeigten Videos irrelevant. "Ein Screenshot reicht schon", sagt der Anwalt. Wer unter dem Post die Quelle angibt, kann im Fall von einer Schadenersatzforderung eventuell damit rechnen, dass der Betrag des Ausgleichs halbiert wird.

Selfies mit Spielern werden toleriert

Unbedenklich seien hingegen Selfies mit dem Lieblingsspieler nach dem Stadionbesuch. "Eventuell auch, wenn man sich noch im Stadion befindet. Da meine ich, dass ein mögliches Fotografie-Verbot im Stadion zu weit reicht." Tatsächlich bestimme aber der Veranstalter, was im Stadion fotografiert und aufgenommen werden darf. Und das unabhängig davon, ob die aufgenommene Videosequenz als Video, als GIF oder gar als Screenshot gezeigt wird.

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Sander hat sich öffentlich an die DFL gewandt, da die Meldung an Twitter von einer Firma im Namen der DFL kam. Die junge Frau findet die Sperrung des Accounts unverhältnismäßig. "Wenn sie mich kontaktiert hätten und gesagt, dass es nicht in Ordnung war, hätte ich den Post wieder runtergenommen", sagt sie.

DFL: "Wir haben nicht den Account sperren lassen"

Ein Sprecher der DFL teilte buten un binnen auf Nachfrage mit, dass die Deutsche Fußball-Liga zwar den Urheberrechtsverstoß an Twitter gemeldet habe, den Account aber nicht habe sperren lassen. Das sei eine Entscheidung, die bei dem Dienstanbieter liege.

Die DFL hat nicht den Account gesperrt. Sie hat die Urheberrechtsverletzung an Twitter gemeldet. Ob ein Account gesperrt wird, das entscheidet Twitter.

DFL-Sprecher

Über die Verhältnismäßigkeit der Bestrafung in diesem Fall wollte sich der Sprecher nicht äußern. "Das möchte ich nicht bewerten, das müssen Sie bei Twitter nachfragen", sagte er. Das Unternehmen hat auf eine entsprechende Nachfrage bislang nicht reagiert.   

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 09.Oktober 2019, 23:20 Uhr